So erlebten BVB-Fans die gedrückte Stimmung

Todesfall im Stadion

Der Todesfall beim Bundesliga-Heimspiel von Borussia Dortmund im Signal Iduna Park hat auch die Vertreter der BVB-Fanclubs am Sonntag mitgenommen. Fünf Fans aus der Region beschreiben, wie sich die Nachricht im Stadion verbreitete und wie sie die Reaktion der Anhänger von BVB und FSV Mainz 05 erlebten.

DORTMUND

, 14.03.2016, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
So erlebten BVB-Fans die gedrückte Stimmung

Keine Fahnen, keine Gesänge: Der 2:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen Mainz 05 verlief in getrübter Stimmung, weil ein Fan während des Spiels starb.

Markus Kapp, Vorsitzender des BVB-Fanclubs Selm, saß am Sonntag nur ein paar Reihen vor dem Geschehen auf der Südwest-Tribüne. Kapp berichtete von hektischen Szenen. "So etwas habe ich selbst noch nie erlebt. Es ging alles sehr schnell", sagte der 51-jährige Fanclub-Vorsitzende.

Der 79-jähriger Mann im gleichen Block hatte während des Spiels einen Herzinfakt erlitten und wurde danach vergeblich reanimiert. "Dann wurde es still und wir haben beobachtet, wie die Fans die Fahnen abmontiert haben. Wir haben da schon vermutet, dass der Mann verstorben ist", sagte Kapp, der nach Spielschluss bis weit in den Abend hinein aufgewühlt gewesen sei: "Das nimmt einen schon mit."

Als die Fans des BVB fünf Minuten vor dem Abpfiff das Lied "You’ll never walk alone" anstimmten, "haben sich die Nackenhaare hochgestellt und man hatte Tränen in den Augen", sagte Kapp. Ausdrücklich lobte er auch die Mainzer Fans, die sich vorbildlich verhalten hätten. Kapp drückte sein Mitgefühl für die Angehörigen des Verstorbenen aus.

 

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— Borussia Dortmund (@BVB)

 

Paul Sawatzki, Vorsitzender des BVB-Fanclubs Lünen-Alstedde, stand auf der Südtribüne. „Insgesamt waren rund 40 unserer Mitglieder im Stadion“, sagt Sawatzki. Er habe nicht gleich mitbekommen, was der Grund für die Stille war. „Es dauerte etwas, bis das die Runde gemacht hatte“, so Sawatzki. Was ihn besonders beeindruckte: „Auch die Mainzer haben sofort reagiert. Einfach toll. Als hätte es jemand durchs Stadion gerufen.“ 

Das Erlebnis am Sonntagabend sei „unter die Haut gegangen“, sagt Sawatzki. „Da flossen Tränen. Ganz besonders, als die Südtribüne You’ll never walk alone angestimmt hat. Viele meckern über die Aktivitäten der Ultras. Am Sonntag haben sie Feingefühl bewiesen. Fußball-Fans können zusammenstehen.“

Michael König, 3. Vorsitzender des Nordkirchener Fanclubs: "Wir waren erschrocken und wussten gar nicht, was los war", sagte König, der auf der Westtribüne in Block 1 Platz genommen hatte. "Ein Kollege kam von der Toilette und hat erzählt, was passiert ist", sagte König. Die Informationen hätten sich bis in die letzte Ecke des Stadions rumgesprochen. Und auch König lobte die Reaktion der Fans: "Hut ab vor den Mainzern!"

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Willi Merten, Fanclub-Vorsitzender der Schwarz-Gelben Garde Olfen, saß auf der Osttribüne (Block 51), als ein Zuschauer hinter ihm eine Kurzmitteilung über das Handy erhalten hatte. "Wir hatten uns gewundert, warum die Süd so ruhig war und gepfiffen hatte, wenn jemand Stimmung machen wollte", sagte Merten. "Was toll war, dass auch die Mainzer ihren Support eingestellt haben", sagte er weiter.

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Georg Haase vom Fanclub Schwarz-Gelbe Lüner: „Sofort wurden alle Fahnen eingerollt. Das war schon eine besondere Atmosphäre“, so Haase. Er hatte einen guten Blick auf die Gästefans, denn Haase sitzt auf der Nordtribüne. 15 andere Mitglieder des Fanclubs waren über das Stadion verteilt. „Die Entscheidung der Fans war in dem Moment absolut richtig.“

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