Sven Görlich (22) sagt im Interview, dass es klare Absprachen zwischen Westfalia Vinnum und ihm gegeben habe, sowohl, als er 2017 geholt worden ist, als auch bei seinem Abschied.

Vinnum

, 10.02.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Wechsel-Theater um Sven Görlich von Fußball-Kreisligist Westfalia Vinnum zum Bezirksligisten Union Lüdinghausen hat sich der Spieler selbst zu Wort gemeldet. Vinnum gab den Stürmer nicht frei. Er ist nun ein halbes Jahr gesperrt. Im Interview mit Sportredakteur Sebastian Reith sagte der 22-Jährige, dass es klare Absprachen gegeben habe, an die sich die Vinnumer nicht gehalten haben.

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Warum sind Sie vor anderthalb Jahren nach Vinnum gewechselt?

Der Grund dafür war die Arbeit. Den zeitlichen Aufwand, den ich bei der Arbeit hatte, konnte ich nicht mehr mit dem zeitlichen Aufwand vereinbaren, den ich eigentlich für Fußball aufbringen möchte. Damals habe ich gesagt, dass es dann zurück zum Heimatverein nach Vinnum geht. Ich wollte im Fußball drin bleiben - mit weniger Aufwand.

Sven Görlich (2.v.l.) wurde gemeinsam mit Daniel Wessels (r.) im Juli 2017 von Trainer Frank Bidar (2.v.r.) und Team-Physiotherapeut Lars Haacke vorgestellt.

Sven Görlich (2.v.l.) wurde gemeinsam mit Daniel Wessels (r.) im Juli 2017 von Trainer Frank Bidar (2.v.r.) und Team-Physiotherapeut Lars Haacke vorgestellt. © Reith

Es gibt Streit über Zusagen und Wortbruch. Welche Zusagen hat Ihnen wer wann gemacht?

Ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt, als ich damals zu Vinnum gewechselt bin, habe meine aktuelle Situation dargestellt und klar gemacht, dass es für mich definitiv wieder woanders hingeht - in die Bezirksliga oder noch höher. Ich habe das beim ersten Gespräch mit Michael Asemann (Anm. der Red. Geschäftsführer Westfalia Vinnum) thematisiert. Wir haben offen darüber gesprochen, dass es jederzeit möglich ist, dass ich den Verein wechseln kann, sobald sich meine berufliche Situation entspannt.

Also hat es eine Zusage von Westfalia Vinnum an Sie gegeben, dass Sie jederzeit den Verein verlassen können?

Ja, das haben wir so kommuniziert.

Haben Sie das schriftlich festgehalten?

Nein, wir haben uns Vertrauen geschenkt. Die meisten Leute kenne ich noch aus meiner Jugend. Bei dem Gespräch war noch Michael Asemanns Bruder dabei und mein Bruder Jens. Ich habe nicht geglaubt, dass Probleme aufkommen werden.

Sven Görlich

Sven Görlich © Weitzel

„Wir haben offen darüber gesprochen, dass es jederzeit möglich ist, dass ich den Verein wechseln kann, sobald sich meine berufliche Situation entspannt.“
Sven Görlich

Diese Gespräche fanden mit dem Vorstand statt, nicht mit Frank Bidar?

Mit Frank Bidar habe ich darüber gar nicht gesprochen. Wir haben zwar miteinander Kontakt gehabt, dass der Wechsel klappen könnte. Aber alles andere wurde mit Michael Asemann geklärt.

Wann hat man Ihnen mitgeteilt, dass Sie in dieser Winterpause nicht wechseln dürfen?

Den Wechsel hat man mir erlaubt und auch nichts darüber gesagt, dass ich die Freigabe nicht bekomme. Nach dem letzten Spiel, das ich am 5. November gemacht habe, habe ich dem Verein mitgeteilt, dass der Wechsel jetzt stattfinden wird. Und dann kam am 14. November eine Whatsapp-Nachricht von Vorstand Kunibert Gerij. Darin hieß es: „Ich bin mir nicht sicher, ob dir unser Vorstandsbeschluss bekannt ist, dass wir im Winter keine Spieler freigeben.“ Es gab zum späteren Zeitpunkt noch eine SMS.

Wussten Sie von diesem Vorstandsbeschluss?

Nein, das war nie Thema. Ich bin auch nie auf die Idee gekommen, dass es sowas gibt. Dann sollte man das den Spielern mitteilen. Ich kann ja nicht sehen, was Westfalia Vinnum da in den Unterlagen stehen hat.

Aber vorher im November hatten Sie die Zusage von Michael Asemann, dass Sie wechseln können?

Genau. Er hatte mir gesagt, dass es akzeptiert wird. Stefan Olfens war bei diesem Gespräch dabei, und wenn ich mich richtig erinnere, Trainer Frank Bidar auch. Das haben wir abends beim Training besprochen. Ich habe gesagt, dass es schade ist, dass wir uns so plötzlich trennen. Und ich habe auch gemerkt, dass es dadurch etwas unruhig wurde in der Mannschaft. Es hat auch noch Telefonate mit Daniel Schürmann von Union Lüdinghausen gegeben. Und irgendwann wurde der Spieß dann umgedreht.

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Glauben Sie, dass Kunibert Gerij sich gegen Michael Asemann durchgesetzt hat?

Ich bin mir fast zu hundert Prozent sicher. Einen speziellen Grund kann ich mir aber nicht erklären. Mein Papa war auch immer beim Verein tätig. Das ist ein Seitenhieb, den ich nicht verstehe. Mein Bruder Jens hat ja auch das Handtuch geschmissen und die Schuhe komplett an den Nagel gehängt. Er hat andere Interessen gefunden.

Haben Sie Verständnis dafür, dass Westfalia Vinnum grundsätzlich keine Spieler im Winter abgibt?

Ja, habe ich. Ich kann verstehen, dass der Verein keinen Bock auf einen Ausverkauf hat. Aber ich finde es eine Frechheit, weil ich immer offen und ehrlich damit umgegangen bin.

Sven Görlich

Sven Görlich © Weitzel

„Ich spreche mich deswegen davon frei, dass ich immer eine Zusage für ein komplettes Jahr gegeben habe. “
Sven Görlich

Wären Sie nach Vinnum gegangen, wenn Sie gewusst hätten, dass Sie nicht in der Winterpause wechseln dürfen?

Ja, aber mit der Bedingung, dass ich es schriftlich vereinbart hätte. Sonst wäre es keine Option gewesen.

Kunibert Gerij sagte, dass Sie eine Zusage für eine gesamte Saison gegeben haben.

Was heißt eine Zusage für eine ganze Saison? Ich habe mehr als einmal gesagt, dass je nach Situation der Wechsel absehbar ist. Ich spreche mich deswegen davon frei, dass ich immer eine Zusage für ein komplettes Jahr gegeben habe. Jeder wusste, dass der Wechsel irgendwann stattfinden würde. Da nehme ich auch keinen raus. Wenn ich das mit Michael Asemann in seiner Position kommuniziere, dann fehlen mir die Worte.

Westfalia Vinnum möchte sich zur Sache noch äußern. Kriegen Sie mit, dass es ein Spannungsfeld zwischen beiden Klubs gibt?

Ja, man hört, dass die Beziehung in Richtung Vinnum angeknackst ist. Und egal, ob ich morgens zum Bäcker gehe oder auf der Arbeit bin, werde ich angesprochen. Das ist unangenehm. Ich stehe wie ein armes Würstchen dazwischen. Es nervt nur noch. Ich würde schon gerne Lüdinghausen unterstützen, die Liga zu halten. Mit bleibt nur übrig, das Beste daraus zu machen.

Sven Görlich (2.v.l.) wurde gemeinsam mit Daniel Wessels (r.) im Juli 2017 von Trainer Frank Bidar (2.v.r.) und Team-Physiotherapeut Lars Haacke vorgestellt.

Sven Görlich (2.v.l.) wurde gemeinsam mit Daniel Wessels (r.) im Juli 2017 von Trainer Frank Bidar (2.v.r.) und Team-Physiotherapeut Lars Haacke vorgestellt. © Reith

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