Triathlet Scheidle läuft beim Double Ultra mit

Leichtathletik

Gemütlich Ausschlafen, irgendwann morgens Brötchen holen, frühstücken mit der Familie – das alles waren für Dirk Scheidle irgendwie Unwörter in den vergangenen Wochen. Und auch am Samstag hat der Selmer Triathlet nicht ausgeschlafen. Um 7 Uhr in der früh startete der Double Ultra Triathlon in Emsdetten. Und damit dürfte für Scheidle eine mehr als 24-stündige Tortur beginnen.

SELM

, 09.06.2017, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Triathlet Scheidle läuft beim Double Ultra mit

Beim Ironman in Frankfurt löste Dirk Scheidle vergangenes Jahr das Ticket. Ein gefinishter Ironman in jüngster Karriere ist nämlich wie ein ärztliches Attest Voraussetzung.

Ein Ironman ist der Traum jedes Triathleten. Die Triathlon-Langdistanz besteht aus 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathon mit 42,195 Kilometern Laufstrecke zum Abschluss. Was für die meisten schon unglaublich klingt. Emsdetten kennt die extremere Form. Hier wartet auf Scheidle das doppelte Programm. Der doppelte Triathlon besteht aus 7,6 Kilometern Schwimmen, 360 Kilometern Radfahren und 84,4 Kilometer Laufen. „Es kommt nur darauf an, anzukommen“, sagte Scheidle unter der Woche.

Vorbereitet ist der Triathlet, der für das TriTeam Selm an den Start geht. „Ich hatte einen 36-Wochen-Plan“, erzählte er. Und der sah Sport zwischen 12 und 30 Stunden pro Woche vor, was zu einem vollen Kalender führte. Aufstehen um halb 6, um anderthalb Stunden zu schwimmen, nach der Arbeit in den Abendstunden ging es noch auf das Rennrad oder mit Laufschuhen auf den Weg. „Man braucht eine fantastische Frau, die das mitmacht“, sagte Scheidle und lachte.

Früher Sportmuffel

Der Double Ultra Triathlon in Emsdetten findet alle zwei Jahre statt, gehört zum Weltcup-Kalender und ist für Scheidle vielleicht sogar die sportliche Herausforderung seines Lebens. „Teilnehmer haben mir erzählt, dass es eine ziemliche Tortur wird“, berichtete der 48-Jährige. Wie es sich anfühlt, acht Kilometer zu schwimmen, weiß er. In den anderen beiden Disziplinen wird es dann schon anstrengender. Mit dem Rad ist er bislang 260 Kilometer weit gefahren – ob er sich danach gut fühlte? „Nein“, gestand Scheidle. Gelaufen ist er erst ein Mal über die Marathon-Distanz hinaus. Diesmal kommt alles hintereinander. Und monoton könnte es auch werden. Das Gelände ist eng. Ein Beispiel: Die 1,4 Kilometer lange Pendelstrecke laufen die Extremsportler 60 Mal hin und her.

Was überrascht: „Ich habe bis 32 überhaupt kein Sport gemacht“, sagte Scheidle. Der Wendepunkt kam 2000 bei einer Bergtour. „Ich war kaputt, habe komplett versagt und musste abbrechen“, sagte er. Ganz anders ein Begleiter, der damals 57 Jahre alt gewesen sei. „Und da habe ich mir gesagt, dass es doch nicht sein kann, dass jemand, der 25 Jahre alt ist, rumspringt wie eine Gämse“, so Scheidle.

Familiäre Atmosphäre

Er begann mit Inlinerfahren, absolvierte drei Jahre später einen Marathon auf Inlinern. 2006 nahm er an einem Volkstriathlon teil, 2007 lief er den ersten Marathon. „Ich war so angefixt“, sagte er. Bislang ist er vier Langdistanzen gelaufen, zwei in Frankfurt, zwei in Roth. 10:22 Stunden ist die Bestzeit. Über soziale Netzwerke erfuhr er dann von dem Event in Emsdetten.

Die Atmosphäre wird familiär: 62 Teilnehmer aus 17 Nationen sind am Start. Scheidles Rezept: „Ich muss im Wohlfühltempo bleiben.“ Pausen sind erlaubt, doch der Selmer will die Distanz dann doch am Stück schaffen. Nach 34 Stunden schließt das Ziel. Scheidle hofft, dass er das nicht ausreizen muss.

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