TuS-Chef Metzelder: "Olfen kämpft um jeden Punkt"

Fußball: Bezirksliga

Seit 2014 ist Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder Vorsitzender seines Heimatvereins TuS Haltern. Seit dieser Saison trifft Fußball-Bezirksligist SuS Olfen auch auf die zweite Mannschaft, die im Sommer aufgestiegen und derzeit Tabellenzweiter ist. Vor dem Rückspiel am Sonntag, 9. April, hat der prominente Halterner Chef Fragen per E-Mail beantwortet.

OLFEN

, 07.04.2017, 12:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
TuS-Chef Metzelder: "Olfen kämpft um jeden Punkt"

„Hier habe ich meine ersten Schritte als Fußballer gemacht, hier bin ich für einen Amateurverein toll ausgebildet worden und hierhin bin ich nach meiner Profikarriere zurückgekehrt. Ich brauch nicht die Bühne der großen Stadien, um den Fußball zu lieben!“, sagt Christoph Metzelder über den TuS Haltern.

Warum setzen Sie sich für den Amateursport ein?

Mein Engagement im Amateursport hat primär mit meiner Verbindung zum TuS Haltern zu tun. Über diese Zusammenarbeit habe ich den Amateurfußball kennen und lieben gelernt. Die Begeisterung und das Engagement der Spieler, Trainer und Verantwortlichen ist auch gesellschaftspolitisch nicht hoch genug zu bewerten.

Sie kennen beides: Was unterscheidet den Profifußball aus Ihrer Sicht vom Amateursport?

Der Profifußball ist ein großes Business geworden, das in einigen Auswüchsen fernab der Realität ist. Aber wir alle sind ein Teil dieses Geschäfts und speisen das System mit unseren Dauerkarten, Sky-Abos, Trikots und Likes in den sozialen Netzwerken. Im Amateursport geht es um den Kern des Fußballs, um die Liebe zum Sport. Je höher man kommt, desto größer ist auch hier die Geschäftsmäßigkeit.

Sonderregeln, steigende Preise, Millionentransfers: Wie kann man verhindern, dass sich der Profifußball immer weiter von seiner Basis entfremdet?

Das Interesse am Profifußball ist weiterhin gigantisch. Deswegen nehme ich die vielen kritischen Stimmen bisher als bigott war. Solange nicht ein Großteil der Fußballfans echte Konsequenzen zieht und dem Profifußball den Rücken kehrt, wird sich das Rad weiter drehen.

Die Homepage des TuS Haltern wirkt modern – überhaupt nicht wie ein Amateurverein, sondern fast schon bundesligareif. Wohin soll es mit dem Verein in den nächsten Jahren gehen?

Es war von Anfang an das Ziel, Erkenntnisse des Profifußballs auf einen Amateurverein zu übertragen und die Strukturen Schritt für Schritt zu professionalisieren. Trotzdem sehen wir uns weiterhin als Amateurverein, der auch die Aufgabe hat, diese Welt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Stehplatz statt Business Seat“ lautet eine Zeile einer PR-Kampagne, mit dem der Verein für Aufsehen gesorgt hat und sich provokant gegen die Kommerzialisierung stemmt. Auf der anderen Seite haben Sie viele Türen für Sponsoren beim TuS Haltern geöffnet. Ist das nicht ein Widerspruch?

Es geht bei allen Kampagnen um Aufmerksamkeit für den TuS Haltern, aber gleichzeitig auch um den Amateurfußball an sich. Dass wir uns damit und der Art und Weise unserer zunehmenden Professionalisierung in einen Widerspruch begeben, ist uns jederzeit bewusst. Aber in diesem Widerspruch stehen viele Fußballfans, die diese Zeilen lesen. Wir halten ihnen – und gleichzeitig uns – den Spiegel vor!

Der TuS Haltern stand in den vergangenen Jahren in der Kritik, weil der Verein Talente abgeworben haben soll, unter anderem auch aus Olfen. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Wir versuchen, Kinder und Jugendliche wohnortnah bestmöglich auszubilden und einen möglichst fließenden Übergang in den Seniorenbereich herzustellen. Da befinden wir uns in Konkurrenz zu vielen Vereinen im Vest Recklinghausen. Wir werben gleichermaßen um Trainer und Spieler, wie es andere Verein auch (bei uns) tun.

Sie trainieren selbst die U19. Wie schaffen Sie es, als Experte für Sky zu arbeiten und gleichzeitig noch eine Jugendmannschaft zu betreuen?

Indem ich rechtzeitig zum Anpfiff wieder zurück bin. Samstags bin ich in den Stadien der Bundesliga für Sky unterwegs und versuche dann sonntags rechtzeitig um 11 Uhr auf den Sportplätzen im Ruhrgebiet zu sein.

Könnten Sie sich vorstellen, einmal bei einem Bundesligaverein im Management oder der Geschäftsführung zu arbeiten?

Ich habe immer gesagt, dass mich die strategische Arbeit in einem Fußballverein immer schon interessiert hat. Heruntergebrochen auf den Amateurfußball mache ich genau das beim TuS Haltern und werde sicherlich irgendwann auch mal im Profifußball arbeiten.

Was hätte das für Auswirkungen auf Ihr Engagement beim TuS?

Mein ideelles Engagement für den TuS Haltern ist unabhängig von meiner beruflichen Planung. Mein zeitliches Engagement wird möglicherweise irgendwann mal kleiner werden.

In einem Interview haben Sie einmal gesagt, dass die Stauseekampfbahn ein Ort Ihrer Kindheit ist. Was empfinden Sie für das Stadion?

Hier habe ich meine ersten Schritte als Fußballer gemacht, hier bin ich für einen Amateurverein toll ausgebildet worden und hierhin bin ich nach meiner Profikarriere zurückgekehrt. Ich brauch nicht die Bühne der großen Stadien, um den Fußball zu lieben!

Sie waren beim Hinspiel mit im Olfener Steversportpark. Was ist Ihnen von diesem Spiel hängen geblieben?

Es war eine enge Partie, in der unsere zweite Mannschaft den Widerstand von Olfen erst einmal brechen musste. Nach dem Doppelschlag in der zweiten Halbzeit hat sich dann die größere Qualität durchgesetzt.

Halterns zweite Mannschaft ist Tabellenzweiter, Olfen ist Tabellenletzter – darf irgendjemand in Olfen überhaupt mit Punkten gegen Haltern rechnen?

Jede Mannschaft sollte vor jedem Spiel immer mit allem rechnen. Das zeichnet den Sport aus. Olfen kämpft um jeden Punkt, wir wollen oben dranbleiben. Sie werden sich also Strategien überlegen, uns das Leben schwer zu machen.

War geplant, dass die zweite Mannschaft in der Bezirksliga so durchstartet?

Die zweite Mannschaft unterliegt aufgrund ihrer Stellung innerhalb einer Seniorenabteilung immer besonderen Gesetzmäßigkeiten. Damit sind Chancen durch Verstärkung aus der ersten Mannschaft, aber auch Risiken durch Abstellungen gemeint. Deswegen sehen wir unsere Chancen in dieser Liga realistisch, freuen uns aber über den aktuellen Lauf.

Was haben Sie mit der zweiten Mannschaft noch vor?

Die zweite Mannschaft als U23 liegt mir ganz besonders am Herzen, weil sie als Unterbau der ersten Mannschaft, aber vor allen Dingen als Startpunkt für die Altjahrgänge der U19 dient. Ambitionierte Jugendspieler des TuS Haltern haben so aktuell die Perspektive, wenigstens in der Bezirksliga den Einstieg in den Seniorenbereich zu finden.

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