Virtueller Volkslauf als Alternative zum abgesagten Schloss- und Dorflauf?

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Nach der Absage des Schloss- und Dorflauf in Nordkirchen, ausgelöst durch das Coronavirus, ist man auf der Suche nach Alternativen. Und die findet sich im Netz und sind ziemlich flexibel.

Nordkirchen

, 24.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Läufer müssen in dieser Zeit mit all den Maßnahmen, die das Coronavirus mit sich bringt, ziemlich stark sein. Zwar können sie immer noch ihrem Sport nachgehen und durch die Städte oder die Natur joggen. Doch der Wettbewerb mit anderen Athleten bleibt ihnen verwehrt. So fällt auch der Schloss- und Dorflauf in Nordkirchen, der eigentlich am 30. April stattgefunden hätte, den Einschränkungen zum Opfer.

Knapp anderthalb Wochen vor dem Start hatten die Veranstalter, der FC Nordkirchen, bereits 70 Teilnehmer und 290 Läufer der Serie „Streiflichter“ auf der Liste stehen. Über fünf unterschiedlich lange Strecken hätte es für sie durch das Dorf und den Schlosspark gehen sollen. Alternativen für die Teilnehmer müssen also her.

Flexibilität für die Teilnehmer: Jeder läuft selbstständig

Eine Möglichkeit nach der Absage wäre eine in Deutschland noch eher unbekanntere Art des Rennens, der sogenannte virtuelle Lauf. Das bedeutet, dass jeder selbstständig mitmachen und Teil eines Wettkampfes sein kann.

Einzige Aufgabe: Strecke selbstständig laufen und sich selbst stoppen. Der TV Werne hat damit an Ostern schon vorgelegt und ein Rennen digital veranstaltet. In den USA ist dieser Trend bereits vor einigen Jahren angekommen. Vor allem aufgrund seiner Flexibilität hat der virtuelle Rennsport immer mehr an Popularität gewonnen. Vor allem weil bei großen Läufen in Amerika die Straßen oft überfüllt sind, denkt man an den Boston- oder New-York-Marathon.

„Hierzulande ist diese Art des Wettkampfs aber eher relativ selten und noch sehr ungewohnt“, sagt Johannes Pohlmann, Vorstandsmitglied beim FC Nordkirchen. Ein Freund von dieser virtuellen Alternative für den Schloss- und Dorflauf ist er ganz und gar nicht.

„Machbar wäre es mit Sicherheit, aber der Charakter des Laufes ist dann ein ganz anderer. Das ist ein Ereignis für die ganze Familie, man trifft sich in Nordkirchen und feuert zusammen an.“ Das gehe alles verloren, wenn jeder die Strecke nur mit sich allein oder einer anderen Person, wie es die Regeln aktuell vorsehen, bestreite. Und deswegen hat der FC Nordkirchen einen virtuellen Lauf anstelle des Schloss- und Dorflaufs auch nicht ins Leben gerufen.

Keine gleichen Bedingungen

Hinzu kommt für Pohlmann, dass bei einem digitalen Lauf die Streckenbedingungen der einzelnen Teilnehmer zu unterschiedlich sind, beispielsweise beeinflusst durch das Wetter oder auch das Höhenprofil. „Das bringt den Läufern vielleicht Spaß, aber ein ernster Wettkampf ist das nicht und hat auch einen niedrigeren Wert.“

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Die Zeitmessung wäre hingegen kein Problem gewesen, da jeder Teilnehmer seine gestoppte Zeit ganz einfach hochladen und mit speziellen Lauf-Apps auch noch die exakte Streckenlänge als Nachweis mitschicken kann.

FC Nordkirchen sucht noch nach Ausweichterminen

Ganz aufgegeben wurde der Lauf im Vorstand des FC Nordkirchen aber nicht. Da für den Verein die digitale Variante keine Option darstellt, musste eine andere Idee her. „Im August haben wir noch eine große Veranstaltung, den Halbmarathon. Dort könnte man einige Disziplinen aus dem Schloss- und Dorflauf integrieren“, erklärt Pohlmann.

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Ob diese Idee auch wirklich so funktioniert, kann er aber nicht zu 100 Prozent bestätigen. „Wir werden sehen, was dann umzusetzen ist. Zurzeit ist langfristiges Planen leider nicht möglich.“ Die Sicherheit und Gesundheit der Läufer und Helfer stehe für ihn an erster Stelle. Komplett nachzuholen sei der Nordkirchener Lauf mit den geplanten fünf Strecken aber wahrscheinlich nicht.

Lauf-Alternative im Netz beginnt vor der eigenen Haustür

Wer nicht erst bis August warten und sich schon jetzt mit anderen messen will, kann am 30. April trotzdem an einem Laufwettbewerb teilnehmen. Die Plattform „Lauf weiter“ bietet unter anderem das virtuelle Rennen „Lauf in den Mai“ an, bei dem man sich zwischen einer 5, 7,5 und 10 Kilometer langen Strecke entscheiden kann.

Man muss sich zunächst anmelden, wie bei einem gewöhnlichen Laufwettbewerb, los geht es aber dann nicht an der Startlinie, sondern vor der eigenen Haustür und gestoppt wird selbst. Anschließend müssen die Teilnehmer sich online nur noch mit ihrer Zeit eintragen. Eine persönliche Urkunde zum Selbstausdrucken gibt es inklusive.

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