Von der Kreisliga zum BVB - der Traum zerplatzte

19-jähriger Stürmer aus Selm

Aus der Kreisliga direkt zum BVB - dieser Traum wäre für einen 19-Jährigen aus Selm fast wahr geworden. Borussia Dortmund wollte Stürmer Joel Grodowski für das Regionalliga-Team verpflichten - hatte der doch in den vergangenen zwei Jahren fast 100 Tore für den PSV Bork geschossen. Doch dann kam der Medizincheck.

SELM/DORTMUND

, 25.04.2017, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles war offenbar vorbereitet hinter den Kulissen beim BVB. Vergangenen Mittwoch sollte Joel Grodowski einen langfristigen Vertrag bei der Borussia unterschreiben. Von der Kreisliga in die Regionalliga sollte es gehen, zur U23 des BVB, zum Tabellenzweiten der Regionalliga West.

Die Chance war einmalig, aber in letzter Minute platzten Grodowskis Hoffnungen. Wegen anhaltender Rückenprobleme ordneten die Verantwortlichen in Dortmund noch einen MRT-Termin an.

Spinalkanal ist verengt - das Risiko ist zu groß

Dabei kam heraus, dass Grodowski Probleme mit zwei Bandscheiben habe - und eine Verengung des Spinalkanals. Durch diesen Kanal in den Wirbeln verläuft das Rückenmark. „Eine Bandscheibenwölbung hätten sie wohl in den Griff bekommen, aber die Verengung des Kanals wird ja bleiben. Sie sagten, dass sie das Risiko nicht eingehen wollen“, erklärte Vater Ingo Grodowski.

„Das war wie ein Schlag in die Fresse“, sagt Joel Grodowski: „Ich war kurz davor und kriege dann so einen Rückschlag! Die Gespräche hatten sich gut angehört. Es war mein Traum. Es wäre einfacher gewesen, wenn die Leistung nicht gereicht hätte.“

Vater Ingo ergänzt: „Wir hätten es ihm alle gegönnt und waren uns sicher. Die Enttäuschung ist riesengroß.“

Bereits vor einem halben Jahr hatte Grodowski ein Training beim Regionalligisten RW Ahlen absolviert. Der Klub verzichtete jedoch auf eine Verpflichtung. Borussia Dortmund dagegen hätte Grodowski, der in zwei Saisons bislang 94 Kreisliga-Tore erzielt hat, gerne unter Vertrag genommen: „Es wäre ein spannendes Projekt gewesen, mit ihm zu arbeiten, aber der Rücken hat ihm da einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagte BVB-II-Manager Ingo Preuß gegenüber unserer Redaktion.

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52 Tore in 28 Spielen - eine Woche beim BVB trainiert

Grodowski spielt beim PSV Bork, der mit 16 Punkten Vorsprung Tabellenführer seiner Kreisliga ist, der Staffel A2 Unna-Hamm. In 28 Spielen hat die Mannschaft 118 Tore erzielt. Auf Grodowskis Konto gehen 52 davon. 

Beobachtet hatte der BVB den PSV-Stürmer offenbar erstmals im Spiel gegen den TuS Niederaden. Da traf Grodowski in der Nachspielzeit und spielte sich so in die Notizbücher der BVB-Scouts. Es folgten die Einladung, dann das Probetraining mit der U23 und der U19. „Joel hat in den Osterferien eine Woche bei uns mittrainiert. Er hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, sportlich wie menschlich. Vor allem im Torabschluss hat er außergewöhnliche Qualitäten“, sagte Ingo Preuß.

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Übungen für Bauch und Rücken sollen helfen

Dass Joel Grodowski seine Zusage beim PSV für die kommende Saison gegeben hatte und bei einer Unterschrift Wortbruch begangen hätte, hätte ihm in Bork angesichts der Chance wohl keiner übel genommen. „Joel war vergangene Woche fertig. Inzwischen ist er über den Berg“, sagte sein Vater. Joel Grodowski sagte, dass ihm das Gefühl der Absage noch immer schwer im Magen liegt.

Die Frage ist, wie es gesundheitlich weitergeht. „Er hat Übungen für Bauch und Rücken bekommen, die er machen muss“, sagte Ingo Grodowski, „das müssen wir in den Griff kriegen und werden uns noch Meinungen einholen. Aber der Zug ist erstmal abgefahren.“

Preuß wünschte Joel Grodowski für die Zukunft alles Gute. Der 19-Jährige selbst, der sich wegen der Probleme behandeln lässt, war schon wieder vorsichtig optimistisch: „Es geht irgendwie weiter.“

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