Rik Amann: So eine Deutsche Meisterschaft habe ich noch nicht erlebt

Coronavirus

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln.

von Rik Amann

Olfen

, 12.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rik Amann schaute sich die Deutschen Meisterschaften besonders gespannt an.

Rik Amann schaute sich die Deutschen Meisterschaften besonders gespannt an. © Rik Amann

Dieses Wocheneden war es endlich soweit. Die ersten deutschen Meisterschaften unter Corona-Auflagen sind nun über die Bühne gebracht worden. Zeit ein erstes Fazit zu ziehen. Wie laufen größere Meisterschaften unter Hygieneauflagen ab? Was sagen die Athleten dazu? Und besonders bleibt die Frage zu klären wie sehr Zuschauer fehlen – für die Stimmung und auch für Spitzenleistungen.

Zum einen muss man dem Deutschen Leichtathletik-Verband vorerst ein Lob aussprechen, dass es möglich war, eine solche Meisterschaft auszutragen. Ein Hygienekonzept musste entwickelt werden und unter großen Auflagen - mit so wenig Helfern wie möglich - musste ein reibungsloser Ablauf ermöglicht werden.

Außerdem kann man dank der deutschen Meisterschaften davon sprechen, dass die Leichtathletik nach dem Fußball eine der wenigen Sportarten ist, die in diesem Jahr wieder einen Saisonhöhepunkt ausrichten konnten. In diesem Sinne haben sich auch viele der Athleten in ihren Interviews in Braunschweig beim DLV bedankt, der ihnen die Möglichkeit gegeben hat, in diesem Jahr noch eine Late-Season mit Meisterschaften zu bestreiten.

Doch trotz der vielen lobenden Worte der Athleten, Trainer und Experten gibt es meiner Meinung nach einige negative Punkte, die offen angesprochen werden müssen. So zum Beispiel kann ohne Zuschauer einfach keine Meisterschaftsstimmung aufkommen, was dazu geführt hat das die Titelkämpfe an der ein oder anderen Stelle doch etwas trostlos wirkten.

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Dazu wurden den Meisterschaften ein sehr hoher Stellenwert zugesprochen, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Denn obwohl es natürlich keine schlechten Athleten bei einer Deutschen Meisterschaft gibt, fehlten einige Aushängeschilder der deutschen Leichtathletik. So kann man sagen, dass bei vielen Disziplinen nicht der Athlet gewonnen hat, den man vielleicht in einem „normalen“ Jahr erwartet hätte. Genauso sind meiner Meinung nach die Leistungen einzuordnen. Es gab Top-Leistungen, wie zum Beispiel im 100 Meter Finale der Männer, aber sie waren doch eher eine Ausnahme.

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Von hoher Leistungsdichte und knappen Titelentscheidungen konnte man in den meisten Wettkämpfen nur träumen. Einsame Titelgewinner und durchschnittliche Leistungen waren eher an der Tagesordnung in Braunschweig. Doch auch dafür gibt es viele unterschiedliche Gründe, wie das fehlen oder der Ausfall von Leistungsträgern oder erschwerte Voraussetzungen durch die Corona-Pandemie.

So bleibt festzuhalten, dass die Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr zwar ein schönes Projekt sind, um wieder in den Wettkampfbetrieb einzusteigen, dass sie vom Stellenwert aber nicht an die Meisterschaften der letzten Jahre anknüpfen können.

Alle Teile der Serie:

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln. Amann war bereits Leichtathlet des Jahres im SuS Olfen, in dem er seit 2006 Mitglied ist. Seine größten Erfolge waren die Silbermedaille bei den Deutschen U16-Meisterschaften im Jahr 2016 und der sechste Platz in der U18 im Jahr 2018.
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Gleich beim ersten richtigen Härtetest warf Rik Amann (U20) den Hammer wieder über 50 Meter. Damit hat er die Qualifikationsweite für die DM erfüllt. Teilnehmen wird er jedoch nicht.

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