Fußballspielen auf Asche - heute eine absolute Seltenheit. Damals normal, sogar in der zweiten Liga. © Archiv
Fußball

Als man als Zweitligist noch auf Asche trainierte: Sechs Ex-Kicker blicken auf ihre Karriere zurück

Das Treffen dieser Oldies hat inzwischen schon Tradition. Mehrmals im Jahr kommen die ehemaligen Kicker zusammen und blicken auf ihre gemeinsame Zeit im Fußball zurück.

Es ist schon eine illustre Gesellschaft, die sich mehrere Male im Jahr zusammenfindet. Das sind sechs Herren, die die Liebe zum Fußballsport vereint, auch wenn ihre aktive Zeit längst der Vergangenheit angehört. Diese Gruppierung rekrutiert sich aus ehemaligen Kickern, die sich vor allem in der Bundesliga und der zweiten Liga einen Namen gemacht haben – aber auch im Amateur-Fußball Akzente gesetzt haben.

Dazu gehört Ingo Peter, der seinerzeit als Lizenzspieler bei Borussia Dortmund unter Vertrag stand, später in die weite Welt hinauszog, dabei 1981 mit den Chicago Stings Meister der US-Profi-Liga wurde: „Ich habe in den USA meine Frau kennengelernt, die aus der Nähe von Fulda stammt“, gibt Ingo Peter einen kleinen Einblick in sein Privatleben.

Ingo Peter lernte seine Frau in den USA kennen

„In die USA gekommen bin ich auf Empfehlung von Karl-Heinz Granitza, den ich schon aus unserer gemeinsamen Jugendzeit bei Eintracht Dortmund kannte“, so Ingo Peter weiter. Dazwischen hatte Peter, der 1976 mit dem SV Holzwickede Deutscher Amateurmeister wurde, auch eine erfolgreiche Zeit beim DSC Wanne-Eickel. Aber auch als Trainer arbeitete Ingo Peter bei den Sportfreunden Siegen und dem Holzwickeder SC sehr erfolgreich, schaffte mit dem damaligen SV Holzwickede 2012 den Aufstieg in die Westfalenliga.

Zu Bundesliga-Ehren kam auch Roland Kosien, der unter anderem für Schalke 04 auflief. Einen großen Bekanntheitsgrad erlangte aber auch der Königsborner Karl-Heinz „Kalla“ Korte, der für die damaligen Zweitligisten DJK Gütersloh, Rot-Weiß Lüdenscheid, SV Erkenschwick und den Herforder SC aktiv war. Für Gütersloh war in dieser sportlichen Klasse auch Rolf Unnerstall (vormals Westfalia Holzwickede) im Einsatz, während Heinrich „Heiner“ Steinhoff (zuvor Unna 07) seine Brötchen beim DSC Wanne-Eickel verdiente. Nicht zu vergessen Georg Schymetzek, der nicht zuletzt beim Lüner SV seine sportlichen Höhepunkte erreichte.

Sextett fährt auch schon mal zusammen in den Urlaub

Dieses Sextett traf sich nun am vergangenen Freitag im Unnaer Meisterhaus zum Mittagessen. „Die Idee dazu, sich regelmäßig zu treffen, entstand 2017. Wir kannten uns ja aus früheren Zeiten, spielten damals gegeneinander oder gehörten einem Verein gemeinsam an“, schildert Heiner Steinhoff, wie diese Männer-Freundschaft entstanden ist.

Treffen sich regelmäßig: (v.l.) Roland Kosien, Rolf Unnerstall, Heiner Steinhoff, Karl Heinz „Kalla“ Korte, Georg Schymetzek und Ingo Peter. © Schürmann, Marcel © Schürmann, Marcel

„Es ist sicherlich ein Vorteil, dass wir ziemlich nah beieinander wohnen. Wir treffen uns mehrmals im Jahr, sind auch schon zusammen auf Mallorca gewesen. Manchmal sind auch unsere Frauen dabei“, so Steinhoff, der beim früheren Zweitligisten DSC Wanne-Eickel wohl seine sportliche Hochkonjunktur erlebte, aber auch für den damaligen SV Holzwickede aktiv war.

Roland Kosien reist extra aus Niedersachsen an

Eine Ausnahme, was den Wohnort betrifft, bildet bei diesem Sextett lediglich Roland Kosien, der extra aus der Nähe von Hannover angereist war. Den Ex-Schalker, der es bei den Knappen sogar zu einigen Einsätzen in der Deutschen Eliteliga schaffte, hatte es nach seinem Engagement in Gelsenkirchen und einigen Zwischenstopps wie dem DSC Wanne-Eickel und Rot-Weiß Lüdenscheid zu Hannover 96 verschlagen. Seitdem lebt Kosien mit seiner Familie in Pattensen, nahe der niedersächsischen Metropole. „Wir fühlen uns dort sehr wohl“, sagt Roland Kosien, der übrigens mit Ingo Peter verschwägert ist.

Wie sehr sich die Zeiten seit 1969 verändert haben, schildert der Königsborner „Kalla“ Korte, der in Unna ein Reisebüro betreibt. „Wir haben damals als Zweitligist in Gütersloh auf Asche trainiert, was heute gar nicht mehr denkbar ist. Wir sind tagsüber unseren Berufen nachgegangen und abends war Training angesagt. Dazu sind Rolf Unnerstall und ich mit dem Zug von Unna nach Bönen gefahren. Von dort hat uns Trainer Günter Luttrop mit nach Gütersloh genommen.

Das Finanzielle war nie ausschlaggebend: „Wir wollten höher spielen“

Von dem Geld, was die Spieler damals bekommen haben, konnte man nicht leben. „Besser wurde es dann, wenn wir gewonnen hatten. Die Siegprämie war damals schon lukrativer. Das Finanzielle war aber nicht ausschlaggebend. Uns ging es in erster Linie darum, höher zu spielen“, sagt Korte mit gut 50 Jahren Abstand.

Ähnlich erging es auch Rolf Unnerstall, den es seinerzeit aus der damaligen 1. Kreisklasse, bei Westfalia Holzwickede nämlich, ebenfalls Richtung Gütersloh zog: „Tagsüber mein Job bei der Sparkasse und dann Training in Gütersloh. Bei der DJK spielte seinerzeit auch Heribert Bruchhagen, der später als Funktionär unter anderen beim Hamburger Sportverein tätig war: Der Heribert hat uns dann auch zwei Mal nach Hamburg eingeladen. Schön ist es, dass dieser Kontakt auch heute noch besteht“, blickt der Ehren-Vorsitzende des Holzwickeder SC auf die guten alten Zeiten zurück.

Rolf Unnerstall führte Bausenhagen in die Bezirksklasse und den HSC in die Landesliga

Nach seiner Zeit in Ostwestfalen spielte Rolf Unnerstall einige Jahre für den damaligen TuS Iserlohn, teilweise auch mit Heiner Steinhoff zusammen, ehe er beim SV Holzwickede seine Karriere als Kicker ausklingen ließ. Aber auch als Trainer war sein Weg positiv beschienen: So führte er den SV Bausenhagen in die Bezirksklasse, stoppte als Übungsleiter dann die sportliche Talfahrt des SV Holzwickede dergestalt, dass der mittlerweile in der Bezirksliga gelandete HSV wieder in die Landesliga aufstieg.

Bestens bekannt in Unna ist auch Heiner Steinhoff, der der Jugend von Unna 07 entstammt. Er wechselte zunächst zum TuS Iserlohn und dann zum Namensvetter nach Neuenrade. Nach einer Zwischenstation beim SV Holzwickede landete das Unnaer Urgestein beim damaligen Zweitligisten DSC Wanne-Eickel, spielte dort mit Ingo Peter und Georg Schymetzek zusammen.

Georg Schymetzek gibt Borussia Dortmund eine Absage

Auf eine bewegte Laufbahn als Fußballer blickt auch Georg Schymetzek zurück: Seine Laufbahn im Seniorenbereich begann beim Lüner SV: „Ich habe dann beim SV Erkenschwick und Rot-Weiß Lüdenscheid mit Jürgen „Charly“ Schütz und Reinhold Wosab in der zweiten Liga gespielt“, so der 74-Jährige. Zu seinen Stationen gehört aber auch der SV Holzwickede.

„Ich habe überall schöne Zeiten erlebt“, macht Schymetzek keinen Unterschied zwischen den Klubs: „Ich hätte nach meiner Zeit beim Lüner SV auch zu Borussia Dortmund gehen können, ein Angebot lag vor. Allerdings war mir die Situation beim BVB damals zu unsicher. In Erkenschwick konnte ich meinem Beruf als Fernmeldetechniker weiter nachgehen“, sagt Georg Schymetzek, der sich mit der Berichterstattung mancher Medien so gar nicht anfreunden kann.

Das nächste Treffen der Oldies ist für den 28. Oktober terminiert. „Dazu habe ich die Kicker der damaligen Westfalenauswahl und des DSC Wanne-Eickel ins Maximilian (17.30 Uhr) nach Dortmund eingeladen“, freut sich Ingo Peter schon auf dieses Meeting.

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