Sinkende Mitgliedszahlen: Die Vereine im Kreis Unna erhalten noch einmal finanzielle Landeshilfen, sollten sie pandemiebedingt Mitgliederverluste erlitten haben. © Jens Lukas
Corona-Krise

Finanzspritze nach Mitgliederverlust: So viel Geld gibt es in den einzelnen Städten

Mit dem Corona-Lockdown flatterten bei einigen Sportvereinen die Abmeldungen in den Briefkasten. Die finanziellen Auswirkungen soll jetzt die „Coronahilfe Breitensport“ abfedern.

Über 100.000 Euro können Sportvereine im Kreis Unna vom Land Nordrhein-Westfalen bekommen, um die finanziellen Auswirkungen durch verlorene Mitglieder in der Corona-Krise abzufedern. Im gesamten Kreis haben Vereine fast 4 Prozent ihrer Mitglieder verloren, wie die Mitgliederstatistik des Kreissportbundes zeigt. Betroffen ist jeder zweite Verein.

Der TV Germania Kaiserau ist Kamens größter Sportverein. 1413 Mitglieder hatte der Mehrspartenverein zum Stichtag der Bestandserhebung am 31. März 2020. Ein Jahr später sind 135 Mitglieder weniger gelistet – für den Mehrspartenverein, der unter anderem Basketball, Volleyball und Turnen im Angebot hat, ein erhebliches Minus.

So wie dem TVG geht es vielen Vereinen im Kreis Unna. Jeder zweite Verein hat im Corona-Jahr 2020 Mitglieder verloren. In Kamen meldeten 23 der 43 Sportvereine sinkende Zahlen in ihrer Mitgliederkartei, allerdings keiner so viel wie der TVG. Insgesamt verloren die Vereine im Kreis Unna im Zeitraum so 5004 Mitglieder und gewannen 1213 hinzu.

Matthias Hartmann, Geschäftsführer des Kreissportbundes Unna, geht davon aus, dass die meisten Vereine den Mitgliederschwund kompensieren können, finanziell zumindest. „Es ist nicht dramatisch gravierend. Wenn ich 1000 Mitglieder verliere, tut es weh. Die Masse der Vereine liegt deutlich im zweistelligen Bereich unter 50“, sagt er.

Aufatmen: Die meisten Vereine haben nur geringe Verluste erlitten

Das belegen auch die Zahlen. Von den 23 Kamener Vereinen mit Mitgliederverlust traf es lediglich 4 mit Rückgängen von mehr als 50 Personen - immer vor dem Hintergrund, dass kleine Vereine solche Zahlen härter treffen würde. Der HC Heeren-Werve etwa zählte 34 Abgänge. Gemessen an den nur noch gezählten 167 Mitgliedern (2021) fallen die 34 Austritte doch stärker ins Gewicht.

In Bergkamen sind TuRa (-157), der Gymnastikverein (-55) und der SuS Oberaden (-43) am stärksten betroffen, in Fröndenberg der Verein Medi-Sport (-82), TV Jahn (-60) und der TuS Jahn Dellwig (-33). In der Kreisstadt Unna sind der TV Eintracht Lünern-Stockum mit einem Minus von 165 Mitgliedern, RWU (-92), die SG Massen (-73), der TV Mühlhausen-Uelzen (-57), die DLRG Unna (-42) und das Taekwondo-Zentrum (-64) am stärksten betroffen. In der Gemeinde Holzwickede sind der Großverein Holzwickeder SC wenig überraschend von den meisten Austritten (-143) betroffen, sowie die TG Holzwickede (-65).

Ihnen will das Land Nordrhein-Westfalen jetzt erneut helfen. Das Programm „Coronahilfe Breitensport“ sichert Vereinen 30 Euro pro verlorenem Mitglied zu. Maßgeblich sind zwei Stichtage: jeweils der 1. Januar 2020 und 2021. Vereine, die innerhalb dieses Jahres pandemiebedingt einen Mitgliederrückgang verzeichnet haben, sind antragsberechtigt.

Für stark betroffene Vereine mehrere Tausend Euro

Bis 1000 Euro, was 33 verlorenen Mitgliedern entspricht, zahlt das Land in voller Höhe aus. Darüber hinaus wird der Restbetrag zunächst zur Hälfte ausgezahlt. Für einen Verein wie den TVG könnte es so rund 2500 Euro geben.

Doch das war es noch nicht: Das Land belohnt auch den Gewinn von Neumitgliedern in einer möglichen zweiten Auszahlung. „Weh tut, dass es kaum Neuanmeldungen im Corona-Jahr gab“, sagt Hartmann. Jetzt gebe es Anreize, um das Geld in Öffentlichkeitsarbeit zu stecken. „Flyer, Plakate, Postwurfsendungen - das alles macht ein Verein normalerweise sonst nicht“, sagt Hartmann und empfiehlt, in die Offensive zu gehen. Die etwas komplizierte Rechnung belohnt gebeutelte Vereine, die 2023 wieder mehr Mitglieder haben als 2020.

Viele Vereine hatten ohne weitere Mittel geplant

Ob die neue Finanzspritze reicht? Schließlich sind 30 Euro angesichts fehlender Mitgliederbeiträge nicht viel Geld. Hartmann überlegt: „Unter dem Aspekt, dass bis vor einer Woche niemand damit gerechnet“ habe, helfe das Geld natürlich. Doch die meisten Vereine hatten ihren Haushalt schon darauf ausgerichtet, ohne weitere Mittel auszukommen.

Und wem es nicht gelingt, neue Mitglieder anzuwerben, für den werden die 30 Euro pro Mitglied wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

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Redakteur
Sportler durch und durch, der auch für alle Sportarten außerhalb des Fußballs viel übrig hat. Von Hause aus Leichtathlet, mit einer Faszination für Extremsportarten, die er nie ausprobieren würde. Gebürtig aus Schwerte, hat volontiert in Werne, Selm, Münster und Dortmund.
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Sebastian Reith