Paulo Olivera (2.v.l.) und seine Spieler (v.l.) Botan Mermer, Ricky Dos Santos Ribeiro, Leonardo Gomes Marcelino, Andrei Esequiel und Gabriel da Costa Silva suchen eine neue sportliche Perspektive. © Manuela Schwerte
Futsal

Nach Rückzug: Futsal-Teamchef Olivera will mit dem Königsborner SV „nichts mehr zu tun haben“

Der Chef der KSV-Futsaler beklagt mangelnde Unterstützung. Zufrieden war er nicht unter dem Dach des Vereins, obwohl Daniel Krahn ein Futsal-Fan ist. Jetzt will er sich einen anderen Partner suchen.

Nach dem plötzlichen Liga-Rückzug des Futsal-Regionalligisten Königsborner SV nach dem dritten Spieltag ist eine Sportart aus der Kreisstadt verschwunden. Denn die Königsborner waren das einzige noch verbleibende Team aus Unna, nachdem bereits CF Deportivo Unna, das bei RW Unna angedockt war, nach der Pandemie nicht in den Ligaalltag zurückgekehrt war. Wie geht es jetzt weiter mit Futsal?

Spielermangel war der Hauptgrund, warum beim Königsborner SV vergangene Woche die Lichter ausgingen. Aber hinter den Kulissen fehlte wohl auch Einigkeit.

Nicht jeder im Verein war ein Befürworter des Projektes. Paulo Olivera, Mannschaftsverantwortlicher der Futsaler, vermisste Unterstützung, sowohl personell als auch finanziell. „Wir haben gebeten, uns Spieler aus der zweiten und dritten Mannschaft zu organisieren“, sagte Olivera. Daraus wurde nichts.

Schlechtere Bedingungen als vor fünf Jahren

Er beklagte außerdem, dass die Kosten für seine Spieler gestiegen seien. Zunächst habe sein Team nur für die Saisonmonate Beitrag zahlen müssen, später wollte der Verein für das volle Jahr abrechnen. Während andere Mannschaften in Präsentationsanzügen in die Halle kamen, hätten die Futsaler diese nicht vom KSV gestellt bekommen. Die Bedingungen für seine Mannschaft hätten sich seit Projektstart vor fünf Jahren jedenfalls verschlechtert. „Am Anfang war noch alles in Ordnung“, so Olivera.

Noch ein finanzieller Streitpunkt soll ein möglicher Sponsor gewesen sein. Organisiert von den Futsalern, abgelehnt vom Verein – so die Kurzfassung von Olivera. Vereinschef Daniel Krahn kann die Kritik nicht nachvollziehen und schüttelt nur den Kopf: „Sponsoren sind wir immer offen gegenüber. Da weiß ich nichts zu zu sagen.“ Ein Streit, bei dem die Beteiligten wohl nicht mehr zueinander finden. Denn Olivera haut die Tür krachend zu: „Ich werde mir einen neuen Verein suchen. Mit dem KSV will ich nichts mehr zu tun haben.“

Daniel Krahn: „Ich bin ein Fan von Futsal“

„Da schwingt natürlich auch eine große Enttäuschung mit. Die Mannschaft hatte sich auf die Saison gefreut und kriegt dann Woche für Woche keine Mannschaft zusammen“, sagte Krahn. Die Verantwortung sieht er bei der selbstorganisierten Futsal-Truppe. Die dünne Kaderdecke wurde durch Abmeldungen noch knapper. Zudem schwächte sich die Mannschaft durch eine Unsportlichkeit selber.

Adrian Begovic (am Ball) und die Königsborner Auswechselspieler Pascal Kappauf und Fabio Leite haben zum letzten Mal in der Regionalliga gegen die Holzpfosten Schwerte gespielt, danach zog sich das Team zurück. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Welche Zukunft hat also Futsal beim Königsborner SV also nach dem Bruch der Parteien? Daniel Krahn: „Wir sind weiterhin sehr interessiert an sportlich attraktiven Möglichkeiten – und Futsal gehört dazu. Ich bin selber Fan von Futsal und hoffe, dass wir irgendwann wieder Futsal anbieten können.“ Unna sei eine fußballverrückte Stadt, in der sich genug Futsaler finden würden.

Portugal-Connection spricht mit CF Deportivo

Der Spielerkreis von Paulo Olivera fand sich über das portugiesische Gemeinschaftszentrum (Centro Cultural Português de Unna) an der Bornekampstraße in Unna zusammen und verkauft sich nach außen deswegen auch unter dem Kürzel CCP. In Portugal ist Futsal äußerst beliebt. Die Mannschaft bestand hauptsächlich aus Portugiesen.

Statt mit dem KSV würde Olivera gerne intensiver mit CF Deportivo sprechen. „Vielleicht klappt es nächstes Jahr, zusammen eine Mannschaft zu gründen“, sagt der 48-Jährige. Derzeit befürchtet er weitere Abgänge, etwa zu den Holzpfosten Schwerte. Der Verein im Süden des Kreises stellt eine Regionalliga-Mannschaft und eine Reserve in der Westfalenliga. Es sind keine leichten Zeiten für Futsal in Unna.

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Redakteur
Sportler durch und durch, der auch für alle Sportarten außerhalb des Fußballs viel übrig hat. Von Hause aus Leichtathlet, mit einer Faszination für Extremsportarten, die er nie ausprobieren würde. Gebürtig aus Schwerte, hat volontiert in Werne, Selm, Münster und Dortmund.
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Sebastian Reith