Heiß her ging es immer in den Derbys zwischen dem TSV und dem BVK, wie hier im Zweikampf zwischen Colonie-Kicker Freddy Griedorn (li.) und BVK-Stürmer Helmut Struwe. © privat
Jubiläum

Widerständen zum Trotz: Vor 50 Jahren wurde die Fusion zum Königsborner SV beschlossen

Auf den Tag genau vor 50 Jahren beschlossen der BV Königsborn und der TSV Colonie ihre Kräfte zu bündeln – die Geburtsstunde des Königsborner SV. Damals waren nicht alle Freund dieser Entscheidung.

Zeit macht nur vor dem Teufel halt – so heißt die deutsche Fassung einer der Songs des britischen Popsängers Barry Ryan aus dem Jahre 1971. Irgendwie scheint dieser Text symptomatisch für die Schnelllebigkeit mancher Dinge zu sein, so wie die damalige Fusion zweier Sportvereine im Unnaer Norden deutlich macht. „Die Zeit seitdem ist wie im Flug vergangen“, sagen heute viele Kenner der Szene.

Vor 50 Jahren: Die Geburtsstunde des Königsborner SV

Die Rede ist von der sportlichen Ehe des damals frischgebackenen Fußball-Drittligisten BV Königsborn und dem TSV Colonie zum Königsborner SV. Was von den Verantwortlichen beider Vereine am 26. Juni 1971 beschlossen wurde, trat zum 1. Juli desselben Jahres in Kraft – jährt sich also in diesen Tagen zum 50. Mal.

„Die Verantwortlichen beider Klubs wollten einen Großverein gründen, was aus meiner Sicht auch vernünftig war“, erinnert sich der langjährige KSV-Boss Heinz-Jürgen Albert, kürzlich als Vorsitzender des Hauptvereins nicht mehr zur Wahl angetreten, an die Zeit vor diesem halben Jahrhundert.

„Es gab viele Befürworter dieser Fusion. Wir vom BVK mit unserer ersten Mannschaft als Drittligist, der TSV Colonie mit seiner guten Jugendarbeit, wenn ich da nur an Andreas Volkmar oder Jürgen Schumacher denke. Es war eine Win-Win-Situation“, sagt Albert, der seinerzeit ein gefürchteter Torjäger war. „Aber es gab auch Leute, die mit dieser Fusion nicht einverstanden waren, die es heute zum Teil auch noch sind“, so „Heinzi“ Albert weiter.

Sei es drum: Werner Buschmeier vom TSV Colonie, dazu Wilhelm Ebbinghaus, Werner Hengstebeck, Gerd Splieth und Karl Kümper vom BVK fanden allen Widerständen zum Trotz eine Einigung – waren quasi die Triebfedern dieses Zusammenschlusses.

Immerhin hatte der TSV neben dem Fußball noch eine Handball- und eine Turnabteilung zu bieten, während der BVK „nur“ eine allerdings damals erfolgreiche Fußballabteilung in die Waagschale zu werfen hatte, sodass einer Fusion nichts mehr im Wege stand.

Helmut Struwe, im Bild mit Ehefrau Gisela, erinnert sich an die Fusionsgeschichte zum Königsborner SV.
Helmut Struwe, im Bild mit Ehefrau Gisela, erinnert sich an die Fusionsgeschichte zum Königsborner SV. © Hahn © Hahn

„Auch ich war für dieses Zusammengehen“, sagt mit Helmut Struwe ein weiterer Zeitzeuge, der eine Vergangenheit in beiden Klubs hat: „Es herrschte vor der Fusion eine gesunde Rivalität zwischen beiden Vereinen. Mein Elternhaus stand in der Friedrichstraße, nahe dem Jahnstadion, der sportlichen Heimat des TSV Colonie. Daher habe ich seinerzeit ab dem zehnten Lebensjahr zunächst für den TSV gespielt. Auf Anraten des Steigers Heinrich Matich, ein BVK-Fan, der meinen Vater immer wieder bearbeitete: ‚Was will der Helmut denn beim TSV, der BV Königsborn kann ihm doch eine wesentlich bessere sportliche Ausbildung bieten.‘“

Und so fasste Struwe den Entschluss, die Seiten zu wechseln: „Also bin ich dann mit 13 Jahren zum BVK gewechselt. Hauptgrund für diesen Wechsel war allerdings der Rasenplatz an der Steinstraße. Zudem hat Matich dank seiner guten Kontakte dafür gesorgt, dass ich häufiger zu Lehrgängen in die Sportschule Kaiserau eingeladen wurde. Ich habe diesen Schritt nie bereut“, schwelgt Helmut Struwe heute in guten Erinnerungen.

Gelebte Kameradschaft – auch bei den Frauen der Spieler

„Die Fusion selbst hatte auch insofern etwas Gutes, dass wir mit TSV-Akteuren wie den Schmidt-Zwillingen Werner und Rainer, dazu Werner „Fipse“ Cwink den Kader für unsere 1. Mannschaft, die ja im Fusionsjahr in die Dritte Liga (Verbandsliga) aufgestiegen war, gut ergänzen konnten“, liefert Helmut Struwe ein weiteres Argument für den Sinn dieser sportlichen Ehe.

Kameradschaft wurde damals großgeschrieben: „Wir Spielerfrauen waren sonntags bei allen Spielen präsent, haben uns dabei angefreundet, sodass es kein Problem mit unseren Männern gab, wenn es am Abend einmal spät wurde“, ergänzt Gisela, Gemahlin von Helmut Struwe.

Auf den Sportplätzen sieht man Helmut Struwe heute kaum noch. Dennoch ist sein Herz beim Königsborner SV geblieben: „Natürlich interessiert mich schon, was der KSV macht, ich hole mir die Informationen dazu allerdings mehr aus den Medien.“

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