Coronakrise: Volleyball-Trainer Bernd Purzner hat „nichts mehr zu tun“

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Das Coronavirus hat den Volleyball-Betrieb komplett lahmgelegt. Vollzeit-Trainer Bernd Purzner hat nun viel Freizeit und sieht besonders auf die Kinder Probleme zu kommen.

von Carl Brose

Werne

, 17.03.2020, 16:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich prägt Volleyball das Leben von Bernd Purzner. Als Nachwuchskoordinator arbeitet er für den Westdeutschen Volleyballverband und als Trainer ist er für insgesamt neun Mannschaften beim TV Werne und beim Werner SC zuständig, dazu leitet er AGs und Schnupperkurse an Schulen. Täglich ist er dafür bis zu zehn Stunden in den Hallen unterwegs.

Durch das Coronavirus ist nun aber Stillstand in den Sport gekommen und so auch in denn Alltag von Purzner. „Bei mir ist aktuell alles auf Eis gelegt. Ich habe von dem einen auf den anderen Tag auf einmal fast gar nichts mehr zu tun“, sagt der Werner über seine aktuelle Situation.

Alle Hallen sind geschlossen, alle Trainingseinheiten abgesagt und auch die kommenden Spiele und Turniere werden mindestens bis Mitte April nicht stattfinden. Noch kann Purzner von zu Hause aus im Homeoffice einige organisatorische Dinge erledigen, doch auch das droht in den kommenden Wochen obsolet zu werden. „Das lässt einen natürlich etwas unsicher und ratlos zurück. Man hängt aktuell in der Luft und weiß einfach nicht, was einen erwartet. Die Situation ist ja für alle komplett neu“, so Purzner.

Gerade auf die Kinder sieht der Nachwuchs-Trainer eine schwierige Zeit zukommen: „Für die ist das natürlich auch nicht leicht, jetzt die ganze Zeit zu Hause rumzuhocken. Die müssen probieren sich vielleicht zu Hause alleine fit zu halten.“ Das sei aber gerade beim Volleyball nicht so einfach. „Man macht fast jede Übung eigentlich in der Gruppe. Alleine hat man da nicht so viele Möglichkeiten, außer vielleicht etwas Technikübungen und Fitness im Garten oder im Zimmer zu machen. Aber das wird auf Dauer natürlich auch langweilig und den Kindern fehlt ein Trainer, der sie bei sowas motiviert, damit sie durchhalten“, erklärt Purzner. Seinen Mannschaften hat der Trainer extra ein paar Übungen mit in die trainingsfreie Zeit gegeben.

Der Wegfall fast jeder sportlichen Aktivität sei auch ein Problem für die Entwicklung der Kinder: „Gerade im Alter der U13- und U14-Mannschaften haben die Kinder eine Phase, in der sie sich enorm weiterentwickeln. Da ist es natürlich jetzt sehr schade, wenn mehrere Monate Training wegfallen.“

Dazu drohen auch zahlreiche Saisonhöhepunkte für die Nachwuchsmannschaften auszufallen. Zum ersten Mal seit Jahren hatte sich die U13 Mannschaft des TV Werne für die Westdeutschen Meisterschaften qualifiziert. Diese sollen am 9. und 10. Mai stattfinden. „Das droht jetzt natürlich auch wegzufallen. Für die Kinder ist das unglaublich schade. Die Vorfreude war riesig bei ihnen, wir hatten sogar geplant, für das Turnier in den kommenden Wochen zusätzliche Trainingseinheiten zu machen. Das hat sich jetzt erledigt“, so Purzner.

Große Probleme sieht der Trainer auch bei der Organisation der kommenden Spielzeit auf den Verband zu kommen. Eigentlich sollte für die nächste Saison eine Nordrhein-Westfalen-Liga für die U14 Mannschaften eingeführt werden. Die Qualifikation dafür soll über die NRW-Meisterschaften im Sommer laufen. „Wenn diese nun ausfällt, können die Mannschaften für die neue Liga nicht ermittelt werden. Ich weiß nicht, wie das dann gemacht wird“, sagt Purzner.

Keine Lösung für Aufstiegs-Frage

Auch bei der Frage nach Aufstieg und Abstieg in der aktuellen Saison sieht er eine große Baustelle. „Für dieses Problem habe ich keine Lösung parat. Da gibt es einfach keine Möglichkeit, dass es für alle gerecht ist. Im Amateurbereich ist das zum Glück kein so großes Problem, aber im Profibereich geht es um viel Geld. Da könnte das ein Desaster werden“, so Purzner.

Für den Trainer selber steht nun erst einmal viel Freizeit an. Sämtliche Termine wurden abgesagt. „Ich war ehrlich gesagt schon etwas urlaubsreif. Deswegen ist das jetzt nicht so schlimm für mich. Mir wird zu Hause auch nicht langweilig oder so“, sagt Purzner. Trotzdem sieht der Coach keine leichte Zeit auf sich zu kommen: „Es droht aber natürlich, dass es zu viel freie Zeit wird. Ich werde es auf jeden Fall vermissen in den Hallen zu sein. Ich mache das ja, weil es mir Spaß macht. Auch ans Wegfahren ist jetzt natürlich nicht zu denken, was ich sonst eigentlich gerne mache.“

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