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Diese Tipps helfen frierenden Fußball-Torhütern gegen Kälte und Schnee

rnFußballer und Kälte

Die Temperaturen sinken. Es ist Winter, auch für die Lokalfußballer, insbesondere Torhüter. Wir wollen wissen, wie sich die Keeper während des Spiels warmhalten und welche Tipps helfen.

von Nina Bargel, Patrick Schröer, Niklas Dvorak

Werne

, 01.02.2019 / Lesedauer: 5 min

Werfen wir mal wir einmal einen Blick aus dem Fenster. Es schneit, es friert, Stadt und Land unserer Region sind in Weiß gekleidet. Die Temperatur bewegt sich um den Gefrierpunkt. Und auch für das Wochenende prognostiziert der Deutsche Wetterdienst Schneeregen und niedrige Temperaturen. Richtiges Schmuddelwetter also, bei dem man in der Regel nur ungern die eigenen vier Wände verlässt.

Anders sieht das bei den lokalen Fußballern aus, die aktuell mitten in der Vorbereitung auf die Rückrunde stecken. Die Vereine kicken auch bei Regen, bei Schnee und bei eisiger Kälte - sofern die Plätze vorab nicht gesperrt wurden. Für die Feldspieler, die sich die gesamten 90 Minuten über bewegen, mag das vielleicht kein größeres Problem sein. Aber wie verhalten sich die Torhüter, die teilweise minutenlang im eigenen Strafraum stehen und beschäftigungslos sind? Ein Überblick.

Typischer Sonntag

Die meisten Torhüter kennen die Situation bestens. 45 Minuten im Dauerregen oder sogar im Schneeregen stehen, dazu eisige Kälte aushalten, danach 15 Minuten in der Kabine auftauen, um im zweiten Durchgang mit nassen Klamotten wieder der Kälte zu trotzen: ein typischer Sonntagnachmittag für Lokalfußballer im Winter.

Marcel Möller, Torwart beim A-Kreisligisten SV Preußen Lünen, schlägt das Wetter manchmal auch auf die Stimmung. „Bei diesem miesen Wetter ist die Motivation natürlich geringer, aber seitdem ich nicht mehr auf Asche trainieren muss, machen die einzelnen Übungen bei dem nassen Boden mehr Spaß“, sagt der Rückhalt der Preußen.

Ungemütliche Zeiten

Eine solche Szene – wie oben beschrieben - mit der warmen Halbzeitpause zwischen den beiden ungemütlichen Halbzeiten ist Möller selbstverständlich ein Begriff. „Halbzeitpausen sind bei dem Wetter mies. Da hat man sich gerade an das Trockene gewöhnt, dann muss man wieder raus ins Kalte. Wenn es richtig regnet, wechsele ich dann sogar häufig das Trikot, manchmal sogar noch die Hose“, sagt er. Gegen die Kälte schützt sich Möller mit einer langen Hose und einem langen Shirt.

Philipp Sandhowe (28), Torwart beim Bezirksligisten FC Nordkirchen, verhält sich in solchen Situationen ähnlich. „In der Winterzeit habe ich immer lange Sachen an. Also unter der kurzen Hose trage ich meistens eine lange Unterziehhose. Unter dem Trikot habe ich noch ein Unterziehshirt, das ich dann in der Halbzeit wechsele, wenn es nass ist. Aus diesem Grund habe ich bei Spielen immer zwei Unterziehshirts dabei“, sagt er.

Tipps vom Bundesliga-Torwarttrainer

Pascal Formann (36) aus Südkirchen gibt Tipps aus der Beletage des Fußballs. Formann ist nämlich Torwarttrainer beim Bundesligaklub VfL Wolfsburg. „Für Torhüter ist vor allem die richtige Kleidung bei der Kälte wichtig. Man sollte am besten Funktionsunterwäsche tragen, damit der Körper warm bleibt. Es ist tödlich, mit nassen und kalten Klamotten aus der Halbzeitpause wieder auf das Spielfeld zu gehen, man sollte die Kleidung wechseln, wenn die Möglichkeit besteht“, sagt er. Damit haben Marcel Möller vom SV Preußen und Philipp Sandhowe vom FC Nordkirchen also schon einmal einiges richtig gemacht.

Formann hat allerdings noch weitere Tipps in petto. Der Torwarttrainer schwört auf ein langes Aufwärmtraining vor dem eigentlichen Spielbeginn - Stichwort Adrenalin. Das Hormon reiche nämlich nach intensiven Aufwärmeinheiten für die ersten 20 bis 30 Minuten des Spiels aus. „Ansonsten kann der Keeper sich während des Spiels Dehnen oder Bewegen, dabei ist es aber immer abhängig, wie viel der Torwart im Spiel zu tun bekommt“, ergänzt Formann.

Kälte und die Psyche

Apropos Hormone und Botenstoffe: Wie verhält sich eigentlich die menschliche Psyche während längerer Aufenthalte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt? Dreht die Amygdala (ein Teil des Gehirns, das unter anderem für die Einschätzung von Gefahren zuständig ist, Anm. d. Red.) nicht durch? Richtet sich der Fokus auch bei Schnee und Minusgraden weiterhin auf das Spielgeschehen? Dazu haben wir einen Sportpsychologen befragt.

Thorsten Loch von der Internetplattform „Die Sportpsychologen“ sieht Probleme darin, dass sich ein Torhüter auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren muss, also ständig in Bewegung zu bleiben und den Fokus auf das Spielgeschehen zu behalten. Er erklärt das mit einem kleinen Beispiel: „Man fährt Auto und hört dabei Musik. Dann parkt man rückwärts ein, bei den meisten geht dann der Griff zum Radio und man stellt die Musik leiser“, beschreibt Loch dieses Phänomen mit einem Beispiel aus dem Alltag.

Kopf im Mittelpunkt

Und wie löst man nun das Problem? Loch hebt erneut die Psyche in den Mittelpunkt. Der Kopf spiele in solch einer Phase nämlich eine bedeutende Rolle. Allen voran die Bewertung der jeweiligen Situation, in diesem Fall also das kalte Wetter, sei wichtig. Eine negative Einstellung zu den kalten Temperaturen sei nicht förderlich. „Wichtig ist, dass man in keine Negativspirale gerät und man nicht negativ über das Wetter denkt. Das ist nicht leistungsförderlich. Man muss die Konzentration hochhalten, auch bei der Kälte“, sagt Loch.

Kein Problem ist das für Jorma Hoppe. Der erst 20-jährige Torhüter des Landesligisten Werner SC ist bei dem kalten Wetter hart im Nehmen. Er spielt sogar in kurzer Hose: „Ich trage beim Spiel immer eine kurze Hose, die Knie habe ich also immer frei, unter das Trikot ziehe ich bei dem kalten Wetter ein langärmliges Thermo-Shirt. Wenn es richtig kalt ist, dann ziehe ich auch Thermo-Socken an“, sagt er. Während des Spiels hält er seinen Körper zudem mit Bewegungsübungen warm. „Mich mit dem Ball warmzuhalten, das ist aber keine Option für mich. Ich konzentriere mich nämlich auch bei den Übungen, die ich während des Spiels mache, auf den Spielverlauf“, sagt er.

Winter-Wetter beflügelt

Ähnlich sieht das Kevin Lange (26), Torhüter beim B-Ligisten BV Lünen. Auch er gehört zu der Sorte Torhüter, denen das Wetter nicht viel ausmacht. Ein harter Hund also, der sogar Gefallen an diesen äußeren Bedingungen findet, da diese ihn noch mehr fordern. „Ich bin ein mitspielender Torwart, deswegen bin ich so gut wie immer in Bewegung. Das Wetter ist für mich eigentlich mit das Lieblingswetter, durch den Regen ist es für uns Torleute ja auch immer eine Herausforderung, weil es schwieriger ist, den Ball zu halten“, sagt er.

Viele Spiele abgesagt

Unter der Woche blieben die meisten Fußballer übrigens verschont. Die Testspiele des Lüner SV, Werner SC oder von GS Cappenberg sind aufgrund der Schneefälle und der Minustemperaturen beispielsweise frühzeitig abgesagt worden. Und der Schnee bleibt aktuell liegen. Gut möglich also, dass auch am Wochenende etliche Testpartien dem Winterwetter zum Opfer fallen werden.

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