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Softball-Spieler Tom Kupczik (25) sparte über 2000 Euro für seinen WM-Traum

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Tom Kupczik aus Werne hat mit der Deutschen Softball-Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Florida teilgenommen. Das hat ihn einiges gekostet.

Werne

, 24.11.2018 / Lesedauer: 4 min

An einer Europameisterschaft hat Tom Kupczik schon teilgenommen. 2017 holte der heute 25-jährige Werner gar den Titel in seiner für europäische Verhältnisse außergewöhnlichen Sportart. Jetzt hat Kupczik mit der Deutschen Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft im Softball in Florida teilgenommen.

Softball ist eine Variante des Baseballs, bei der der Ball von unten geworfen wird. „Der Pitcher, also der Werfer, holt mit dem Arm kreisförmig nach hinten aus und lässt den Ball unterhalb der Hüfte los“, erklärt Kupczik. Beim Softball gibt es zwei die Unterarten Slowpatch und Fastpitch. Beim Fastpitch darf mit Tempo geworfen werden, beim Slowpitch muss der Ball in einem Bogen von mindestens 1,80 Meter und maximal 3,60 Höhe geworfen werden. Bei der Weltmeisterschaft wurde Slowpitch gespielt.

Unter dem Durchschnitt

Mit dem sechsten Platz bei der Weltmeisterschaft ist Kupczik nicht zufrieden. „Wir haben unter unseren Möglichkeiten gespielt“, erzählt Kupczik, der in Köln Sport und Geschichte auf Lehramt studiert. Während der 90-minütigen Spiele sei für die Deutschen eigentlich ein Punkteschnitt zwischen 15 und 20 Zählern möglich. „Bei der WM waren es jetzt im Schnitt unter zehn Punkte“, so Kupczik, der Teil eines 14-köpfigen Kaders war – sieben Frauen, sieben Männer (auf dem Feld müssen immer je fünf Akteure eines Geschlechts stehen).

Die Spieler kamen aus Berlin, Brauweiler, Mannheim und Köln. Im Vorfeld hatten sie sich an Wochenenden zum Training getroffen und auch in Florida selbst, kurz vor der WM, haben die Deutschen einige Trainingseinheiten und -spiele absolviert und sich an das Klima angepasst – 30 Grad Celsius zeigte das Thermometer fast täglich an.

Nur wenige Nationen

Im Turnierverlauf gelang den Deutschen ausgerechnet gegen den späteren Turniersieger Curacao die beste Leistung, sie verloren mit 6:9. „Trotz der Niederlage haben wir gut gespielt“, so Kupczik. Doch am Ende reichte es eben nur für den sechsten Rang – unter nur sieben teilnehmenden Nationen.

Die geringe Teilnehmerzahl am Softball-World-Cup hat laut Kupczik einen ganz einfachen Grund: das liebe Geld. „In den meisten Ländern gibt es für die Nationalteams keine finanzielle Unterstützung von Sponsoren oder dem Verband. Dafür ist die Sportart zu klein.“ Also müssen die Spieler selbst in die Tasche greifen.

Softball-Spieler Tom Kupczik (25) sparte über 2000 Euro für seinen WM-Traum

Mit der Deutschen Softball-Nationalmannschaft (gelbe Trikots) hat Tom Kupczik an der Weltmeisterschaft in Florida teilgenommen. Das Gruppenbild entstand nach einem Testspiel gegen eine lokale Mannschaft aus Florida. © Tom Kupczik

Auch Kupczik hat lange überlegt, ob er eine Teilnahme finanziell stemmen kann und will. „Ich habe dann mit meinen Eltern gesprochen und die haben mich ermutigt, die Erfahrung mitzunehmen. Man weiß ja auch nicht, wann man so etwas noch mal machen kann“, erklärt der 25-Jährige.

Also hieß es fleißig sparen für den gebürtigen Werner. Für die knapp drei Wochen Florida vom 2. bis zum 20. November – davon eine Woche Urlaub – habe er rund 2000 bis 2500 Euro auf den Tisch gelegt. „Softball ist für mich eine Herzensangelegenheit, dafür habe ich gerne gespart.“

Weltmeisterschaft hat Ehrgeiz geweckt

Die Erfahrung aus der Weltmeisterschaft 2018 hat Kupczik noch mal einen Motivationsschub gegeben. „Da waren richtig gute Mannschaften dabei. Da wurde mein Ehrgeiz geweckt, noch mehr zu trainieren, um irgendwann auch auf diesem Level zu spielen“, erzählt Kupczik.

Kleine Regelkunde

Das ist Softball


  • Beim Softball stehen sich wie beim Baseball der Ballwerfer und der Schlagmann mit dem Schläger gegenüber. Trifft der Schlagmann den Ball, wirft er den Schläger zur Seite und läuft zur sogenannten Base, ein Mahl auf dem Boden. „Davon gibt es vier. Eins, zwei, drei und die Homebase. Man muss einmal alle vier Bases ablaufen, um einen Punkt zu bekommen“, sagt Kupczik.
  • Grundsätzlich ist das Spielprinzip mit Brennball vergleichbar. Die Schlagmänner wollen nach dem Schlag schnell zur Base. Die Verteidigung, die an mehreren Positionen im Feld verteilt ist, will den geschlagenen Ball fangen und schneller zur Base bringen, als der Angreifer (Schlagmann) die Strecke laufen kann. Dann ist der nämlich raus und kann nicht punkten.
  • Raus ist der Schlagmann auch, wenn ein Verteidiger den Ball direkt aus der Luft fängt oder er drei Mal einen regulären Ballwurf nicht mit dem Schläger trifft. Dann kommt vom Schiedsrichter das bekannte „Strike out!“
  • Schafft es der Werfer wiederum in vier Versuchen nicht, einen regulären Wurf zu bringen, darf der Schlagmann ohne Mühe zur ersten Base laufen. Der Schlagmann kann also auch spekulieren, was das Duell zwischen Werfer und Schlagmann spannend macht.
  • Baseball und Softball sind einige der wenigen Sportarten, in denen die Verteidigung den Ball kontrolliert. Niemand läuft dem Ball hinterher, auch in einseitigen Spielen spielt jeder mit. Frauen und Männer sind beim Softball gleichberichtigt, auf dem Feld muss eine Mannschaft fünf Männern und fünf Frauen stellen.
  • Weitere Infos unter: www.baseball-softball.de

Ein nächstes Ziel hat Kupczik schon vor Augen: Die Weltmeisterschaft 2020. „Der Softball-Verband verlegt seinen Sitz in die Schweiz, baut dort ein Softball-Zentrum auf. Deshalb fällt die WM im kommenden Jahr aus. 2020 soll es aber wieder eine Aschreibung geben“, erklärt er.

Als Handballer beim TV Werne angefangen

Um sich bis dahin gut vorzubereiten, findet der Werner gute Trainingsmöglichkeiten in seinem Wohnort Köln vor. Dort spielt er bei den UCE Travellers. Organisiert ist das Team in der Cologne Baseball School. UCE steht für „Universities of Cologne and Erlangen“. Außerdem hat Kupczik seine zweite große Leidenschaft, den Handball, nicht ganz aufgegeben. Hier startete seine Karriere beim TV Werne, in Köln spielt er nur noch „just for fun“ in der 3. Kreisklasse. „Da geht es eher um die Geselligkeit“, sagt Kupczik.

Im Softball läuft die Saison von April bis Oktober. „Zwei Mal in der Woche trainieren wir als Mannschaft. Darüber hinaus gibt es zudem die Möglichkeit, auch eigenständig oder in kleinen Gruppen zu trainieren“, erklärt Kopczik. Mit den Travellers hat er dieses Jahr unter anderem die Deutsche Meisterschaft im Slowpitch gewonnen.

Deutschland ein „Entwicklungsland“

Die Eindrücke aus den USA sind noch frisch und so erzählt er weiter: „Da waren fast an jeder Ecke Spielfelder. Für die Amerikaner ist Softball ein Volkssport. Deutschland ist, was Softball angeht, leider noch ein Entwicklungsland.“

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