Gelbsperre verfällt über spielfreies Wochenende

Fußball: Strafe ohne Wirkung

Die Fußball-Staffelleiter der Region haben einen signifikanten Anstieg von Gelbsperren am vergangenen Wochenende bemerkt. Ein möglicher Grund: In vielen Ligen ist am Osterwochenende Pause. Die Sperre nach der fünften Gelben Karte verfällt. Die Teams nutzen dabei eine Lücke im Regelwerk.

AUS DER REGION

, 23.03.2016, 06:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dieser Saison gibt es auch im Fußball-Amateurbereich Gelbsperren. Wer seine fünfte oder zehnte Gelbe Karte gesehen hat, muss ein Spiel zuschauen. Ein Spiel? Ganz richtig ist das nicht. Denn die Sperre läuft nach zehn Tagen automatisch ab - völlig egal, ob die Mannschaft eines Gelbsünders in dieser Zeit eine Pflichtpartie zu bestreiten hatte oder nicht.

Lothar König, Staffelleiter der Bezirksliga 8, in der auch der Werner SC und der TuS Ascheberg spielen, zählte am vergangenen Spieltag acht Gelbsperren. "Das ist schon viel", sagte König, der berichtete, dass ihn vergangene Woche sogar ein Verein angerufen und gefragt habe, ob die Pause tatsächlich so zu nutzen ist.

Auffällig mehr Karten

Gleich zwei Gelbsperren handelten sich der VfB Lünen und VfL Kamen ein. Dennis Gerleve (Westfalia Wethmar, vorher FC Nordkirchen) sah bereits seine zehnte Gelbe Karte. Er wurde im Spiel gegen VfL Senden (0:1) in der 87. Minute verwarnt. Ein Spieler des FC TuRa Bergkamen sah seine fünfte Gelbe Karte beim 2:0-Sieg in Ascheberg in der Nachspielzeit und wird damit gegen den Werner SC dabei sein.

Besonders auffällig ist es in der Bezirksliga 11. Staffelleiter Gerd Rühlow vermerkte 38 Gelbe Karten, neun davon führen zu Gelbsperren. Aber die "verpuffen über Ostern ins Leere", so der Staffelleiter. Auch drei Olfener Spieler sind betroffen: Christian Götz, Murat Cengiz und Mark Köster. "Wir haben darüber mit keinem Spieler gesprochen. Wir sind kein Werder Bremen 2", sagte Trainer Norbert Sander und spielt damit auf Zlatko Junuzovic an, der absichtlich eine Gelbe Karte gesehen hatte, um gegen die übermächtigen Bayern eine Woche später zu fehlen und nicht in einem vermeintlich wichtigen Spiel gegen einen direkten Konkurrenten.

Die absichtliche Provokation einer Bestrafung hat im Fußball Tradition. Der Spruch "Mach et, Otze!" ist zum geflügelten Wort geworden, seit der FC-Köln-Spieler Frank Ordenewitz sich 1991 bewusst eine Gelbe Karte einhandelte, um nicht im DFB-Pokalfinale zu fehlen. Doch auch auf Amateur-Ebene sind die Zahlen verblüffend.

In der Kreisliga A2 Münster, in der die Reserven des Werner SC und des SV Herbern sowie die SG Selm und der SC Capelle spielen, gab es vergangenen Spieltag fünf Gelbsperren, wie Staffelleiter Helmut Thihatmar mitteilte. Gleich drei kamen bei der Partie des SC Capelle gegen den WSC II (2:2) zustande, darunter war auch der Capeller Alexander Reher, der bereits seine zehnte Gelbe Karte sah. Zum Vergleich: An den beiden Spieltagen davor gab es zusammen nur zwei Gelbsperren. "Das Problem ist, dass es eine Zeitstrafe ist", sagte Thihatmar.

Sechs Spieler erhielten in der Landesliga 4, in der der SV Herbern spielt, eine Gelbsperre. "Das sind auffällig viele. Ihnen Absicht zu unterstellen, ist natürlich gewagt. Vielleicht werden die Schiedsrichter aber mal irgendwann hellhörig und merken, wenn ein Spieler unbedingt Gelb haben möchte. Dann können sie ihnen ja einen Streich spielen und die Gelbe Karte stecken lassen", sagte Staffelleiter Rühlow.

In der Landesliga 3 mit dem Lüner SV, in der Helmut Engelage Staffelleiter ist, gab es sieben Gelbsperren. "Das ist außergewöhnlich", sagte Engelage. Aufgrund von Nachholspielen verfallen hier aber nur vier Sperren. Betroffen ist Lünen nicht.

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