Ismail Atalan hat sich Tipps von Pep Guardiola geholt

rnWas macht eigentlich...?

Bis zum Sommer, so das Ziel von Fußballtrainer Ismail Atalan, bis dahin will er wieder auf der Trainerbank Platz nehmen. Aber wo? Da ist der 38-Jährige durchaus wählerisch.

Werne

, 06.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Anfang Oktober 2017 wurde Atalan beim Zweitligisten VfL Bochum nach nur drei Monaten Amtszeit entlassen. Aus neun Liga-Spielen hatte er zehn Zähler geholt. Zu wenig für die VfL-Verantwortlichen.

Auch wenn sie nur kurz war, die Zeit in Bochum war lehrreich für Atalan, der bei uns in der Region durch sein Engagement als Spieler und Spielertrainer bei Davaria Davensberg Bekanntheit erlangte. 2012 verließ er die Davaren und heuerte beim Oberligisten SC Roland Beckum an, später dann sogar beim Regionalligisten Sportfreunde Lotte.

Erfolgreiche Zeit bei Sportfreunde Lotte

Atalans Karriere befand sich im Steigflug, zählte zur begehrten, neuen, jungen Trainergeneration. Durch seine Erfolge in Lotte - hier holte er im Schnitt 1,89 Punkte pro Spiel und führte die Sportfreunde im Jahr 2016 in die 3. Liga - wurden andere Klubs auf ihn aufmerksam. Eben auch der VfL.

Doch in Bochum sei Atalan, wie er sagt, nicht auf einen Nenner mit den Verantwortlichen gekommen. „Nach der Situation in Bochum ist mir die Liga meines neuen Clubs gar nicht so wichtig. Menschlich muss man sich auf Augenhöhe begegnen, das ist wichtig“, meint Atalan. Lieber trainiere er einen ambitionierten Drittligist als einen strauchelnden Zweitligist.

Ismail Atalan hat sich Tipps von Pep Guardiola geholt

Ismail Atalan hier bei seiner letzten Trainerstation, dem VfL Bochum, als er Felix Bastians abklatscht. © dpa

Aber den richtigen Verein zu finden, ist nicht einfach. Angebote gab es zum Beispiel aus Uerdingen und Rostock. Beide Male habe es nicht gepasst. Obwohl, das Angebot aus Rostock sei sehr interessant gewesen. Doch die Hansestädter hätten sich für jemand anderen entschieden. „Angebote abzulehnen, ist nicht natürlich nicht einfach. Man ist dann weg von der Bühne, fällt aus dem Radar raus. Aber lieber so, als dass es dann nicht passt und man sofort wieder getrennte Wege geht“, erklärt Atalan.

In den bislang knapp 17 Monaten ohne Trainerengagement war der 38-Jährige aber nicht untätig. Ständig schaut er sich vor Ort Fußballspiele an – und bildet sich fort. Unter anderem bei einem europäischen Spitzenklub von der Insel: Manchester City. Zwei Wochen hospitierte er dort unter Pep Guardiola. „Der ist schon der Beste. Pep hat so viele Sachen im Kopf, ist sehr intelligent und arbeitet sehr vorausschauend“, sagt Atalan.

„Es wird überall nur Fußball gespielt“

Wenn Atalan über seine zwei Wochen im vergangenen Sommer bei City spricht, hört man ihm deutlich die Begeisterung darüber an, wie dort gearbeitet wird. Das ist aber nicht so, wie man vielleicht glauben mag: „Es wird überall nur Fußball gespielt. Auch bei City kochen die nur mit Wasser. Aber das Schöne ist, die kommunizieren das auch so. Guardiola ist da auch ein ganz einfacher Typ, der sagt, dass der Fußball nicht neu erfunden werden muss. Es geht um Kleinigkeiten“, erzählt Atalan.

Aber wie kommt man eigentlich an eine Hospitation, also eine Art Praktikum, bei Manchester City? „Das geht nur über Beziehungen. Im meinem Fall hat mir da Matthias Sammer geholfen“, sagt Atalan. Er hätte sich sogar den Zeitraum aussuchen können, wählte aber bewusst die Vorbereitung auf die Saison 2018/19 aus. „Da hatte Pep weniger Stress und mehr Zeit für mich als im Ligabetrieb. Während der Saison hätte eine Hospitation für mich keinen Sinn gemacht“, meint der 38-Jährige.

„Guardiola ist schon der Beste.“
Ismail Atalan

Für die vierzehn Tage bei Manchester City hatte Atalan zuvor extra nochmal einen dreiwöchigen Englisch-Sprachkurs belegt – vor allem, um diverse Fachausdrücke auf die Festplatte zu bekommen. Wirklich genützt hat es ihm nichts. Denn: „Solche Begriffe, wie es sie bei uns seit einiger Zeit gibt, zum Beispiel ,Potenzspieler‘ oder ,vertikale Acht‘, verwenden die da überhaupt nicht. Und das hat mich beeindruckt. Auch wir hier in Deutschland müssen wieder zur Einfachheit zurückkehren. Wie Guardiola“, erklärt Atalan. Wenn man sich mit dem City-Trainer unterhielte, klinge alles ganz einfach. Jeden Tag habe Atalan mit Guardiola über taktische Dinge gesprochen – völlig unkompliziert.

Laut Atalan werde der Fußball aber nicht nur von den direkt Betroffenen im Geschäft selbst, sondern auch von den Leuten außerhalb zu wichtig, beziehungsweise zu kompliziert gemacht. Diese „Einfachheit“, die Atalan für den deutschen Fußball fordert, habe den englischen Fußball so stark gemacht. „Natürlich ist da auch enorm viel Geld im Spiel. Das ist doch klar“, so Atalan.

110 Spiele bei Sportfreunde Lotte

Einen weiteren Punkt, den Ismail Atalan derzeit kritisch im deutschen Fußball beäugt, sei die mangelnde Erfahrung vieler junger Trainer. „Ich kann mich da natürlich nicht rausnehmen. Habe aber wenigstens vor meinem Schritt in die zweite Liga in der Regionalliga gearbeitet“, sagt Atalan, der 110 Spiele auf der Bank der Sportfreunde aus Lotte gesessen hat. In England, so Atalan, laufe das nicht so schnell, dass man quasi plötzlich aus dem Nichts Trainer in der ersten Liga werde.

In welcher Liga sein neuer, potenzieller Verein spiele, ist Ismail Atalan wie gesagt nicht so wichtig. „Natürlich sollte es schon eine vernünftige Liga sein“, meint Atalan. Damit fällt Davaria Davensberg raus. Auch, wenn Atalan sich immer auf dem Laufenden halte, was seinen langjährigen Klub aus der Gemeinde Ascheberg angehe, der Kontakt sei nicht mehr so da. Und wirklich Zeit, mal wieder ein Spiel in der Kreisliga A zu schauen, dürfte auch nicht so da sein.

„Durch meine Hospitationen und die Erfahrungen in Bochum habe ich mir die Bestätigung geholt, dass, wenn ich meinen Job so machen kann, wie ich ihn mir vorstelle, ich bald wieder Erfolg haben werde mit einem Verein.“

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