Kamil Jablonski ist ein Ausdauersportler. Durch und durch. Zum Triathleten und Shootingstar hat er es über Umwege geschafft und sich so einen Traum erfüllt, der ihm erst zu aufwendig war.

Werne, Sassenberg

, 06.08.2019, 18:22 Uhr / Lesedauer: 4 min

Kaum erschöpft, beinah wie nach einer Trainingsrunde wirkt es, wie Kamil Jablonski im Ziel in Sassenberg ankommt. Jablonski hat soeben die Olympische Triathlon-Distanz bewältigt: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Zwei Stunden, 12 Minuten und 15 Sekunden hat er dafür gebraucht - eine starke Zeit, die dem Athleten des TV Werne den dritten Platz bescherte.

Jablonski wirkt wie im Tunnel

Jablonski war kurz nach dem Rennen schon wieder locker drauf, zu Späßen aufgelegt. „Hätte ich gewusst, dass jemand von der Presse hier ist, hätte ich direkt in die Kamera geguckt“, erklärte er lachend. Doch Jablonski wusste es nicht, denn während des Wettkampfs ist er durchgehend im Fokus. Starrer Blick beim Laufen, starrer Blick beim Radfahren - Jablonski wirkt wie im Tunnel. Total fokussiert.

„Ich dachte mir erst, das ist zu aufwendig“: Wie Kamil Jablonski (33) zum Triathlon kam

Starrer Blick nach vorne, das Ziel klar vor Augen. © David Döring

Ganz anders danach. Er diskutiert mit den Vereinskollegen über den Wettkampf, witzelt mit seinen Freunden. „Körperlich fühle ich mich echt gut. Klar, habe ich gelitten beim Laufen, es war aber okay. Ich hätte gedacht, dass es noch ein bisschen härter wird. Aber es war gut“, erklärte er mit einer Gelassenheit, die man fast als Arroganz abtun könnte. Das ist sie aber nicht. Jablonski ist erschöpft, er hat alles gegeben im idyllischen Sassenberg, doch er ist Ausdauersportler durch und durch und könnte jetzt wohl noch mal ein paar Runden um den Falkenbergsee in der Kleinstadt bei Warendorf drehen.

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Doch wo kommt diese Ausdauer her? Jablonski ist gerade Mal seit drei Jahren Triathlet. „Ich war beim Fußball immer der Ausdauertyp – Sechser halt. Ich bin viel gelaufen, auch so gerne gelaufen und bin dann auch mal Pumpen gewesen“, sagt er. Damals spielte er für den BV Lünen 05, einen Kreisliga-Klub in der Lippestadt. Mit sechs oder sieben Jahren hätte er dort angefangen, ist Mitglied seit 1993, jetzt noch immer. Obwohl es ihn mittlerweile zum Triathlon gezogen hat.

Diese Sportart, die Jablonski nun seit drei Jahren ausübt. Gelaufen sei er ja eh schon viel, erzählt er. Ab und zu auch mal schwimmen gewesen. Auf dem Rad war er sonst eher wenig unterwegs, im Fitnessstudio nur zum Warmmachen. Doch dann kam die Frage auf, ob er nicht Lust hätte, sich an einem Triathlon zu probieren. Ein Kollege hatte ihn damals gefragt, Michael Hörsken, auch bei den Wasserfreunden des TVW aktiv.

„Ich dachte mir aber, das ist so aufwendig mit dem ganzen Material, da konnte ich mich nie zu aufraffen“, blickt er zurück. Doch dann kommt so etwas wie eine glücklich, unglückliche Fügung ins Spiel. Der Radsturz eines Kollegen verhindert die Teilnahme am Triathlon in Münster 2016. Es wird Ersatz für den Startplatz gesucht. Jablonski packt der Ehrgeiz. „Ich dachte mir da ‚Komm, das machst du jetzt!‘“ Er organisiert sich über die Shopping-Plattform ebay einen Einteiler für 30 Euro. Ebenso Fahrradschuhe und Pedalen und fertig war er für seinen ersten Triathlon. Damals noch mit einem Fahrrad, was halb Trekking, halb Mountainbike ist. „Einfach nur das nötigste.“

Die Eltern sind immer mit dabei - auch auf Hawaii

Es wird der einzige Wettkampf bleiben, den seine Eltern nicht sehen werden. Jeden einzelnen haben sie im Anschluss danach besucht, sind immer mit dabei. Auch im Oktober, wenn es für Jablonski nach Hawaii geht. Zum prestigeträchtigsten Ironman der Welt. Das sei schon alles organisiert, erklärt er. Qualifiziert hatte er sich dafür in einer Hitzeschlacht in Frankfurt. Seinen Traum damit erfüllt. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen. Für viele Menschen sind dies Distanzen, die sie nicht mal in einem Jahr bewältigen, für Jablonski ist es ein Traum diesen Wettkampf auf Hawaii durchzuziehen.

Die Eltern sind stolz auf seine Leistungen. Untersützen ihn, wo es nur geht. Seine Mannschaftskollegen sind stolz. Eine Crowdfunding-Aktion hat eine Freundin sogar für ihn organisiert. Die Finanzierung der weiten Reise und die Beschaffung der ganzen Materialien soll so erleichtert werden. Ein Umfang, der mehrere Tausend Euro kosten wird, aber schon von Jablonski eingeplant war. Er war sich sicher, dass er diesen weiten Weg gehen wird.

Ein kurzer Schock im Ziel

Für ihn ist nun jede Trainingseinheit Vorbereitung für den Wettkampf auf Hawaii. Ebenso die Wettkämpfe. Einen bestreitet er noch mit dem Regionalliga-Team der Wasserfreunde. Am 1. September in Xanten. Es ist der abschließende der Saison, der Aufstieg ist sogar noch möglich. „Ganz begraben muss man es nicht zwingend. Mal schauen. Es kann sich ja noch ganz schnell alles verschieben.“ Es wäre der vierte Aufstieg in den letzten drei Jahren - seitdem Jablonski mit dabei ist.

„Ich dachte mir erst, das ist zu aufwendig“: Wie Kamil Jablonski (33) zum Triathlon kam

Total fokussiert beim Laufen: Kamil Jablonski. © Döring

In Sassenberg wollte das Team den Grundstein dafür legen. Die Zeiten von Jablonski und seinen Mannschaftskollegen waren stark, doch ein defektes Rad machte einen Strich durch die eingeplante Podiumsplatzierung. Trotzdem ließ sich Jablonski anmerken, wie gut er sich momentan fühlt, in was für einer starken Verfassung er ist. Er lacht viel, wirkt glücklich, sehr fit und selbstbewusst. Nur einen kurzen Moment des Schreckens gab es für ihn.

Ein kurzer Schock rund zehn Minuten, nachdem er ins Ziel gekommen ist: Jablonski erschrickt plötzlich, ruft laut: „Stephan!“ Schnell sprintet er in Richtung von Stephan Rengelink. Seinem Teamkollegen, der gerade im Ziel angekommen ist und nun relativ regungslos am Boden liegt. Jablonski sprintet zu ihm, erkundigt sich, ob alles in Ordnung ist. Rengelink war wohl nur erschöpft von dem Wettkampf, brauchte einen Moment der Pause. Jablonski ist erleichtert, kehrt wieder zum Rest zurück. Den Menschen, die ihn nach Sassenberg begleitet haben. Seiner Familie: Bruder, Cousinen, Patenkind und natürlich seinen Eltern. Diese verpassen ja keinen Wettkampf von ihm. Nur beim allerersten waren sie nicht dabei, damals in Münster vor drei Jahren. Aber da wusste Kamil noch gar nicht, ob das Ganze etwas für ihn ist.

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