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Lutz Gripshöver: „Dieses Jahr sind wir noch besser besetzt“

rnLenklarer Reitertage

Am Donnerstag begrüßt der Reiterhof Gripshöver wieder Besucher und Reitsportler zu den Lenklarer Reitertagen. Marcel Schürmann sprach im Vorfeld mit Organisator Lutz Gripshöver (47).

von Marcel Schürmann, Matthias Kerk

Werne

, 09.04.2019 / Lesedauer: 7 min

Herr Gripshöver, in diesem Jahr soll es mindestens 4440 Starts bei 1300 Reiterinnen bei den Lenklarer Reitertagen geben. Sind es noch mehr geworden?

Im Grunde genommen wollen wir als Veranstalter nicht mehr Starter und Starterinnen, als wir jetzt schon haben. Es sind vereinzelt mehr geworden. Der Zeitplan steht allerdings schon und ist nach der Anzahl der Reiter ausgerichtet. Deswegen können wir nicht mehr viele Teilnehmer aufnehmen.

Sie mussten ja bereits umdisponieren. Der Ostermontag wurde ja schon als zusätzlicher Wettkampftag ausgeweitet…

Das hatte aber nichts mit umdisponieren zu tun. Das war von Anfang an gewollt, und da wir dieses Jahr über Ostern reiten, fällt uns der Karfreitag bereits weg. Deswegen ist der zusätzliche Turniertag an Ostermontag.

Sie haben auf ihrem Hof viele Nachwuchsreiter und Reitschüler. Welche Chancen werden diese an den Lenklarer Reitertagen bei den einzelnen Prüfungen haben?


Das ist immer unterschiedlich. Wir haben junge Reiterinnen, die erst einmal mit dem Sport anfangen und den Wettkampf kennenlernen müssen. Andererseits gibt es auch schon Lehrlinge, die seit längerer Zeit dabei sind. Das Feld ist da natürlich sehr heterogen.

Es gibt also junge Reiter und Reiterinnen die mit wenig Erfahrungen an diesem großen Turnier teilnehmen?

Ja, schauen wir uns die Führzügelklasse an, dann haben wir viele Unterschiede. Mein Sohn ist fünf Jahre alt und wird dieses Jahr auch mitreiten. Vom Fünfjährigen bis zum Vier-Sterne-S wird alles vertreten sein.

Können sie sich eigentlich an das erste Mal Lenklar in Werne erinnern? 1976 muss das gewesen sein.

Ich kann mich dran erinnern, dass mein Opa irgendwann an Ostern Geburtstag hatte, und er hatte sich damals überlegt, was man hätte machen können. Da kam die Idee auf, ein Reitturnier zu veranstalten. Im Grunde genommen war es damals noch ganz einfach. Da wurden ein paar Freunde eingeladen und dann wurde geritten.

Ist es heute schwieriger?

Ja genau. Und zwar ist das heute deutlich komplizierter. Damals hat er seine Bekannten und Freunde einfach angerufen und gefragt: „Hey, habt ihr nicht Lust zu kommen?“ In der Dimension, in der wir uns heute bewegen, ist der organisatorische Aufwand natürlich größer.

Wie konnte Lenklar im Laufe der Zeit zu so einem großen Turnier werden?

Wir sind natürlich durch den Sport gewachsen und haben dann in der Zeit einfach den Ehrgeiz entwickelt, immer wieder eine Schüppe drauf zu packen und es noch größer zu machen. Da gehört ein großes Team zu.

2019 werden die Lenklarer Reitertage zum 39. Mal nach 1976 ausgerichtet. Gab es schon mal Jahre, an denen sie Lenklar absagen mussten?

Es gab schon das ein oder andere Jahr, wo wir das Turnier leider abgesagt haben. Einmal hatte es auf dem Hof gebrannt. Früher hatte das Turnier auch noch einen ganz anderen Termin. Der lag so um Ende Mai herum. Dort war es allerdings schwer, die ganzen guten Reiter an den Start zu bekommen. Auf dem jetzigen Termin war früher ein Turnier in Steinhagen gelegt. Als man dort irgendwann von diesem Termin abgewichen ist, haben wir das als idealen Termin für uns gesehen.

Die Lenklarer Reitertage bieten auch der Spitzenklasse des Reitsports einen Anreiz teilzunehmen. Mit welchen Olympioniken ist denn in diesem Jahr zu rechnen?

Marco Kutscher kommt unter anderen und viele mehr. Toni Haßmann ist dabei. Es werden sehr sehr viele tolle Reiter da sein.

Und die werden dann ihre neuen Pferde präsentieren?

Ja, die werden ihre Pferde präsentieren, aber sie werden auch mit ihren älteren Pferden kommen, damit sie am Montag beim Großen Preis um die vorderen Ränge mitspringen können. Die Konkurrenz wird stark sein.

Dieses Jahr werden hohe Preisgelder ausgezahlt. Insgesamt beläuft sich das Preisgeld auf 40.000. Allein an den Gewinner Vier-Sterne-S-Springens werden 12.500 Euro ausgezahlt. Wie ist das möglich, so etwas zu sponsern?

Im letzten Jahr saßen wir nach dem Turnier alle beisammen, viele Gäste waren auch da. Ein Gast hatte schon ein paar Jahre zuvor im Sponsoring etwas gemacht und hatte dann gesagt, ihm gefalle es so gut hier, da müsste man mal etwas mehr machen und uns dadurch höher gesponsert.

Haben Sie das Gefühl, dass das Turnier durch die Erhöhung des Preisgeldes noch besser besetzt ist?

Je höher das Preisgeld, umso attraktiver wird das Turnier für Auswärtige und so kommen auch mehr Reiter aus der Spitzenklasse. Es ist noch besser besetzt, aber wir hatten schon immer gute Reiter zu Gast.

Es werden ja viele Pferde auf dem Hof sein. Wo kommt diese große Masse von Pferden denn unter?

Die kommen ja alle aus der Gegend. Wir stellen zusätzlich ja 20 Stallboxen auf. Aber das ist ja noch vergleichsweise wenig. Wir haben das Glück, dass wir geografisch gesehen ziemlich günstig liegen. Die großen Ställe, wie der von der Familie Beerbaum oder Haßmann, liegen nur eine Autostunde von uns entfernt. Das passt denen ja auch sehr gut, weil wir zwischen Ruhrgebiet und Münsterland liegen.

Mit 40.000 Euro Preisgeld liegt das Niveau schon sehr hoch. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie das auch in den nächsten Jahren halten können ?

Das weiß ich nicht. Aber es wäre kein Beinbruch, wenn wir einen Schritt zurück gehen. Solange es so geht, freuen wir uns darüber, und wenn nicht, dann blicken wir auf eine schöne Zeit zurück. Lenklar ist aber auch ein großer Begriff geworden in der Reiterszene. Die Leute kommen ja nicht ohne Grund zu uns.

Beim Vier-Sterne-S-Springen sind 60 Nennungen eingegangen. Bei einem Preisgeld von 12.500 Euro ist es doch verwunderlich, dass nicht noch mehr Reiter ihr Glück im Parcours versuchen, oder?

Nicht alle kommen über die hohen Hindernisse im Vier-Sterne-S-Springen. Das schaffen nicht alle, zumal es eine Mindestanforderung gibt, um so eine Prüfung überhaupt reiten zu dürfen. Die Reiter sind aber auch so vernünftig, dass sie es einschätzen können, ob sie mit ihrem Pferd eine Chance haben. Wenn man weiß, dass diese Anforderungen noch zu hoch für das Pferd sind, dann lässt man es natürlich auch sein. Da richtest du dem Pferd ja auch einen Schaden an. Da werden nur richtig gute Reiter mitspringen.

Ihr Hof ist ein Wirtschaftsbetrieb. Wie wichtig ist es denn, große Sponsoren wie bei Lenklar zu gewinnen?

Mit dem Betrieb hat das wenig zu tun. Es ist aber schön für unseren Betrieb, dass so viele Leute den Weg zu uns finden, aber eigentlich steht der Betrieb zur Zeit von Lenklar fast still.

Die Tribünen werden gerade aufgebaut. Mit wie vielen Zuschauern kann man pro Tag rechnen?

Das kann ich ganz schwer schätzen. Das ist vor allem wetterabhängig. Wir freuen uns natürlich, wenn uns viele Menschen besuchen kommen. Die Lenklarer Reitertage sind eine gesellschaftliches Highlight. Der eine kommt für das Event, der andere wegen des Sports. Der Eintritt ist an allen Tagen frei. Das war schon immer eine ungezwungene Sache bei uns. Die Leute können kommen und gehen, wann sie wollen.

Es wird ja auch viele Stände geben, an denen die Reitsportler ein paar Utensilien für den Reitsport kaufen können. Kann man sagen, dass Lenklar auch zu einer kleinen Pferdekirmes geworden ist?

Das ist schon eine Pferdekirmes. Verschiedene Händler werden ihre Ware anbieten. Die Sportler können viele verschiedene Artikel rund um den Pferdesport kaufen. An allen Tagen haben wir auch ein Hüpfburgenparadies aufgebaut, sodass wir Kinder auch bespaßen können. Das ist für die Reiter auch schön, dass die Kinder Abwechslung haben.

Ein großes Turnier erfordert auch viel Vorbereitung. Seit wann sind Sie mit dem Aufbau beschäftigt?

Insgesamt sind wir mit dem Aufbau, der Durführung und der Nachbereitung des Turniers vier Wochen lang beschäftigt. Es kommt ja auch viel hinzu, was man vielleicht auf dem ersten Blick nicht sieht. Die vielen Bestellungen und der logistische Aufwand erfordern schon viel Anspruch. Aber wir haben hier ein gutes Team zusammen. Der Betrieb läuft im Vorfeld weiter. In der Nacht zu Montag zum Beispiel ist ein Fohlen zur Welt gekommen. Sowas kommt zu der Planung auch hinzu.

Was hat man als Sponsor davon, wenn man so ein Turnier sponsert?

Primär natürlich Freude. Es wird ja auch viel darüber gesprochen, wenn man so ein großes Turnier unterstützt. Ohne die vielen Spender könnten wir das gar nicht machen.

In welchen Dimensionen bewegt man sich als Sponsor?
Das ist unterschiedlich. Bei den kleineren Disziplinen ist man zum Beispiel schon mit 200 Euro dabei. Beim M-Springen kostet es 600 Euro. Davon bieten wir im Turnier 30 Abteilungen an. Also brauchen wir schon mal 30 Sponsoren. Bei den M- und A-Springen braucht man pro Prüfung 1000 Euro. Da haben wir auch 8 bis 10 Abteilungen von. Da muss man auch sagen, dass es toll ist, dass man so von den Geschäftsleuten der Stadt Werne unterstützt wird.

Blicken wir mal auf einen organisatorischen Punkt. Wenn eine Prüfung zu voll ist, dann muss man diese Prüfung schließen?

Nein das gibt es eine Regelung. Wenn man zum Beispiel 60 Starter hat, dann muss man eine neue Abteilung eröffnen. Wenn man 60 Starter hat und ein Starter kommt dazu, dann muss man diese Abteilung in zwei Abteilungen aufteilen.

In welcher Prüfung sind die meisten Nennungen?

Im A-Wettbewerb sind insgesamt 380 Starter. Also locker sieben Abteilungen. Da geht in diesem Wettbewerb auch mal ein ganzer Tag für drauf. Zum Beispiel am kommenden Mittwoch reiten nur Amazonen. Von morgens 7 Uhr bis abends um 8 Uhr reiten nur Frauen und am Donnerstag nur Männer. Das hat den Hintergrund, dass sie die Prüfungen an einem Tag reiten können. So ist es am freundlichsten für alle Reiter.

Wie viele Prüfungen machen denn die Reiter so im Schnitt?

Das kann man so nicht genau sagen. Es gibt natürlich Reiter, die die Prüfungen mehrmals mit verschiedenen Pferden reiten. Das sind aber meistens die prominenteren Reiter. Die haben auch mehr Pferde. Ich persönlich werde mit meinen sechs Pferden auch in verschiedenen Prüfungen reiten.

Wie ist das Feedback von den anderen Vereinen denn immer ausgefallen?
Das war immer positiv. Sonst würden wahrscheinlich nicht so viele Menschen immer wiederkommen. Unser Vorteil ist, dass wir einen großen Turnierplatz und Abreiteplatz haben. Die Parkplatzsituation ist gut. Die gute Infrastruktur für ein Turnier sind einfach gegeben.

Wo kommen die Teilnehmer her?

Überwiegend aus Deutschland. Aber wir dürfen auch Reiter aus Italien, Japan, China, Südkorea, Amerika und Schweden begrüßen. Die kommen mit Ambitionen hier hin.

Kennen die Pferde schon im Vorfeld den Parcours?

Nein, sie werden auch zum ersten Mal in diesem Parcours reiten. Das ist die Herausforderung für sie.

Was wird den Besuchern kulinarisch geboten?

Die Firma Kanne wird für Kaffee und Kuchen sorgen. Der Gasthof Wittenbrink wird auf dem Hof jeden Tag wechselnden Mittagstisch anbieten. Es wird eine Pommesbude, einen Pizzastand und einen Eisstand geben. Für alles wird gesorgt sein.

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