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Michael Schulte musste um seine Karriere bangen - wegen einer Muskelverletzung

rnSV Herbern

SV-Herbern-Verteidiger Michael Schulte hat sich im Pokalhalbfinale gegen TuS Hiltrup verletzt. Im Interview spricht er über seine Verletzung, die Operation und seine Zeit beim SV Herbern.

Herbern

, 21.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Landesliga-Fußballer Michael Schulte hat sich im Pokalhalbfinale gegen den TuS Hiltrup verletzt. Rund sechs Monate wird er den Herbernern fehlen. Im Interview spricht er über die Schwierigkeit, von Außen zuzugucken, die Operation an seinem Oberschenkel, den Zusammenhalt beim SV Herbern und seine Ziele in der kommenden Zeit.


Herr Schulte, wie waren die vergangenen Wochen für Sie?

Bitter. Es ist doof, von außen zuzugucken und zu wissen, dass man nicht mitwirken kann. Ich habe aber viele Genesungswünsche bekommen von vielen Personen, darüber habe ich mich sehr gefreut. Sogar Chris Thannheiser vom Werner SC hat Genesungswünsche geschickt. Da habe ich mich wirklich drüber gefreut. Das fand ich echt cool, das hätte ich echt nicht gedacht oder erwartet.

Wie schwer ist es nun, nur noch Zuschauer zu sein?

Ja sehr. Ich spiele meine zweite Saison in Herbern. Ich habe, wenn überhaupt, nur drei Spiele verpasst in den letzten drei Jahren. Wenn man weiß, dass sich ein Oscar (Oscar Cabrera, Anm. d. Red.) verabschiedet und ich nicht mehr mit ihm auf dem Platz stehen kann. Es ist sehr, sehr bitter nicht mehr mit ihm zusammen spielen zu können. Um mit den Jungs wieder auf Platz zu stehen, dafür arbeitete ich jetzt. Die Zeit nehme ich mir, die Zeit kriege ich auch vom Verein. Ich spüre da die volle Rückendeckung. Als erstes Ziel setze ich mir da die Rückrunde in der nächsten Saison.

Im Pokalspiel gegen den TuS Hiltrup haben Sie sich verletzt. Sie wurden nach 20 Minuten ausgewechselt, lagen hinten gegen einen Westfalenligisten. Können Sie sich erinnern, was Ihnen damals durch den Kopf gegangen ist?

Wir waren total fokussiert, dann kriegen wir das frühe Gegentor. Dann kommt nach einem Zweikampf das Stechen in der Leiste. Ich bleibe am Boden liegen, will wieder aufstehen und habe Schmerzen. Dann war klar, dass es für mich nicht mehr geht. Die Jungs haben in der zweiten Halbzeit gezeigt, was sie drauf haben. Wir sind um die 20 Leute, die alles für so etwas geben. Ich hoffe, dass wir den Pokalsieg noch feiern können für alle Spieler, die gehen, und vor allem für die Fans.

Was für eine Verletzung haben Sie sich überhaupt zugezogen?

Einen kompletten Muskelabriss im Oberschenkel. Ich habe so viele Leute gefragt, was ich machen kann. In Münster habe ich beim Sportmediziner den Tipp bekommen, nach Kaiserslautern zu schreiben zum Spezialisten. Nach einer Woche war ich da zur Op. Auf den Bildern sah es gut aus, bei der Op war es dann aber kompliziert. Das hatte der Arzt auch noch nicht gesehen, deshalb wird es mit der Verheilung alles noch ein wenig länger dauern. Ich bin aber super zufrieden. Das war die bessere Entscheidung, als den Muskel einfach aussterben lassen.

Was meinen Sie mit „aussterben“?

Ich hätte ohne die Operation keinen Blutzufluss mehr im Oberschenkel bekommen, dann wäre der Muskel abgestorben. Der hintere Oberschenkelmuskel ist komplett abgerissen. Die Leistungsfähigkeit wäre nicht mehr so da gewesen. Dann wäre die Fußballkarriere vorbei.

Sie wurden am 14. Mai in Kaiserslautern operiert – wie kam es zu dem Entschluss?

Es waren viele Arzttermine, die ich wahrnehmen musste. Holger (Holger Möllers, Trainer des SV Herbern; Anm. d. Red.) hat mich zum Sportmediziner nach Münster geschickt, wofür ich ihm sehr, sehr dankbar bin. Der hat mich nach Kaiserslautern zu Dr. Sascha Hopp verwiesen. Dann haben wir nach Kaiserslautern geschrieben und dann musste es ziemlich schnell gehen. Schon eine Woche danach wurde ich operiert.

Wie kamen die Ärzte in Münster darauf, Sie dort hinzuschicken?

Die Ärzte aus Münster sind dadrauf gekommen, weil ein Leichtathletik-Profi schon mal ähnliche Schmerzen hatte. Bei mir war auch erst keine Lösung in Sicht. Erst war es eine Zerrung, dann hieß es Muskelfaserriss und erst beim MRT ist rausgekommen, dass es dann ein Muskelabriss ist.

Sie haben in Ihren ersten beiden Jahren in Herbern über 50 Pflichtspiele absolviert – zufrieden damit?

Die erste Saison habe ich ganz gut gespielt als Innenverteidiger. Ich konnte der Mannschaft mit meiner Erfahrung helfen. Nur Whitson ist nah an den 30, dann komme ich. Ich werde auch Opa genannt, das lasse ich mir auch gerne gefallen (lacht). Ich habe mich gut integriert. Die aktuelle Saison konnte ich leider nicht so bestätigen, bin ein bisschen schwächer gewesen, habe aber trotzdem gespielt. Im Großen und Ganzen habe ich das anderthalb oder fast zwei Jahre gut hinbekommen habe, denke ich.

Am Sonntag war die Stimmung am Platz in Herbern sehr bedrückend durch den Tod von Raimund Wesseling. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Genau so. Ich habe es am Wochenende aus der WhatsApp-Gruppe erfahren. Es ist sehr schade. Es ist schwierig, einen Menschen, den man viermal die Woche sieht, zu verlieren. Er war immer da, hatte immer seine eigenen Worte, seine Späße. Ein super netter Kerl, den ich kennengelernt habe in den zwei Jahren in Herbern. Die Stimmung am Platz war dann natürlich gar nicht gut. Wenn man die Schweigeminute sieht, was da an Tränen geflossen ist, ist es sehr schade.

Viele Spieler waren gehemmt, taten sich schwer zu spielen: Was sagt das über den Verein aus?

Zusammenhalt pur. Egal, um welche Person es im Verein geht. Da gibt es keine Ausnahmen. Das zeigt sich sportlich, wie auch menschlich. Egal, ob wir verlieren, wie beim 0:7 in Kinderhaus diese Saison, beim nächsten Auswärtsspiel sind wieder viele Fans dabei und unterstützen uns. Das habe ich selten erlebt. Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, da Fuß zu fassen und dort hinzugehen. Auch von der Kameradschaft innerhalb der Mannschaft.

Um noch mal auf das Sportliche zurückzukommen: Was ist mit dem SV Herbern in den kommenden Spielzeiten möglich?

Nach dem Umbruch zu dieser Saison dachte keiner, das wir unter die ersten Zehn in der Tabelle kommen. Aktuell sind wir Sechster. Unser Torverhältnis ist verbesserungswürdig. Wir kassieren zu viele Gegentreffer. Man merkt aber, es ist vieles möglich. Gegen die oberen Mannschaften holen wir die meisten Punkte, gegen die Mannschaften von unten, die etwas kämpferischer spielen, schaffen wir es oft nicht, eine Lösung zu finden. Wir werden uns verstärken mit Neuzugängen, die können und werden uns helfen. Das werden wir dann sehen. Wir sollten einfach nur anfangen, zu denken. Vorne zu verteidigen, alle so schnell es geht hinter den Ball zu kommen. Wir haben die Qualität, immer ein Tor zu schießen. Ich bin mir sicher, wir werden eine gute Rolle spielen nächstes Jahr. Was genau unser Ziel sein wird, werden wir kommende Saison intern besprechen.

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