Mit der Fahrgemeinschaft zur Europameisterschaft

rnKorfball-EM

Anna Schulte kämpft ab Samstag, 13. Oktober, für Deutschland um eine Medaille bei der Korfball-Europameisterschaft. Ob es alle Spieler pünktlich zum Treffpunkt schaffen, ist fraglich.

Stockum

, 11.10.2018 / Lesedauer: 4 min

„Was spielst du?!“ – Eine Frage, die die Stockumerin Anna Schulte (26) oft hört, wenn sie von ihrer Sportart erzählt. Eigentlich komisch, spielt die deutsche Nationalspielerin ab Samstag, 13. Oktober, bei den Europameisterschaften in den Niederlanden doch vor bis zu 15.000 Zuschauern.

Schulte spielt Korfball beim Schweriner KC in der Regionalliga, der höchsten deutschen Liga. Aber wie um alles in der Welt kommt man eigentlich dazu, Korfball zu spielen? „Meine beiden älteren Geschwister - Zwillinge - haben zusammen Korfball gespielt und ich habe mich dann angeschlossen.

Gestartet hat Anna Schulte ihre Karriere beim SV Stockum, da ihre Familie auch in Stockum wohnt. Über die Korbjäger Lünen ging es dann zum Schweriner KC in Castrop-Rauxel. Aber auch heute kommt Anna noch oft zum SVS und schaut bei den Spielen ihrer alten Weggefährten vorbei, wenn sie nicht gerade selbst ein Spiel hat.

Höchste deutsche Spielklasse

Mit ihrer Mannschaft beim SKC trainiert die Medizinphysikerin zwei Mal die Woche. Beruf und Sport lassen sich gut unter einen Hut bringen: „Ich bin sehr zufrieden bei meinem Arbeitgeber, der ist da sehr tolerant, was meinen Sport angeht“, sagt Schulte.

Das ist auch wichtig, spielt der KSC in der Regionalliga doch um die Deutsche Meisterschaft, da es nur in NRW einen offiziellen Liga-Betrieb im Korfball gibt. Die Saison läuft ganz normal mit Hin- und Rückspiel ab, die ersten beiden kommen in die Play-Offs und spielen im Best-of-Two Modus den Deutschen Meister aus. „Gewinnt jede Mannschaft eines der Spiele und das auch noch mit dem gleichen Ergebnis, geht es im zweiten Spiel sofort in die Verlängerung. So steht nach beiden Spielen ganz sicher der Deutsche Meister fest“, erklärt Schulte. In diese Play-Offs wollen sie und ihre Mitspieler beim Schweriner KC unbedingt kommen, das ist das selbstgesetzte Saisonziel.

Internationale Erfahrung

Im Moment ruht der Liga-Betrieb aber für drei Wochen, da die Europameisterschaft ins Haus steht. Die 26-jährige Schulte spielt schon seit 2010 für die deutsche Nationalmannschaft, hat davor diverse Jugendauswahlen durchlaufen. An Erfahrung mangelt es ihr also nicht: Sie hat bereits an zwei Weltmeisterschaften in China und Belgien sowie an den World Games in Polen und Kolumbien teilgenommen. In Drachten in den Niederlanden steht für Schulte nun die zweite Europameisterschaft an, 2014 in Portugal war sie auch schon dabei.

Seit Februar bereitet sich die Korfball-Nationalmannschaft jetzt schon auf das Jahreshighlight im Mutterland des Korfballs vor. In den letzten Wochen stand ein wöchentliches Training mit den anderen Auswahlspielern an, entweder in Bergisch Gladbach, Castrop-Rauxel oder am Stützpunkt in Duisburg. Das Ziel ist es nämlich, ganz klar die Bronzemedaille für Deutschland zu holen. „Platz ein und zwei sind eigentlich immer für die Niederlande und Belgien reserviert. Die beiden zu schlagen, ist fast unmöglich“, sagt Schulte.

Kein Wunder - in den Niederlanden ist Korfball nämlich ein Volkssport, die Profis verdienen dort ihr Geld damit, einige Spieler haben sogar Werbeverträge mit den großen Sportmarken. In Deutschland sieht das ein bisschen anders aus: „Wir verdienen hier gar kein Geld mit unserem Sport, wir sind froh wenn wir unsere Trainingslager und die Anreisekosten bezahlt kriegen und nicht in die eigene Tasche greifen müssen“, sagt Schulte.

Fahrgemeinschaften

Die deutsche Nationalmannschaft reist übrigens am Freitag, 12. Oktober zur EM - in selbst organisierten Fahrgemeinschaften. „17 Uhr ist Treffpunkt an den Bungalows, die wir während der EM gemietet haben. Ob es alle pünktlich schaffen, steht aber noch nicht fest, das hängt davon ab, wer am Freitag noch arbeiten muss und wer nicht“, sagt Schulte.

Auch zwischen den Zuschauerzahlen liegen Welten: Bei der anstehenden Europameisterschaft in Drachten ist das Final-Wochenende so gut wie ausverkauft, es werden bis zu 15.000 Zuschauer erwartet. Bei den Spielen des Schweriner SC sind bei den Ligaspielen in der Regel etwa 50 bis 80 Zuschauer vor Ort. Nervöser macht das Anna Schulte im Hinblick auf die EM aber nicht, im Gegenteil: „Natürlich steigt die Spannung bei so vielen Zuschauern, aber im positiven Sinne.“

Die Bronzemedaille im Blick

Eine gesunde Portion Spannung ist auch wichtig: In der Vorrunde wartet am Sonntag, 14 .Oktober, um 18 Uhr mit Belgien bereits der Top-Favorit auf den Titel. Am Samstag, 13. Oktober, startet die Gruppenphase um 18 Uhr mit der Partie gegen Portugal. Am letzten Gruppenspieltag erwartet die Deutschen am Montag, 15. Oktober, um 18.15 Uhr das Team aus Tschechien. Der härteste Gegner im Kampf um die anvisierte Bronzemedaille wird laut Schulte aber eine andere Mannschaft. „Die Katalanen werden bei den vorderen Plätzen ein Wörtchen mitreden“, so die Stockumerin.

Wenn alles nach Plan läuft, kehrt Anna Schulte am Montag, 22. Oktober mit der EM-Bronzemedaille wieder zurück in die Heimat nach Stockum. Und vielleicht wird sie dann nicht mehr so oft gefragt, was Korfball denn für eine Sportart ist.

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