Spielabbruch nach Prügelei: Ex-Werner Fußballer erhebt Rassismus-Vorwürfe gegen Ennigerloh

Polizeieinsatz in der Bezirksliga

Unschöne Szenen haben sich am Sonntag auf dem Fußballplatz des SuS Ennigerloh zugetragen: Das Spiel gegen die IG Bönen ist nach Tumulten abgebrochen worden. Auch ein Ex-Werner war betroffen.

Werne

, 21.05.2019, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Spielabbruch nach Prügelei: Ex-Werner Fußballer erhebt Rassismus-Vorwürfe gegen Ennigerloh

Erkan Baslarli, damals noch im schwarzen Trikot von Eintracht Werne, erhebt schwere Vorwürfe gegen den SuS Ennigerloh. © Greis

Den Meistertitel hatte die IG Bönen am vergangenen Sonntag bereits in der Tasche. Sportlich hatte das Auswärtsspiel beim SuS Ennigerloh also keine große Relevanz mehr für den kommenden Landesligisten.

Umso überraschender war es, dass Schiedsrichter Dennis Bröcking das Spiel abbrach. Als Grund nennt er „unübersichtliche Handlungen außerhalb des Spiels“.

Platzverweis als Auslöser

Was ist passiert? IG-Verteidiger Wynal Medjignia kassierte in der zweiten Halbzeit beim Spielstand von 1:2 aus Sicht der IG wegen eines wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte.

Daraufhin soll Medjignia von Zuschauern und Reservespielern des SuS Ennigerloh verbal angegangen worden sein. Erkan Baslarli, ehemaliger Werner Fußballer, berichtet von schlimmen rassistischen Entgleisungen: „Es gab Beleidigungen, die kann man dann nicht mehr runterschlucken. Das war wirklich hart.“

So schildert Baslarli die Situation:

Baslarli schildert die Situation folgendermaßen: Bis sein Mitspieler Medjignia die Gelb-Rote Karte gesehen hatte, war alles relativ ruhig. „Für uns ging es um gar nichts mehr. Die haben geführt. Eigentlich war alles ganz normal“, erklärte er.

Nachdem Medijignia den Platzverweis sah, kam aber Hektik auf den Platz. SuS-Geschäftsführer Ralf Drews, der am Sonntag als Ordner fungierte, soll auf den Platz gestürmt sein. Laut Baslarli der Auslöser, warum die Situation immer mehr an Fahrt aufnahm.

30 SuS-Fans sollen aggressiv geworden sein

Angestachelt durch Drews auf dem Platz, wären die rund 30 SuS-Fans immer aggressiver geworden. „Wäre der nicht auf den Platz gerannt, wäre alles ruhig geblieben“, glaubt Baslarli.

SuS-Geschäftsführer Ralf Drews bestätigte die verbalen Entgleisungen im Gespräch mit dem Westfälischen Anzeiger. „Unsere Fans sind ausgetickt, das ist richtig“, wird Drews in dem Bericht des Westfälischen Anzeigers zitiert.

War Alkohol der Auslöser?

Was dann folgte, waren viele rassistische Äußerungen, der Enningloher: „Ihr Kanacken“, „Verpisst euch nach Hause“, „Du Affe“. Die Spieler der IG Bönen, darunter auch Baslarli, bekamen einiges zu hören.

Erkan Baslarli glaubt, dass auch Alkohol zu der Situation beigetragen hat. Die Zweite Mannschaft des SuS Eniggerloh ist im Spiel zuvor in die Kreisliga A aufgestiegen. Die Fans wären dann in Feierlaune gewesen und hätten einige Biere getrunken. Aus der Feierlaune wurde dann laut Baslarli Aggressivität.

Zuschauer haben mit Flaschen auf Spieler geworfen

Zusätzlich zu den verbalen Entgleisungen, sind dann noch mehrere Zuschauer körperlich auf die Spieler losgegangen. „Es kamen Zuschauer mit Flaschen auf uns zu“, erklärte Baslarli, der wie seine Teamkollegen von der Polizei vom Platz in Ennigerloh begleitet wurde. Auch Adem Cabuk, Mitspieler von Baslarli, bestätigte dies: „Schnell sind Fäuste und Flaschen in unsere Richtung geflogen.“

Diese Version bestätigt Ralf Drews im Gespräch mit dem Westfälischen Anzeiger so nicht. „In meiner Funktion als Ordner bin ich bei der Rudelbildung nach dem Foul, das zum Platzverweis geführt hat, auf den Platz gelaufen. Ich wollte die drohende Eskalation im Keim ersticken. Ein Bönener Spieler hat mich dann angesprochen und gesagt, ich solle mich vom Platz verpissen. Als ich das nicht tat, hat er mir in die Wade getreten“, wird Drews in dem Bericht des Westfälischen Anzeigers zitiert. Ein Reporter der Tageszeitung „Die Glocke“, der das Spiel vor Ort verfolgte, bestätigte in seinem Bericht, dass Drews einen Tritt in die Wade bekam.

An das Sportgericht weitergeleitet

Schiedsrichter Bröcking hat einen Sonderbericht angefertigt, der an das Bezirkssportgericht weitergeleitet wird. Wann es zu einer Verhandlung kommt und welche Strafen die Vereine und Spieler erwarten, ist aktuell noch unklar.

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