Von wegen körperloser Sport: Werner Basketballer räumen mit dem Mythos auf

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Viele Deutsche glauben an den Mythos von Basketball als körperlosem Sport. Warum die Bezeichnung weder zeitgemäß noch zutreffend ist, erklären Jan König und Christian Dreißig von den LippeBaskets.

Werne

, 04.02.2020, 18:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Mythos von Basketball als körperloser Sport klebt in den Köpfen vieler Deutscher wie achtlos weggeworfener Kaugummi an der Schuhsole. Dass die Bezeichnung „körperlos“ bestenfalls irreführend ist, zeigt sich nicht nur bei den Meistern ihres Fachs in der nordamerikanischen Profiliga NBA, in der Spieler wie Superstar LeBron James (2,03 Meter groß, etwa 108 Kilogramm leicht) oder Rookie Zion Williamson (1,98 Meter, etwa 129 Kilogramm) mit ihren physischen Ausnahmeerscheinungen aus Kraft und Schnelligkeit ihre Gegenspieler überpowern.

Auch im deutschen Basketball wird regelmäßig mit harten Bandagen gekämpft. Das wurde auch am Samstagabend beim Heimsieg der LippeBaskets Werne gegen den TVE Barop in der 2. Regionalliga (65:56) wieder deutlich. Keine zehn Minuten waren gespielt, als Christian Dreißig beim Kampf um einen Offensivrebound den Arm eines Gegenspielers schwungvoll vor den Mund bekam.

Dreißig verließ das Feld sofort, einer seiner Zähne war abgesplittert, drei waren locker. Der 33-Jährige bekam am Montag eine Schiene. „Essen ist schwierig, aber ich habe keine Schmerzen mehr, wenn ich nicht an die Zähne komme“, erklärt er.

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Nur zwei Viertel später war es dann Jan König, der den Arm eines Gegenspielers ins Gesicht bekam und aus dem Mund blutete - und zwar schon wieder. Erst im Dezember beim Pokalaus gegen die BG Dorsten hatte König nach einer Kollision seine Zähne richten lassen müssen. Diesmal erledigte er das kurzerhand selbst.

„Die Schmerzen sind nicht größer als beim letzten Mal, das heißt, ich kann gut damit leben, aber ich kann vorne nichts beißen“, berichtet er. „Das ist natürlich dumm gelaufen, gegen Dorsten hatten die Zähne schon eine richtige Krummstellung, jetzt waren sie wieder in der gleichen Position, da habe ich die selbst kurz in der Kabine gerichtet, was dann sehr viel Blut hervorgerufen hat. Jetzt bin ich wieder bei Null.“

Erst am Freitag vor dem Spiel habe er mit seiner Frau gefeiert, dass er wieder in Brot beißen könne. „Jetzt wird es wieder einen Monat oder eineinhalb dauern, bis ich mit den Zähnen was machen kann.“

Doch woher kommt der Mythos von Basketball als körperlosem Sport? „Als Sportlehrer hört man das immer wieder und ich glaube, dass das vielleicht sogar ein bisschen vom Sportunterricht kommt“, berichtet Christian Dreißig. „Von anderen Kollegen hört man auch, Basketball sei ein körperloser Sport. Vielleicht vermittelt man das so in die Gesellschaft rein.“

Von wegen körperloser Sport: Werner Basketballer räumen mit dem Mythos auf

Mit Kontakt: Christian Dreißig (r.) zieht zum Korb. © Isabell Michalski

Auch Jan König hält Unwissen für einen entscheidenden Faktor dafür, dass sich das Gerücht hält. „Wer sagt, Basketball ist körperlos, nur weil er das nicht kennt oder versteht - das ist absoluter Quatsch“, sagt König.

„Klar sind bei uns die Regeln anders als beim Fußball. Die Regel ‚Ball gespielt und Körper weg‘ gibt es bei uns einfach nicht, aber um ein Offensivfoul anzunehmen, muss man den Gegenspieler mit Kontakt aufnehmen. Und es gibt jedes Spiel Situationen, dass dich einer stealen oder blocken will, und da kann man nicht einfach über die Grätsche drüberspringen.“

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Hinzu kommen Wurfaktionen, bei denen die Gegenspieler die Arme hochreißen oder Reboundkämpfe, bei denen die Ellenbogen zum Standardrepertoire gehören. „Beim Basketball hat man immer die Gefahr einer Kollision“, erklärt König. „Deshalb ist der Mundschutz auch etwas, das ich privat bezahlt habe. Den muss ich jetzt anpassen lassen, den werde ich vor dem nächsten Spiel definitiv haben.“

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Gegen Dorsten verletzte sich König beim Annehmen eines Offensivfouls - trotz Mundschutz. Gegen Barop spielte er ohne, weil dieser nach der Verletzung noch nicht angepasst war und hatte gleich wieder Pech. „Wie viele Platzwunden ich auch schon im Training hatte, wo man meint, da sollte eigentlich kaum Härte drin sein - aber das lässt sich einfach nicht verhindern und gehört beim Sport dazu.“

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Ähnlich sieht das sein Teamkollege Christian Dreißig. „Ich glaube, solche Fouls sind einfach dem Wettkampf geschuldet, auch im Amateursport oder bei uns im Semi-Semi-Profi-Bereich. Jeder will sein Bestes erreichen und gewinnen, dann kommt es einfach manchmal zu Verletzungen, aber ich glaube, die meisten sind nicht mutwillig. Das kann einfach passieren. Ich habe mir meine Verletzung auf Video nochmal angeguckt und kann mir das nur so erklären, dass mein Gegenspieler mir nicht auf den Mund geschlagen hat, sondern von unten vor den Kiefer. Das sind Dinge, die nicht nur auf Aggressivität oder Unfairness zurückzuführen sind. Es ist halt blöd, wenn es einen mal erwischt.“

Fairness hin, Aggressivität her - der Mythos von Basketball als körperlosem Sport ist genau das - ein Mythos.

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