Für Springreiter Oliver Schaal bedeutet Werne Heimat

rnWas macht eigentlich...?

Wenn die zweite Heimat zur ersten wird, es ist schwer, diese zu verlassen. Springreiter Oliver Schaal (52) hat es dennoch getan. 2017 ging er nach Süddeutschland. Aber nicht für lange.

Werne

, 21.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Oliver Schaal verließ Werne Ende März 2017 nur schweren Herzens. Der 52-Jährige habe sich die Entscheidung damals nicht leicht gemacht, seine neue Heimat und seinen Job als Chefbereiter auf dem Hof Gripshöver nach 25 Jahren aufzugeben. Doch es zog ihn zurück zu seinen Wurzeln nach Baden-Württemberg, wo seine Familie wohnt.

Arbeit fand er auf dem südlich von Stuttgart gelegenen Landesgestüt Marbach, wo er bereits seine erste Lehre gemacht hatte. Doch was den Reitsport und alles was dazugehört angeht, sei Baden-Württenberg eben nicht Westfalen. „Wenn man etwas mit Pferden macht, darf man Westfalen eigentlich nicht verlassen. Ich habe es getan. Und jetzt bin ich wieder da“, sagt Oliver Schaal.

„Mir ging es im ersten Jahr nicht so gut“

Seit November 2018 wohnt er wieder in Werne. „Mir ging es im ersten Jahr da unten nicht so gut. Wenn man fast 30 Jahre weg war, ist das keine Heimat mehr. Das habe ich deutlich erfahren, auch wenn die Familie da noch wohnt“, sagt der 52-Jährige, der jetzt nur noch zwei Tage in der Woche Reitunterricht in Marbach gibt.

„Wenn man etwas mit Pferden macht, darf man Westfalen eigentlich nicht verlassen.“
Oliver Schaal

Also muss er pendeln. 500 Kilometer hin, 500 Kilometer zurück. „Und trotzdem ist das die ideale Lösung für mich“, sagt Schaal. Unterstützung erfährt er von der Familie Mecke in Werne. In deren Stall hat Schaal jetzt seine Pferde, arbeitet auf selbstständiger Basis als Bereiter, bildet also die jungen Springpferde aus.

Den Schritt zurück nach Werne habe sich Schaal nicht leicht gemacht. Es habe sich ein bisschen wie eine Niederlage angefühlt, es in seiner alten Heimat nicht wirklich geschafft zu haben. „Viele hatten mich damals gewarnt, diesen Schritt nach Süddeutschland zu gehen. ,Die Pferdehochburg ist doch hier‘, haben sie immer gesagt. Und sie hatten Recht. Ich bin froh, wieder hier zu sein“, sagt Schaal.

Er fühle sich jetzt wieder richtig gut. „In Baden-Württenberg gibt es auch nicht so viele Turniere. Oder man muss drei bis vier Stunden fahren, muss dann auch schon fast eine Übernachtung mit einplanen. Das ist auch wirtschaftlich schwierig“, erklärt Schaal. „Da ist unsere Region viel besser.“ Dass er „unsere“ Region sagt, spricht Bände. Westfalen ist wirklich zu seiner Heimat geworden.

Oliver Schaal greift wieder bei Turnieren an

Den Kopf wieder frei, das Heimweh abgelegt, greift Oliver Schaal auch wieder sportlich an. „Ich bin wieder voll drin, möchte an die gute Zeit vor meinem Weggang anknüpfen“, so Schaal. Das Jahr läuft auch gut an für Oliver Schaal, der natürlich immer noch für den RV St. Georg Werne reitet.

Für Springreiter Oliver Schaal bedeutet Werne Heimat

Oliver Schaal will auch bei den Lenklarer Reitertagen in den Sattel gehen. Wohl aber noch nicht beim Großen Preis. © JŸrgen Weitzel

Erste gute Platzierungen bei Turnieren stehen bereits zu Buche. Zum Beispiel jüngst in Riesenbeck, wo er auf Calvin die zweite Abteilung eines Zwei-Sterne-M-Springens gewonnen hat. „Ich habe wieder einige Pferde mit Potenzial“, sagt Schaal. Sein ältestes Pferd ist acht Jahre alt, für die ganz großen Springen seien sie noch nicht so weit. „Das kann sich aber ganz schnell ändern“, so Schaal.

Einen Start bei den Lenklarer Reitertagen hat er geplant. Ob aber gleich beim Großen Preis, dass ließ er offen. „Vielleicht eher im nächsten Jahr.“ Aber das ist kein Problem. Seine neue, alte Heimat verlässt er wahrscheinlich so schnell nicht mehr.

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