Joo Seung Oh müsste bei einem Deutschland-Besuch „am Flughafen schlafen“

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Seit über einem Jahr ist Joo Seung Oh zum Militärdienst in Südkorea. Dort bekam er auch die Corona-Pandemie hautnah mit - die verhinderte jetzt seinen Deutschland-Urlaub.

Werne

, 15.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als sich Joo Seung Oh am Telefon meldet, wirkt er erfreut über den Anruf aus seiner zweiten Heimat Deutschland. Aber eine nicht ganz ernst gemeinte Sorge hat der ehemalige Spieler des Werner SC: „Wer in der Zeitung steht, muss ja immer etwas in die Mannschaftskasse zahlen. Wer weiß, wie viel sich bei mir angesammelt hat, wenn ich wieder in Deutschland bin.“

Eigentlich wollte er auch jetzt schon wieder da sein. Seit etwas mehr als einem Jahr verrichtet Joo Seung Oh seinen Militärdienst in Südkorea. Ein paar Wochen wollte er in Deutschland bleiben, um seine alten Mannschaftskollegen beim WSC, Westfalia Wethmar, Westfalia Wickede und andere Freunde zu besuchen. „Außerdem wollte ich zu Sim-Jü auch da sein. Da kann ich den anderen zeigen, dass ich besser Bier trinken kann“, lacht er.

Joo Seung Oh müsste bei einem Besuch in Deutschland in Quarantäne

„Aber das konnte ich jetzt ja nicht machen - es sei denn, ich will am Flughafen schlafen“, sagt er und lacht. Ein Besuch in Deutschland hätte für den Koreaner aktuell eine 14-tägige Quarantäne zur Folge. „So lange das so ist, macht ein Urlaub leider keinen Sinn“, erklärt Oh.

In seinem aktuellen Wohnort Seoul ist das Coronavirus mittlerweile deutlich weniger zu spüren. Hier sind es im Moment 100 bis 130 Neuinfektionen (bei rund 10 Millionen Einwohnern, Anm. d. Red.) am Tag und wir sind nicht so sehr eingeschränkt“, erzählt er. Auch Cafés und Ähnliches sind wieder normal geöffnet. „Das Einzige, was jetzt eingeführt wurde, ist die Maskenpflicht, wenn man mit vielen Menschen an einem Ort ist.“

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Im Gegensatz zu seinen Kollegen aus Deutschland kann Joo Seung Oh außerdem auch weiterhin Fußball spielen - auch wenn er es nur noch hobbymäßig macht. „Ich habe erst überlegt, ob ich hier auch richtig spielen soll. Aber ich hätte es wegen des Wehrdiensts ja nicht zum Training unter der Woche geschafft“, erklärt er. „Außerdem wollte ich vorsichtig sein, damit ich mich nicht verletze und sich dadurch mein Wehrdienst noch weiter verlängert.“

Doch auch wenn er mit seinem Wehrdienst gutzutun hat: Die Entwicklung seiner Ex-Vereine in Deutschland verfolgt er weiterhin. „Ich lese ja auch viel die Zeitung und habe noch Kontakt zu meinen ehemaligen Mannschaftskollegen wie Chris Thannheiser oder Stövchen (Marvin Stöver, Anm. d. Red.). Außerdem bin ich auch noch in der Mannschaftsgruppe drin. Da bin ich ja auch mit acht Stunden Zeitverschiebung immer gut informiert“, sagt er.

Dass es beim Werner SC aktuell so gut lief und die Mannschaft zwischenzeitlich sogar Tabellenführer war, freut Joo Seung Oh. Aber: „Ich bin auch neidisch“, sagt er und lacht. „Als ich in Werne gespielt habe, war die beste Platzierung der siebte Platz.“

Dass seine Mannschaft aber durchaus hohe Qualität hat, ist dem Südkoreaner bewusst. Und er hat einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn es die Mannschaft schafft und am Ende in die Westfalenliga aufsteigt. Dann würde ich zur Aufstiegsfeier auch aus Südkorea kommen - egal, ob nach Deutschland oder nach Mallorca.“

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