Training auf Abstand, maximal Zehnergruppen, Kinder bis 14 Jahren dürfen aber noch mit bis zu 20 Leuten auf den Platz. Die Lockerungen, die die Bundesregierung in dieser Woche beschlossen hat, sorgen bei einigen Vereinsvertretern für Fragezeichen. © dpa
Fußball

Beschlusspapier ist „ein großes Wirrwarr“: Fußball-Vereine reagieren auf Lockerungen

Fußballspielen ist bald wieder erlaubt - zumindest, wenn es die Inzidenzwerte zulassen. Die Verantwortlichen der Fußballvereine in der Region sind geteilter Meinung, was die Lockerungen angeht.

Am Mittwoch (3. März) hat die Bundesregierung stufenweise Lockerungen für den Amateursport beschlossen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist – zumindest theoretisch – auch wieder Kontaktsport unter freiem Himmel möglich. Es gibt also Hoffnung für eine baldige Rückkehr auf den Fußballplatz – oder doch nicht?

In Regionen, in denen der Inzidenzwert 14 Tage lang zwischen 50 und 100 liegt, wäre frühestens ab dem 22. März Kontaktsport draußen mit einem tagesaktuellen Schnelltest möglich. Unter einem Wert von 50 ginge dies sogar ohne Test. Sollte die Inzidenz noch weitere zwei Wochen zwischen 50 und 100 liegen, wäre Kontaktsport draußen auch bei Inzidenzwerten über 50 ohne Test möglich.

Sollte es eine stabile oder sinkende Inzidenz von unter 100 geben, kann zumindest Individualsport alleine oder zu zweit und Sport in Gruppen von bis zu 20 Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich ermöglicht werden. Ab Montag, 8. März, ist bei einer Inzidenz unter 50 Außensport mit maximal zehn Personen kontaktfrei möglich. Aktuell liegt der Inzidenzwert im Kreis Unna bei 62,5 (Stand 5. März). So schätzen die Verantwortlichen der heimischen Klubs die getroffenen Maßnahmen ein:

Marcel Greig, Trainer der Reserve des Bezirksligisten Holzwickeder SC: „Ich steige ehrlich gesagt nicht ganz durch und halte die Beschlüsse für unrealistisch. Jetzt kommen die Schnelltests in den Handel. Ich glaube, dass die Zahlen deshalb astronomisch nach oben gehen werden. Die Schnelltests werden also nicht helfen, sondern die Situation eher verschlimmern. Kontaktfreies Training finde ich noch ganz okay. Wir müssten eh mit den Basics anfangen. Wenn wir nach so vielen Monaten direkt wieder voll trainieren würden, würde es auch viele Verletzte geben.“

Daniel Knapp, neuer Sportlicher Leiter des A-Ligisten FC Overberge:
„An sich finde ich die Beschlüsse gut – gerade für den Jugendbereich. Für mich war es ohnehin fraglich, warum sie bisher noch nicht wieder auf die Plätze durften. In der Schule sehen sie sich ja, aber auf die Sportplätze dürfen sie nicht gehen? Ich befürchte, dass die Inzidenz aber nicht allzu schnell unter die 50er-Marke fallen wird. Kontaktsport wird also vorerst nicht möglich sein.“

Marcel Greig, Trainer der U23 des Holzwickeder SC, freut sich über zwei weitere Neue.
Marcel Greig, Trainer der U23 des Holzwickeder SC, freut sich über zwei weitere Neue. © Hahn © Hahn

Ulrich Eckei, Vorsitzender beim A-Ligisten BSV Heeren: „Ich halte von den Beschlüssen nicht ganz so viel. Da kann ich auch für die anderen Kamener Vereine sprechen. In der Sache sind wir uns alle einig: Auf Abstand trainieren und nur in Zehnergruppen – das macht für uns alle wenig Sinn. Mitte März haben wir beim BSV eine Vorstandssitzung und werden uns danach mit den Trainern im Jugend- und Seniorenbereich kurzschließen, wie wir weiter vorgehen wollen.“

Uli Neuhaus, Sportlicher Leiter des A-Ligisten SV Bausenhagen: „Das Beschlusspapier ist für mich ein großes Wirrwarr. Lockerungen machen für mich nur Sinn, wenn es mit dem Impfen auch vorangehen würde. Im Märkischen Kreis bei uns um die Ecke haben wir eine Inzidenz von über 125, also mehr als doppelt so hoch wie im Kreis Unna. Es gibt noch zu viele Hotspots, die Gefahr einer Infektion ist in meinen Augen zu groß. Auch von der Sache mit den Schnelltests bin ich noch nicht voll und ganz überzeugt. Die Stadt Fröndenberg hat die Plätze aber ohnehin noch nicht wieder freigegeben.

Für Uli Neuhaus kommen die Lockerungen zu schnell. © Neumann © Neumann

Flurim Ramaj, Trainer des A-Ligisten Blau-Rot Billmerich: „Wir alle sehnen uns den Fußball zurück. Ich finde den Plan deshalb gut. Aber so richtig bringt er uns auch nicht weiter. Wenn es zunächst nur kontaktfrei geht und maximal in Zehnergruppen, ist es organisatorisch ein großer Aufwand, das alles zu regeln. Schnelltests sind zudem mit Kosten verbunden. Bei zwei, drei Trainingseinheiten pro Woche, wird‘s teuer – entweder für die Vereine oder die Spieler. Wer soll das finanzieren? Für die Kinder finde ich die Beschlüsse aber richtig. Es ist gut, dass sie wieder auf den Platz dürfen.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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