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Bundestrainer stoppte vor 40 Jahren den SVH

Fußball

Über legendäre Fußballersprüche freut sich jeder. Einen davon hat der aktuelle U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch losgelassen. "Manni Flanke, ich Kopf, Tor", erklärte er zu Hamburger Bundesligazeiten einer Moderatorin seinen Treffer. In Herbern haben sie Hrubesch nicht so gut in Erinnerung.

HERBERN

, 27.06.2015
Bundestrainer stoppte vor 40 Jahren den SVH

Vor 40 Jahren verlor Josef Reher mit Herbern gegen Westtünnen und Horst Hrubesch (Bild im Monitor) das entscheidende Spiel zur Landesliga. Am Samstagabend drückt Reher Hrubesch und dessen U21-Nationalmannschaft bei der EM in Tschechien die Daumen.

40 Jahre ist es her, dass rund 1500 der 5000 Herberner Bürger in Hamm einzogen. Es ist der 25. Mai 1975. Letzter Spieltag der Saison. Der SC Westtünnen empfängt den SV Herbern. Beide Teams haben 54:8 Punkte auf dem Konto. Nur der Sieger steigt in die Landesliga auf. In die Klasse, in der der SV Herbern bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gespielt hatte.

„Herbern stand damals Kopf. Der ganze Ort war wie leer gefegt. Ein Eldorado für Einbrecher“, erinnert sich der heute 62-jährige Josef Reher. Er war damals eine wichtige Stütze des SV Herbern. Ein Mittelfeldspieler mit Torgefahr. Dazu extrem kopfballstark.

Spezialauftrag für Reher und Reckers

Noch ein kopfballstarker Spieler in Reihen des SVH war Alfons Reckers. Reher und Reckers hatten von Trainer Rudi Brunsmann den Auftrag bekommen, bei hohen Bällen Horst Hrubesch zu stoppen.

Zu diesem Zeitpunkt war der spätere Deutsche Meister, Europapokal der Landesmeister-Sieger und Europameister noch Bezirksliga-Spieler des SC Westtünnen. Das Kopfballungeheuer, wie sie ihn später nur noch nannten, spielte im Sturm des Fünftligisten, der vom späteren Bundesliga-Trainer Werner Lorant gecoacht wurde. „Und Hrubesch war bei hohen Bällen einfach nicht zu stoppen“, erinnert sich Reher.

"Ein bitterer Tag"

Zweimal traf Hrubesch beim 3:0 seines Teams vor 3800 Zuschauern. Natürlich per Kopf. Im Jahr darauf spielte Hrubesch in der Bundesliga für Essen, wechselte dann zum Hamburger SV und wurde Nationalspieler.

„Das war natürlich ein bitterer Tag für uns. Der Spielmannszug und die Blaskapelle standen zur großen Aufstiegsfeier bereit“, sagt Reher. Horst Hrubesch verhinderte die Feier. Insgesamt 51-mal traf er in dieser Spielzeit für Westtünnen. Die Herberner Spieler zogen abends trotzdem durch die Kneipen. Lutz Bomholt, Franz Christ, Alfons Sennekamp, Herbert Börste, Willi von der Halben, Günther Büscher, Udo Harmsen und Reher gehörten dazu.

Im Halbfinale gegen Portugal

Noch heute sind fast alle dem SV Herbern treu. Bei Heimspielen des Landesligisten sind sie immer da, diskutieren über den Fußball von damals und heute. „Heute ist das Tempo weitaus höher und die Spieler sind in einer besseren körperlichen Verfassung. Früher aber hatten wir mehr Kopfballspieler und Spielwitz“, sagt Reher.

Wenn sie sich bald wieder treffen, werden sie wohl auch wieder über Hrubesch sprechen. Nicht nur, weil die Niederlage 40 Jahre her ist, auch weil Hrubesch aktuell im Fernsehen allgegenwärtig ist. Am Samstag steht er mit der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der EM in Tschechien im Halbfinale gegen Portugal.

Daumen drücken

„Dass Hrubesch einmal Bundestrainer wird, haben wir damals bestimmt nicht gedacht. Das ist doch ein modernes Fußballmärchen“, sagt Reher. Er wird sich das Spiel (18 Uhr) angucken und dem deutschen Team gegen Portugal die Daumen drücken, auch wenn Hrubesch vor 40 Jahren den Aufstieg verhindert hat, der aber ein Jahr später gelang.

Und wenn der Bundestrainer wieder im Bild zu sehen ist, wird Reher die Zeit um 40 Jahre zurückdrehen und an sein Duell gegen Hrubesch denken.