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Der Fußball rollt auch bei Frost

Fußball

In Lünen sperrt die Stadt die Fußballplätze – sehr zum Ärger der Mannschaften. Denn die wollen trainieren. In Nachbarstätten ist dies nicht der Fall.

Lünen

von Von Carina Püntmann

, 01.03.2018
Der Fußball rollt auch bei Frost

Die Sportplatzhersteller sagen, dass ihr grüner Kunstrasenteppich Frost verträgt, die Halme nicht abbrechen. In Selm und Bergkamen entscheiden die Sportvereine selbst, ob der Sportplatz gesperrt wird oder nicht. In Lünen wird es von der Stadt vorgegeben. Foto: Weitzel

Kritik musste die Stadt Lünen immer wieder in den vergangenen Wochen einstecken. Durch die Platzsperren wegen der Witterung waren viele heimische Vereine verärgert. „Ich als erfahrener Mann sage, dass das absolut traurig ist. In allen Umkreisen, wie in Selm oder Bergkamen, waren die Plätze offen. Nur hier in Lünen nicht“, sagte Wethmars Sportlicher Leiter Rolf Nehling vor ein paar Wochen. Er kann nicht nachvollziehen, warum die jeweiligen Vereine nicht entscheiden dürfen, ob der Platz bespielbar ist oder nicht. Nicht nur in Wethmar regte sich Unmut. „Für mich ist es sehr schwierig, die Gründe nachzuvollziehen. Ich kenne die Entscheidungsgrundlage der Stadt nicht und möchte darüber nicht urteilen. Es ist aber so, dass im Ergebnis für die Lüner Vereine ein Wettbewerbsnachteil entstanden ist“, sagte Jascha Keller, Trainer des BV Brambauer. Andreas Hermes, Coach des SV BW Alstedde, sieht es ähnlich: „Allen Lüner Vereinen geht es so. Das ist ein klarer Standortnachteil gegenüber anderen Vereinen.“

Verletzungsrisiko

Neben dem Argument des Verletzungsrisikos sind mögliche Beschädigungen an den Kunstrasenplätzen das Hauptargument der Stadt, wie David Littmann, städtischer Mitarbeiter in der Lüner Sportverwaltung, erklärte: „Wenn es friert, dann gehen die Plätze kaputt, dann müssen wir sperren. Wir müssen unsere Investitionen schützen. Bei Frost brechen die Halme ab.“

Was man sich in Lünen wünscht, ist woanders längst Realität: Obwohl die Bauart der Sportanlagen in Selm, Bergkamen und Umgebung weitestgehend die gleiche ist und die Temperaturen identisch, sind die heimischen Sportplätze aber nicht gesperrt. In Selm können sowohl die Stadt als auch die Vereine die Sportanlagen sperren, wie Stadtpressesprecher Malte Woesmann mitteilte. „Die Vereine sind näher dran. Sie haben von uns ein Handbuch erhalten“, sagte Woesmann. Sportvereine können auch in Bergkamen über ihre Plätze entscheiden: „Wir sperren nur bei einer geschlossenen Schneedecke. Ansonsten beobachten wir das Tag für Tag mit den Platzwarten zusammen. Die Befugnis liegt bei Frost bei den Platzwarten“, sagt Heiko Rahn, Sachgebietsleiter Sport.

Sportanlagen in Sibirien

Aber wie sehen das die Hersteller? Frank Schmidt, Gebietsleiter der Firma Polytan, erklärte, dass man auf Plätzen seiner Firma „bei Frost immer spielen“ kann – schließlich würde das Unternehmen, das er vertritt, auch Sportanlagen in Sibirien bauen. Bauingenieur Dominic Heiler vom gleichnamigen Bielefelder Sportplatzbauer schließt sich dem an: „Neue Kunststoffhalme halten Frost aus. Seit etwa 20 Jahren verwenden wir den weicheren Kunststoff Polyethylen, der bei Minusgraden nicht bruchgefährdet ist. Aufgrund des Materials muss man nicht auf Fußball verzichten.“ Problematisch seien nur Eisregen, sodass Rasenhalme zwischen Eisschollen abreißen könnten, oder Schnee, der zu Eis plattgetreten wird, teilten die Hersteller mit. Dann seien die Plätze nicht bespielbar. Die Hersteller verweisen aber darauf, dass das Verletzungsrisiko bestehen bleiben kann.

Patrick Osmolski, Trainer von GS Cappenberg, hat das kürzlich erlebt: „Wir mussten ein Training abbrechen. Das war wie auf rohen Eiern.“

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