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Nachspiel vor Gericht frühzeitig abgepfiffen

CASTROP-RAUXEL "Ich war ja auch mal ein Heißsporn", zeigte Jörg Teichmann vor Gericht recht viel Verständnis für den Angeklagten. Dabei war er es selbst, der den 27-jährigen Mustafa A. angezeigt hat. Vorsätzliche Körperverletzung lautete die Anklage. Sie wurde gegen 200 Euro Geldbuße fallen gelassen.

von Von Gabriele Regener

, 27.11.2007
Nachspiel vor Gericht frühzeitig abgepfiffen

Das von Jörg Teichmann initiierte Verfahren gegen Mustafa A. wurde eingestellt - es bleiben 200 Euro Geldstrafe für den "Übeltäter".

Spieler Mustafa A. vom SC Osmanlispor soll am 13. April 2006 in der zweiten Halbzeit - Spielstand 1:0 für die Gastgeber VfB Habinghorst - mit einem "taktischen Foul" die Situation heraufbeschworen haben. Gefoult wurde aber nicht Jörg Teichmann, sondern ein ganz anderer Kicker der Habinghorster.

Der Schiedsrichter zückte die gelbe Karte und unterbrach das Spiel. Da soll ihm, so der Angeklagte, der bis dahin völlig unbeteiligte Teichmann ans Trikot gegriffen und ihn gewürgt haben. Bei seiner Abwehrbewegung habe er ihn dann wohl verletzt. Denn ein ärztliches Attest bescheinigt Teichmann eine Platzwunde an der Lippe und eine Nasenprellung. Versehentlich!

Teichmanns Version lautete - wie auch schon in ersten Verhandlung, die im März wegen fehlender Zeugen vertagt wurde - anders. Er habe lediglich den Ball für den Freistoß holen wollen, der zwischen Mustafas Füßen lag, als er unerwartet diesen Faustschlag ins Gesicht bekam.

Beide Parteien hatten noch mehrere Zeugen benannt, die auf dem Gerichtsflur warteten, um ihre Aussagen zu machen. Doch Amtsrichter Schwarz pfiff das Nachspiel vor Gericht vorzeitig ab. Damit stimmte er dem Vorschlag der Staatsanwältin zu, die aufgrund des vergleichsweise harmlosen Vorfalls geneigt war, das Verfahren einzustellen.

Richter: "Das ist doch normal"

Das sah der Richter, früher selbst aktiver Fußballspieler genau so. "Das ist doch normal, dass beim Fußball manchmal die Emotionen hoch kochen. So eine Rangelei kann da doch schnell passieren", kommentierte er das Geschehen und fügte hinzu, dass der junge Angeklagte, bis jetzt ein unbescholtener Bürger, wohl ein junger Heißsporn sei. Dafür eine Vorstrafe zu kassieren, sei doch zu hart.

Das meinte auch Jörg Teichmann. Er habe den gegnerischen Spieler angezeigt, weil er sich durch dessen Verhalten gekränkt gefühlt hätte, einen Eintrag ins Vorstrafenregister wollte er ihm auf keine Fall einbrocken.

Hat er auch nicht. Das Verfahren wurde eingestellt. Mit einer Geldstrafe von 200 Euro kam der Fußballer, der mittlerweile für den SV Yeni Genclik kickt, glimpflich davon.

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