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Turnen mit Spaß erlebte im Jahr 2008 einen Boom

Sportgeschichte

Vor genau zehn Jahren war das Kinderturnabzeichen der Sportjugend ein Erfolgsmodell. Der Vorsitzende Ulli Müller und drei Vereine hatten das richtige Rezept gefunden. Wie lange wirkte es?

Castrop-Rauxel

, 06.12.2018
Turnen mit Spaß erlebte im Jahr 2008 einen Boom

Die mittlerweile eingeschlafene Veranstaltung „Kinderturnabzeichen“ erlebte 2008 einen Boom: 80 Kinder machten mit.

Heute vor zehn Jahren konnte diese Zeitung eine Erfolgsmeldung drucken: Rund 80 Kinder tummelten sich beim Kinderturnabzeichen in der Halle der Erich-Kästner-Schule in Habinghorst, schlugen Rad, wirbelten am Reck, machten Purzelbäume und balancierten über den Schwebebalken. Zwölf Monate zuvor waren es nur zehn Kinder gewesen, die mitmachten. Weshalb der Artikel mit den Worten überschrieben war: „Achtfache Teilnehmerzahl“.

Auch wenn die angestrebte Zahl von 120 Teilnehmern nicht erreicht wurde: Die damals 15. Auflage des traditionellen Kinderturnabzeichens der Sportjugend im Stadtsportverband war ein Erfolg. Die Sportjugend veranstaltete Ende der 1990er-Jahre das Turnabzeichen zunächst auf Initiative des Landessportbundes (LSB), danach in Eigenregie zusammen mit dem Castroper TV, TB Rauxel, TuS Ickern und dem TuS Henrichenburg. Das ursprüngliche LSB-Modell wurde Jahr für Jahr den Castrop-Rauxeler Erfordernissen angepasst.

Turnen mit Spaß erlebte im Jahr 2008 einen Boom

Ulli Müller, der Vorsitzende der Sportjugend © Foto:Jens Lukas

Auch wenn der Spaß im Vordergrund stand, gaben die Organisatoren stets einen kleinen Anreiz in Form einer Wettkampfkarte. Hier waren die Turnübungen aufgelistet. Mit steigendem Schwierigkeitsgrad konnten höhere Punktzahlen erreicht werden.

Ulli Müller, der Vorsitzende der Sportjugend, erinnerte sich am Donnerstag und berichtete: „Wir wollten zwar weg vom Leistungsgedanken, aber so können die Kinder sich selbst überprüfen und im nächsten Jahr eine höhere Punktzahl anstreben.“

Alle Kinder erhielten eine Urkunde, auf der die Punktzahl vermerkt war – und ob sie das Turnabzeichen „mit Erfolg“ oder „mit großem Erfolg“ absolviert hatten. Nicht Müller überreichte die Urkunden. Dafür hatten er und Organisatorin Julia Stiller (DLRG) von der Sportjugend den Nikolaus engagiert.

2008 wurde die neu eingerichtete Aktions- und Spielecke für die Kinder, die bereits erfolgreich ihre Turnübungen absolviert hatten, dankbar angenommen und von den Eltern als schöne Neuerung gelobt. Müller sagt: „Ein anderes Mal hatten wir sogar eine Hüpfburg in der Halle.“ Von 10 bis 14 Uhr bevölkerten die Kinder – überwiegend Mädchen im Alter von 1 bis 14 Jahren – im Verlauf der Jahre die verschiedenen Sport- und Turnhallen der Stadt. Die Gastgeberrolle ging reihum zwischen dem CTV, TBR, dem TuS Ickern und dem TuS Henrichenburg.

Pleite im Jahr 2007

Nach der „Pleite“ im Jahr 2007 hatte Ulli Müller bereits angekündigt, dass es wohl an der Zeit sei, die Veranstaltung neu mit Leben zu füllen: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Die Vorarbeit dazu leisteten die Mitglieder der Sportjugend bereits bei ihrem Seminar im Sportheim Neuastenberg Ende Oktober. Die komplette Neukonzeption würde jedoch erst 2009 greifen, hieß es. Denn selbst der Titel der Veranstaltung stand damals zur Diskussion. „Der Grundgedanke soll aber bleiben, den Spaß und den Einstieg in den Sport in den Vordergrund zu stellen“, war sich Ulli Müller damals sicher.

Beim Namen „Kinderturnabzeichen“ blieb es. Allerdings wurde ein Trend gebrochen. 2009 waren plötzlich 16 Jungen mit von der Partie. So viele wie danach nie wieder.

Letztmals berichtete unsere Redaktion im Jahr 2011 vom Turnabzeichen-Tag. Damals hatten 71 Kinder – überwiegend Mädchen – in der Sporthalle der Willy-Brandt-Gesamtschule mitgemacht. Danach wurde es still um diese Veranstaltung.

Ulli Müller sagt: „Julia Stiller hatte sich gekümmert, aber irgendwann von den Gastgebervereinen keine Unterstützung und Rückmeldung bekommen.“ Sollten sich der CTV, TBR oder TuS Henrichenburg jetzt melden, könnte man das Event wieder aufleben lassen, meint Müller: „Wichtig ist die Bereitschaft der Clubs zur Mitarbeit.“

Im Jahr 2003 war quasi ein prominenter Hilfesteller beim Turnabzeichen-Tag dabei: Tobias Schmiemann, damals DM-Silber-Medaillengewinner im Weitsprung der B-Jugendlichen. Der damals 20-jährige heimische Vorzeige-Leichtathlet leistete seinen Zivildienst ab – als erster Europastädter im Rahmen des so genannten Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) bei der LG Castrop-Rauxel und CTV. Auf Schmiemanns Stundenplan stand auch die Betreuung des LG-Nachwuchses sowie in den Herbstferien die Jugendfreizeit der CTV-Turnkinder in Detmold. Schmiemann betrieb zudem Werbung für das Sportabzeichen und Stadtmeisterschaften in den Schulen.

Damals wurde das FSJ zum Renner. 130 solcher Stellen hatte es in Nordrhein-Westfalen gegeben. Schmiemann erhielt pro Monat 306 Euro als „Gehalt“. 250 Euro davon musste der CTV stemmen. Der Verein bekam finanzielle Unterstützung durch den Stadtsportverband und den Lions-Club Castrop-Rauxel.

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