Der Herzstillstand von Christian Eriksen bei der EM schockierte Sportler, Fans und Zuschauern. © picture alliance/dpa/AP Pool
Amateursport

Medizinische Notfälle im Amateursport: „Gibt kaum Vereine, die darauf vorbereitet sind“

Die Bilder von Christian Eriksen und seinem Herzstillstand bei der EM gingen um die Welt. Und sie ließen im Amateursport die Frage aufkommen, wie gut die Vereine auf den Notfall vorbereitet sind.

Das Auftaktwochenende der Fußball-Europameisterschaft wird wohl niemand so schnell nicht vergessen. Der Herzstillstand von Christian Eriksen war ein Schockmoment für die Fußballgemeinde. Es waren teils verstörende Bilder, die da durch die Welt gesendet wurden.

Bilder, die Fragen aufwerfen. Im Profisport sind die Bedingungen für eine schnelle Hilfe im medizinischen Notfall gegeben. Rund um das Spielfeld sind Sanitätsteams und Ärzte positioniert, um im Ernstfall eingreifen zu können. Das hat, wie man bei Christian Eriksen sehen konnte, hervorragend funktioniert.

Westfalia Wethmar hat Defibrillator am Sportplatz

Doch wie ist die Lage im Amateursport? Die Stadt Lünen gab unlängst an, dass die Sportstätten im Stadtgebiet Nachholbedarf in Sachen Notfallausrüstung haben.

Westfalia Wethmar hat das Problem für sich schon vor einiger Zeit erkannt. „Wir haben einen Defibrillator am Platz, der über unseren Förderverein gesponsort wurde. Eine Erste-Hilfe-Schulung mit Defi-Einweisung haben wir dazu vor einigen Jahren mit Vorständen und Trainern durchgeführt“, sagt Stephan Polplatz.

Durch die Corona-Pandemie wurde zuletzt eine weitere Schulung verhindert. Doch der erste Vorsitzende des TWW sagt weiter: „Da der Defibrillator klare Anweisungen gibt, ist er unseres Erachtens auch erst einmal so einsetzbar.“

Und weiterhin seien mehrere Trainer und Vorstände darüber hinaus betriebliche Ersthelfer, die ihre Kenntnisse dadurch alle zwei Jahre auffrischen würden.

Bei Blau-Weiß Alstedde hat die EM den Verantwortlichen ein wenig die Augen geöffnet. Bisher sei der Verein nicht allzu gut für den Notfall aufgestellt, gibt der Sportliche Leiter Benedikt Kuhne an.

Fußballkreis will das Thema aufgreifen

„Wir haben bisher aus unseren alten Herren drei bis vier Rettungssanitäter, die sonntags eigentlich so gut wie immer am Platz sind und im Notfall helfen könnten. Aber wir nehmen das Thema ernst und werden uns jetzt auch kurzfristig um gute Ausstattung und Schulungen kümmern“, so Kuhne.

Bleibt die Frage, wie die spielleitenden Stellen das Thema Einschätzen. Andreas Edelstein vom Fußballkreis Dortmund gibt einen Einblick in seine Gedanken: „Meine persönliche Annahme ist, dass es kaum Vereine gibt, die auf ihren Sportanlagen auf einen Notfall vorbereitet sind. Es wird sicherlich geschulte Mitarbeiter in den Vereinen geben, aber bei insgesamt 1000 Mannschaften im Kreis wird nur ein geringer Teil an Klubs versorgt sein.“

Der Kreis sehe das Thema medizinische Notfälle aber durch die aktuellen Ereignisse als wichtige Aufgabe für die Zukunft. Zwar sei die Zahl an bekannten, vor allem internistischen Notfällen zwar klein, aber auszuschließen sei spätestens seit der EM nichts mehr.

Daher, so Edelstein weiter, werde sich der Kreisvorstand in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema befassen. Dabei ginge es dann vor allem um Schulungsmaßnahmen, die in Zusammenarbeit mit dem Stadtsportbund auf den Weg gebracht werden könnten.

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.