Eines von 21 Nestern des Eichenprozessionsspinner im Wald von Beckinghausen, das die Stadt Lünen zur allgemeinen Gefahrenabwehr entfernen ließ. Zahlen soll der Waldbesitzer. © Quiring-Lategahn (A)
Eichenprozessionsspinner

Ärger um Gifthaare: Lüner Waldbesitzer fällt drastische Entscheidung

21 Nester des Eichenprozessionsspinners hat die Stadt Lünen aus einem Privatwald entfernen lassen. Zahlen soll der Besitzer. Der hat Klage eingereicht und eine drastische Entscheidung gefällt.

Rot-weißes Flatterband warnt seit Mitte August an dem kleinen Waldstück an der Kreuzstraße in Lünen-Beckinghausen vor der Gefahr des Eichenprozessionsspinners (EPS). Die Raupe mit den gefährlichen Brennhaaren hat sich in den Eichen eingenistet. Um die Beseitigung von 21 Nestern gibt es Streit. Der liegt inzwischen beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen.

Waldbesitzer Dieter Kuhne hat nicht nur Klage gegen eine Ordnungsverfügung der Stadt eingereicht. Er will das Thema, das mit Kosten wohl jedes Jahr aufs Neue auf ihn zukommen kann, mit Stumpf und Stiel beenden: Alle Eichen sollen gefällt werden. Von dem bei Spaziergängern beliebten Waldstück, auf dem noch dürre-geschädigte Buchen stehen, bliebe dann wohl nicht mehr viel übrig.

Wurzel des Übels ist ein Insekt. Seine umherfliegenden Brennhaare machen einige Anwohner der benachbarten Siedlung Am alten Sägewerk krank. Sie reagieren mit Allergien und Reizungen. Ihre Häuser stehen nahe am Wald. Die Anwohner könnten der gesundheitlichen Gefahr nicht ausweichen, argumentieren sie.

In einem Schreiben haben sie Waldbesitzer Dieter Kuhne aufgefordert, die Nester zu entfernen. Doch er sieht keinen Handlungsbedarf. Der Wald stehe schon länger als die Häuser.

Kuhne beruft sich auf das Forstgesetz NRW, wonach der Eichenprozessionsspinner eine „für den Wald typische Gefahr“ darstelle. Diese Gefahr gehe nicht von Bäumen aus, sondern von den Gespinsten herrenloser Tiere. Kuhne sei nicht ihr Besitzer.

Stadt reagiert im Rahmen allgemeiner Gefahrenabwehr

Über einen Anwalt wandten sich die Anwohner an die Stadt Lünen. Wie das Kreisgesundheitsamt, sieht auch die Stadt in den Nestern eine akute Gesundheitsgefahr. Das Gesundheitsamt des Kreises hat empfohlen, die Nester im Umkreis von 100 Metern der Häuser zu entfernen.

Eine Auffassung, der sich die Stadt im Rahmen der allgemeinen Gefahrenabwehr anschloss. Weil die Gefahr außerhalb des Waldes bestehe, sei der Hinweis auf waldtypische Gefahren nicht gegeben, argumentiert die Stadt. Sie schickte dem Waldbesitzer eine entsprechende Ordnungsverfügung zu. Weil Kuhne bei seiner Meinung blieb, ist die Stadt aktiv geworden und hat die EPS-Kolonne der Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) mit der Beseitigung der Nester beauftragt. Die Kosten in Höhe von 16.000 Euro soll Kuhne tragen.

Gegen die Ordnungsverfügung hat er Klage eingereicht. Ihn wundere, dass die Stadt hier tätig geworden sei, obwohl sie selbst bei ihren eigenen Bäumen auch nicht alle Nester entferne. Sie mache dann auch mit Flatterband und Warnhinweisen auf die Gefahr aufmerksam. An sensiblen Orten wie Kindertageseinrichtungen oder an Schulen sei auch für Kuhne eine Beseitigung nötig, aber nicht im Wald.

Flatterband weist auf den Eichenprozessionsspinner im Wald von Beckinghausen hin.
Flatterband weist auf den Eichenprozessionsspinner im Wald von Beckinghausen hin. © Quiring-Lategahn (A) © Quiring-Lategahn (A)

Problem taucht jedes Jahr wieder auf

Er sieht das Problem, dass die Raupen jedes Jahr wiederkommen. In dem 1,4 Hektar großen Waldstück, von dem sich 6000 Quadratmeter auf Lüner Gebiet befinden, kämen in jedem Jahr die Kosten der Nesterbeseitigung auf ihn zu. Eine Summe, die den Wert des Waldes übersteige. Deshalb habe er sich entschieden, die Eichen im Winter zu fällen. „Ein trauriges Kapitel, dass die Waldfläche so endet“, sagt er und fügt hinzu, er sei nicht „der Böse in dieser Angelegenheit“.

Viele Waldbesitzer schauten jetzt interessiert nach Lünen und darauf, wie das Verwaltungsgericht in der Angelegenheit entscheide. Das Urteil sei richtungsweisend, ist Kuhne sicher.

Der Waldbesitzer hat zudem Anzeige bei der Umweltbehörde des Kreises Unna erstattet. Denn schon länger ärgert ihn, dass Anwohner ihren Grünschnitt einfach in den Wald kippen. Das ist strafbar.

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Redaktion Lünen
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Magdalene Quiring-Lategahn