Porträts von Bergleuten, wie das hier von Veli Sargin an der Jägerstraße 69b, erinnern an Menschen und die Geschichte des Stadtteils Lünen-Süd. © Goldstein
Begegnungen über Tage

Bergbauerinnerungen an Fassaden: Kunstprojekt in Lünen-Süd fällt auf

Wer durch Lünen-Süd geht, sieht Fassaden mit großflächigen Bergbaumotiven. Die Bilder erinnern an die Geschichte und Bergleute des Ortsteils. Im Frühjahr kommt noch ein weiteres Graffiti dazu.

Zum Hingucker im Ortsteil ist das Kunstprojekt „Begegnungen über Tage“ geworden. Rund um die Jägerstraße und angrenzend an Bebel- und Alsenstraße erinnern Bergbaumotive daran, was den Stadtteil einst ausmachte. Obwohl es in Lünen-Süd keine eigene Zeche gab und die Bergleute Arbeit auf Preußen I (Gahmen), Preußen II (Horstmar) und Gneisenau (Derne) fanden, ist der Ortsteil durch den Bergbau entstanden. 1898 baute die Harpener Bergbau AG die ersten Zechenhäuser an der Ziethenstraße. Die Kolonie gilt als Keimzelle des Stadtteils und steht heute unter Denkmalschutz.

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So wirkt das Kunstprojekt „Begegnungen über Tage“ in Lünen-Süd

13 Schülerinnen und Schüler der Stufe 12 der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule haben mit Lehrer Volker Krieger recherchiert und sich mit ehemaligen Bergleuten unterhalten. Es waren „Begegnungen über Tage“, die zu den Motiven geführt haben. Mit Koordinator David Kory vom Dortmunder Verein „die urbanisten“ und den Künstlern Oliver Mark und Martin Bender sind zehn Fassaden künstlerisch gestaltet worden. Im Frühjahr 2022 soll an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule noch eine weitere dazukommen.

Von Bergmannskuh und Zechenbahn

In den Kolonien hatten die Bergleute ein Stück Land, mit dem sie sich versorgten. Viele hielten Ziegen, die so genannte Bergmannskuh. Daran erinnert eine Fassade an der Kita Alsenstraße. Am Bürgerplatz ist die Kohlenbahn zu sehen. Die Zechenbahntrasse verband 1896 die Zeche Preußen I mit dem Bahnhof Lünen-Süd, der damals noch an der Scharnhorststraße war. Heute ist sie ein beliebter Rad- und Fußweg.

Am Bürgerplatz findet sich auch ein Porträt von Kai Klapper. Wie schon drei Generationen vor ihm, wurde auch er Bergmann. Vom Hauer qualifizierte sich Klapper zum Steiger und wechselte schließlich in die so genannte Wasserhaltung. Er kümmerte sich um das Grubenwasser. 2020 ging Kai Klapper in den Vorruhestand und engagiert sich im Trainingsbergwerk Recklinghausen.

An Deputatkohle, die die Bergleute früher von der Zeche bekamen, erinnert eine Fassade am Pavillon des alten Gebäudes der Overbergschule. Der Preußenhafen, der 1920 für den Kohletransport in Betrieb genommen wurde, findet sich an einem Stromhaus an der Bebelstraße/Hafenstraße wieder. Werksbusse brachten die Bergleute zur Schicht, einer ist an einer Garage Lutherstraße zu sehen.

Lüner Bergmann schrieb Fußballgeschichte

Das Porträt von Timo Konietzka an der Jägerstraße 100 hebt einen Lüner Bergmann hervor, der Fußballgeschichte geschrieben hat. Von seinem Verein VfB Lünen ging er zum BVB und schoss 1963 das erste Tor der neuen Bundesliga. Er holte in den 60er Jahren Titel für BVB und TSV 1860 München. Konietzka starb 2012 in der Schweiz, der Timo-Konietzka-Weg in Lünen ist nach ihm benannt.

An der Bebelstraße 142 erinnert ein Porträt an den Bergmann, Gewerkschafter und Politiker Gerd Püschel. 1966 wurde er auf Gneisenau in den Betriebsrat gewählt und hatte später als Schachtgewerkschaftsvorsitzender das Amt des höchsten Gewerkschaftsfunktionärs inne. Im Rat der Stadt engagierte er sich auch für den Stadtteil Lünen-Süd und war im Ausländerbeirat vertreten.

Nach dem Pütt ehrenamtlich aktiv

Mario Schmidt findet sich an der Hauswand der Jägerstraße 80 wieder. Wie sein Vater und Großvater, lernte er im Bergbau. Später wurde er Sprengmeister, ein risikoreicher Beruf. Er war für Gasmessung und Absperrung der Sprengbereiche zuständig. Mario Schmidt engagiert sich bis heute in der Gewerkschaft IG BCE und ist dort Bildungsobmann.

Die Fassade der Jägerstraße 69b zeigt den Bergmann Veli Sargin, der schon mit 13 im Bergbau tätig war. 1971 kam er nach Deutschland und arbeitete auf Gneisenau. Nach nur vier Monaten hatte er einen schweren Unfall. Sargin war Mitglied des Ausländerbeirats der Stadt Lünen und engagierte sich im Bergbau als Betriebsrat. Heute ist er im Projektbeirat Lünen-Süd aktiv.

Das Kunstprojekt ist entstanden auch in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilbüro Lünen-Süd. Es ist gefördert worden aus dem Programm „heimatruhr“ des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Zu den Sponsoren gehören die Stadtwerke Lünen, der Bauverein zu Lünen, die Stiftung Sparkasse an der Lippe und die WBG Lünen.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
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Magdalene Quiring-Lategahn