Der gepflasterte Weg hinter dem Haus muss entfernt werden. Die Gartenhütte im Hintergrund muss voraussichtlich um etwa einen halben Meter versetzt werden. © Dennis Görlich
Mahlbach

Hauseigentümer in Lünen müssen Gartenhäuser und Spieltürme entfernen

Hausbesitzer im Lüner Süden müssen einen Teil ihrer Bauten entfernen. Die Stadt Lünen entschied das nach einer Besichtigung und setzt nun eine Frist. Grund ist der Hochwasserschutz.

Gerätehütte, Spielturm oder Brennholzlager. In den Gärten am Mahlbach in Gahmen haben sich die Besitzerinnen und Besitzer der Reihenhäuser nach ihren Bedürfnissen eingerichtet. Die Stadt hat damit jetzt ein Problem. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Der Stein des Anstoßes: Die Grundstücke im Eugen-Birke-Weg grenzen direkt an den Mahlbach. Zwischen Bach und Gärten befindet sich ein Abschnitt, der in städtischem Besitz ist – und von den Anwohnerinnen und Anwohnern mitgenutzt wird.

Gartenhäuschen in den Bachauen

„Im Zuge der Gewässerschau Anfang des Jahres fiel die unrechtmäßige Bebauung auf“, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. „Einige Anliegerinnen und Anlieger nutzen städtische Flächen für Nebenanlagen (Gartenhäuschen, etc.). Außerdem wurden Abschnitte der Bachaue beispielsweise mit kleinen Mauern bebaut“, so die Stadt weiter.

Es gebe jedoch eine rechtliche Grundlage, nach der eine Bachaue von der Bebauung freizuhalten sei. Das sei vor allem vor dem Hintergrund des Hochwasserschutzes wichtig, weil Bachauen bei Hochwasser einen natürlichen Schutz bieten würden.

Der Mahlbach führt üblicherweise nur wenig Wasser. Für Starkregenereignisse wie im Juli braucht es aber auch dort einen Hochwasserschutz.
Der Mahlbach führt üblicherweise nur wenig Wasser. Für Starkregenereignisse wie im Juli braucht es aber auch dort einen Hochwasserschutz. © Dennis Görlich © Dennis Görlich

Dass gerade Mauern an der Grundstücksgrenze am Mahlbach so beliebt sind, erklärt sich im Gespräch mit den Betroffenen schnell: Der Erdwall, der den Bach von den Grundstücken trennt, sei in der Vergangenheit immer wieder nachgerutscht, sodass sich viele für eine bauliche Barriere entschieden.

Wie kam es aber zum Bau von Hütten und anderen „Nebenanlagen“ in der Bachaue selbst?

Bepflanzen erlaubt, bebauen verboten

Eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet, dass sie die Stadt im Jahr 2011 wegen des betroffenen Abschnitts kontaktiert habe. Weil die Stadt nach der Bebauung keinen Zugang zum eigenen Grundstück mehr hatte, sei es auch nicht gepflegt worden, so die Anwohnerin.

Zwei Mitarbeiter hätten sich die Situation nach ihrem Anruf vor Ort angeschaut. „Mir wurde dann mündlich zugesagt, dass wir die Fläche bepflanzen, aber nicht bebauen dürfen“, so die 52-Jährige.

Daran haben sich einige Nachbarn aber nicht gehalten. Im Mai wurden zwanzig Eigentümerinnen und Eigentümer von der Stadt zu einer Videokonferenz geladen, in der das weitere Vorgehen erläutert wurde. „Dann waren Vermesserinnen und Vermesser der Stadt vor Ort, um eine Grenzvermessung durchzuführen“, berichtet die Stadt.

Die Mitarbeiter der Stadt markierten in den Gärten die Grenze zwischen städtischem und privatem Grund.
Die Mitarbeiter der Stadt markierten in den Gärten die Grenze zwischen städtischem und privatem Grund. © Dennis Görlich © Dennis Görlich

Ende September führte die Stadtverwaltung dann erste persönliche Gespräche vor Ort, „um gemeinsam Lösungen zu finden“.

Zeit bis Mitte November

Das Ergebnis: Hütten, Holzlager und andere Bauten in den Bachauen müssen entfernt oder auf das eigene Grundstück versetzt werden. Die ebenfalls betroffene Anwohnerin muss ihren gepflasterten Weg auf städtischem Grund entfernen. „Verstehen kann ich das. Das Wasser muss irgendwo absickern. Es ist ja auch zu unserem Schutz.“

Sie selbst sei von dem Starkregen im Juli nicht betroffen gewesen. Ein Teil ihrer Nachbarschaft aber schon: „Ein paar Häuser weiter hatte jemand einen Schaden von 25.000 Euro“, weiß sie.

An anderer Stelle sei die Stadt allerdings entgegenkommend gewesen: Die Befestigung des Erdwalls darf bleiben, so die Anwohnerin. Den Wall selbst hatte sie im Laufe der Zeit lediglich mit einer Hecke als Sichtschutz bepflanzt.

Ein Nachbar, der demnächst wohl sein Holzlager entfernen muss, wollte der Stadt sogar ein Angebot machen. „Wir haben gefragt, ob wir das Grundstück freikaufen können, das geht aber nicht“, sei ihm gesagt worden.

Nun müssen er und alle anderen Betroffenen bis voraussichtlich Mitte November die bemängelten Bauten entfernen. Dann will der städtische Fachdienst Stadtgrün den Streifen neben dem Mahlbach einer Pflege unterziehen.

Dass das durchaus laut werden kann, zeigte sich bereits am Mittwoch (6.10.): Mitarbeiter der Stadt befreiten den Mahlbach mit Motorsensen vom Gestrüpp.

Über den Autor
Volontär
1989 im Ruhrgebiet geboren, dort aufgewachsen und immer wieder dahin zurückgekehrt. Studierte TV- und Radiojournalismus und ist seit 2019 in den Redaktionen von Lensing Media unterwegs.
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Dennis Görlich