Zum letzten Mal zapfte Wirtin Anna Iwaniec am vergangenen Samstag frisches Bier für ihre Gäste. © Günther Goldstein
Nach zwölf Jahren

Horstmarer Treff geschlossen: Abschied „ohne schlechtes Gewissen“

Der „Horstmarer Treff“ war für viele Menschen ein beliebter Treffpunkt im Ort. Auf den Tischen wird nun nicht mehr getanzt. Nach knapp zwölf Jahren schloss die urige Kneipe.

Es war ein toller Abschied, am Ende wollte keiner so recht nach Hause gehen“. Aber es war schließlich schon vier Uhr am Sonntagmorgen, und irgendwann musste definitiv Schluss sein. Im „Horstmarer Treff“ an der Preußenstraße gingen unter der Regie von Anna Iwaniec für immer die Lichter aus.

Es war ein Abschluss in Etappen, bedingt durch die seit 12 Jahren eingefahrenen Abläufe in der urigen Kneipe kurz vor dem zweiten Kreisverkehr im Stadtteil Horstmar. Am 4. Dezember hätte die beliebte Wirtin ihr Dutzend voll gehabt. In den letzten Wochen passierte um den langen Tresen nun alles zum letzten Male. Der letzte Frühschoppen am vorletzten Sonntag war schon von Wehmut getragen, die Mitglieder des Sparclubs, des Lottoclubs und die Bundesliga-Tipper hatten ihre Einlagen aufgelöst.

Viele Stammgäste

Die Ereignisse um die Corona-Pandemie waren der Auslöser für den Entschluss von Anna Iwaniec, ihre „Arbeitsstätte“ aufzugeben. In den 10 Jahren zuvor hatte sie sich durch ihre freundliche und offene Art viele Stammgäste, nicht nur aus Horstmar, erarbeitet, sowohl bei den Jüngeren wie bei den Älteren, bei Männern und Frauen. „Da gab es viele junge Männer, die in den Treff kamen, damals so um die 18 Jahre alt“, erinnert sie sich, „und heute sind sie verheiratet, haben Kinder, haben ein Haus gebaut, und treffen sich immer noch bei mir“.

Der Abschiedsabend ging bis in die Morgenstunden. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Einige stehen am letzten Tag am Tresen und knobeln, eine auch unter den älteren Herrschaften verbreitete Leidenschaft. Jetzt kommt einer aus der Runde zu Anna, wie alle sie hier nennen, und lässt sich seinen Knobelbecher zum Abschied signieren.

Zur Feier des Tages hat Anna auch noch ein kleines Buffet angerichtet, an dem sich alle bedienen dürfen. Die Gäste wissen es zu schätzen, was sie an ihrer kleinen Kneipe haben, an ihren Treffpunkt für Kommunikation und Spaß. „An Samstagen, wenn es hier rappelvoll war, haben wir auch auf den Tischen getanzt“, erinnert sich Anna.

Am letzten Abend gehen die jungen Männer ihrer Wirtin zur Hand. Helfen bei der Bedienung, stehen hinter dem Tresen und am Zapfhahn.

„Es war für mich die richtige Entscheidung hier aufzuhören, und ich mache das ohne schlechtes Gewissen“, sagt Anna Iwaniec. Und das nicht nur, weil womöglich die nächste Schließung der Gastronomie vor der Türe steht. Dennoch ist es für die Horstmarer sicherlich bitter, dass ihre letzte Kneipe schließt, ihr letzter Treffpunkt. Das wird wohl auch noch so bleiben, denn trotz aller Bemühungen konnte Anna keinen Nachfolger finden.

„Für mich schließt sich jetzt eine Tür, aber eine neue wird sich öffnen. Ich muss jetzt erst einmal zur Ruhe kommen“, gesteht Iwaniec. Das könnte noch etwas dauern, denn nun muss sie noch klar Schiff machen in ihrer Kneipe für die Übergabe an die Vermieterin.

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Redaktion Lünen
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Günther Goldstein

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