Wenn die Fußgängerampel an der Kreuzung Jägerstraße/Bebelstraße Grün zeigt, sollte der Übergang gefahrlos möglich sein. Doch das ist nicht immer so, wie Klaus Bäcker erklärt. © Matthias Stachelhaus
Verkehr

Kreuzung Jägerstraße in Lünen: Gefahr für Fußgänger trotz grüner Ampel

Anwohner beschweren sich über Gefahren für Fußgänger an der Kreuzung Jägerstraße/Bebelstraße in Lünen. Auch wenn die Ampel Grün zeigt. Der Bereich war bis 2020 als Unfallschwerpunkt bekannt.

Wenn die Fußgängerampel an der Kreuzung Jägerstraße/Bebelstraße auf Grün springt, sollte der sicheren Überquerung der Straße eigentlich nichts im Wege stehen. Genau das ist aber oft nicht der Fall, wie Klaus Bäcker im Gespräch mit der Redaktion moniert.

Als Anwohner und Inhaber der C&C Bäcker GmbH an der Jägerstraße hat er das Geschehen direkt vor seiner Tür gut im Blick. „Vor der Ampel wird einerseits oft beschleunigt, um noch die Grünphase zu erwischen“, sagt Bäcker. Andererseits hielten Rechts- und Linksabbieger von der Bebelstraße oft nicht für die Fußgänger, die über die Jägerstraße gehen wollen. Wobei Bäcker in diesem Fall nicht unbedingt böse Absicht unterstellen will.

Denn die Fußgängerampel steht nicht direkt an der Kreuzung zur Bebelstraße, sondern etwa fünf Meter tief in der Jägerstraße und hinter Bäumen. Für Abbieger sei die Stelle nicht gut einzusehen. Mit Konsequenzen, wie die Familie auch schon selbst erleben musste. Anfang 2018 wurde Elfriede Bäcker angefahren und verletzt, als sie an der Ampel über die Jägerstraße lief. Sie trug eine Platzwunde am Kopf und eine Gehirnerschütterung davon.

Weil Abbieger von der Bebelstraße die Fußgängerampel in der Jägerstraße übersehen oder ignorieren, kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen und auch Unfällen, sagt Anwohner Klaus Bäcker.
Weil Abbieger von der Bebelstraße die Fußgängerampel in der Jägerstraße übersehen oder ignorieren, kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen und auch Unfällen, sagt Anwohner Klaus Bäcker. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Polizei meldet viele Unfälle von 2018 bis 2020

Nicht der einzige Unfall. „Im Rahmen der regelmäßigen Auswertung von Verkehrsunfällen ist die Kreuzung Bebelstraße/Jägerstraße in Lünen im Jahr 2019 und 2020 als Unfallhäufungsstelle in Erscheinung getreten“, teilt Polizeisprecher Peter Bandermann auf Anfrage mit.

2018 sei es neben einem Unfall mit einem schwer verletzten Fußgänger (der Schilderung nach der Unfall von Elfriede Bäcker), zu einem weiteren Unfall zwischen zwei Autos gekommen, bei dem sich ein Fahrer leicht verletzte.

2019 krachte es an der Kreuzung noch öfter, nämlich vier Mal. In drei Fällen beim Abbiegen. „Ein Radfahrender wurde bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw schwer verletzt. Zwei Fußgänger verletzten sich bei Zusammenstößen mit Pkw leicht“, so Bandermann weiter. Außerdem krachte es erneut zwischen zwei Autos, eine Person wurde leicht verletzt.

2020 verletzte sich ein Radfahrer leicht, als er von einem Auto in dem Bereich überholt wurde, sich erschrak und stürzte.

Eine geänderte Ampelschaltung könnte die Gefahr für Fußgänger minimieren. Die Stadt Lünen will den Vorschlag prüfen.
Eine geänderte Ampelschaltung könnte die Gefahr für Fußgänger minimieren. Die Stadt Lünen will den Vorschlag prüfen. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Nach Abschluss der Fahrbahndeckensanierung an der Bebelstraße im September 2020 habe es bislang keine weiteren Verkehrsunfälle im Kreuzungsbereich gegeben.

Vorschläge für mehr Sicherheit

Sicherer fühlen sich die Bäckers an der Straße deshalb aber nicht. „Vorige Tage noch sind drei Fahrzeuge vor mir vorbeigefahren“, sagt Klaus Bäcker. Er macht auch zwei Vorschläge: Die Stadt könnte die Grünphasen für Autos auf der Bebelstraße und Fußgänger auf der Jägerstraße entkoppeln. So hätte keine der beiden Seiten gleichzeitig Grün. So ähnlich handhabt es Sohn Claus Bäcker auch jetzt schon. „Ich gehe über die Jägerstraße, wenn die Autofahrer hier Grün haben.“ Denn im Gegensatz zu den Abbiegern von der Bebelstraße ist die lange Gerade auf der Jägerstraße sehr gut für Fußgänger einsehbar. Zeitgleich haben Autos auf der Bebelstraße Rot.

Alternativ könnte die Fußgängerampel versetzt werden, meint Vater Klaus Bäcker, näher zur Bebelstraße und somit besser sichtbar. „Das wäre natürlich teurer.“ Dass die Stadt hier nicht schon tätig geworden sei, wundere ihn ohnehin, denn im Frühjahr 2021 seien doch Mitarbeiter vor Ort gewesen.

Stimmt, wie Frank Knoll, kommissarischer Pressesprecher der Verwaltung, erklärt. Allerdings aus anderen Gründen. „Die Verwaltung hat sich diesen Bereich – vor dem Hintergrund einer Verbindungsstörung zum Verkehrsrechner – in diesem Jahr mehrmals vor Ort angesehen. Eine Gefährdungslage konnte nicht festgestellt werden.“ Die Verwaltung danke dem Anwohner für seine Vorschläge, die die Verwaltung aufnehme und „auf Umsetzbarkeit prüfen“ werde.

Aktuell gebe es aber keine Pläne an der Verkehrsführung der Kreuzung etwas zu ändern.

Busse haben länger Grün – manchmal

Und dass Autos immer wieder rasant beschleunigen, um die grüne Ampel auf der Jägerstraße (eigentlich Tempo 30) noch zu erwischen? Den Grund vermutet Bäcker hier in der gesonderten Ampelschaltung, die an der Kreuzung für Busse gilt. Ein solches System gibt es in Lünen an mehreren Knotenpunkten, auch an der Kreuzung Bebelstraße/Jägerstraße, wie Uwe Greif, Fahrbetriebsleiter der VKU in Lünen erklärt. „Darauf haben die Busfahrer aber keinen Einfluss.“

Hält ein Bus an der Haltestelle Jägerstraße – etwa 200 Meter vor der Kreuzung – kann die Grünphase der Ampel verlängert werden. Der Öffentliche Nahverkehr soll so schneller durchkommen. Entsprechende An- und Abmeldungen schickt das System automatisch an den Verkehrsrechner in Lünen, sobald Busse sich der Kreuzung nähern.

Wenige hunderte Meter vor der Kreuzung ist die Bushaltestelle Jägerstraße. Wenn Busse hier halten, schicken sie automatisch eine Anfrage an den Verkehrsrechner der Stadt. Sofern technisch möglich, wird der Busverkehr in der Ampelschaltung dann priorisiert.
Wenige hunderte Meter vor der Kreuzung ist die Bushaltestelle Jägerstraße. Wenn Busse hier halten, schicken sie automatisch eine Anfrage an den Verkehrsrechner der Stadt. Sofern technisch möglich, wird der Busverkehr in der Ampelschaltung dann priorisiert. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Das System priorisiere die Busse nur dann, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer Nachteile davon hätten. Für das (ggf. falsche) Verhalten von Autofahrern könne die VKU natürlich keine Verantwortung übernehmen.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus