Dr. Bettina Heine-Hippler und Katharina Hinz von der Denkmal-Behörde unterstützen die Familie von Vitus Schulze Wethmar (v.l.) beim sach- und fachgerechten Wiederaufbau des denkmalgeschützten Wohnhauses. © Laura Schulz-Gahmen
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Nach Kaminbrand: Wie Hof Schulze Wethmar wieder ein Zuhause wird

Ein Kaminbrand hat das über 200 Jahre alte Fachwerkhaus der Familie Schulze Wethmar zerstört. Die Sanierung ist aufwendig. Unterstützung kommt dabei auch von der Denkmal-Behörde.

Wer auf den Hof Schulze Wethmar fährt, um dort einzukaufen, der sieht ein wunderschönes altes Fachwerkhaus, das inmitten eines Idylls liegt. Von außen ist nicht zu erkennen, dass vor rund einem halben Jahr die Familie ihr Zuhause durch ein Feuer verloren hat.

Seitdem ist das Innere des Hauses unbewohnbar. Vitus Schulze Wethmar blickt zurück: „Das Feuer ist explosionsartig ausgebrochen. Ich höre noch das laute plötzliche Rauschen, als würde ein Schiff durch das Haus fahren, und dann war auch schon alles verraucht.“

Fachwerkhaus ist über 200 Jahre alt

Glück im Unglück war, dass sich alle Familienmitglieder retten konnten und niemand verletzt wurde. „Die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr waren innerhalb von zwei Minuten da, weitere kamen zwei Minuten später“, so Schulze Wethmar.

Brandherd war der Kamin in der Mitte des Wohnhauses.
Brandherd war der Kamin in der Mitte des Wohnhauses. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Von drei Stellen aus löschte die Feuerwehr, von der Treppe, dem Dachboden und aus dem Eingangsbereich heraus. Die Familie ist der Feuerwehr dankbar, dass alles so schnell ging. Das Fachwerkgebäude, das am 15. Juni 1820 erbaut wurde, teilt sich in Wohnteil und Wirtschaftsteil auf, letzterer wird von der Familie für den Hofladen genutzt. „Getrennt wird der Wohnteil und der Wirtschaftsteil durch die sogenannte Fleet“, erklärt Dr. Bettina Heine-Hippler von der Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).

In der Fleet befindet sich in solch alten Häusern traditionell die Feuerstelle. Die Denkmalpflegerin begleitet den Wiederaufbau und die sach- und fachgerechte Sanierung des Fachwerkhauses mit Katharina Hinz, von der Unteren Denkmalbehörde Lünen.

Schadenshöhe ist noch nicht ermittelt

Der Schaden, den das Wohnhaus der Familie Schulze Wethmar genommen hat, ist laut Bettina Heine-Hippler beträchtlich. Auch ein halbes Jahr nach der Katastrophe stehen noch Trocknungsgeräte in den leeren Räumen.

Um nach weiteren Glutnestern zu sehen, hatte die Feuerwehr ein Loch durch eine Mauer gebrochen.
Um nach weiteren Glutnestern zu sehen, hatte die Feuerwehr ein Loch durch eine Mauer gebrochen. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Die Schadenssumme sei immer noch nicht geklärt: Die Sachverständigen rechnen immer noch“, so Vitus Schulze Wethmar. Jetzt müsse im Wohnteil der Rohbau-Zustand hergestellt werden, erklärt Heine-Hippler.

Wohn- und Wirtschaftsbereich stärker trennen

Die Überlegungen sind derzeit: Was kann man aus diesem Zustand heraus machen? „Sowohl energetisch als auch brandschutztechnisch“, sagt Bettina Heine-Hippler. Denn eine Situation, wie die Familie sie vor einem halben Jahr hatte, möchte sie natürlich nicht noch einmal durchleben.

Durch die enorme Hitze, die sich durch das Feuer im Haus gebildet hatte, sind die äußeren Fensterscheiben geplatzt.
Durch die enorme Hitze, die sich durch das Feuer im Haus gebildet hatte, sind die äußeren Fensterscheiben geplatzt. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

In Zukunft sollen Wohn- und Wirtschaftsbereich stärker voneinander getrennt werden, auch brandschutztechnisch. Das gewaltige Dach, das sich über beide Bereiche erstreckt, soll eine Wand bekommen, die weiter nach oben geht, damit im Falle des Falles ein Feuer nicht so schnell übergreifen kann.

Energetisch sanieren

Energetisch gesehen soll es eine stärkere Wärme-Innendämmung geben. Lehminnenbauschalen sollen die Wärme besser im Haus halten. Ein Stroh-Lehmputz, der bei solchen Häusern früher bereits verwendet wurde, ist immer noch ein gutes Baumaterial. Dieser Lehmputz wird aufgekämmt, bietet „Grip“ und eine dickere Wandstärke.

Völlig verkohlt sind die uralten Holzbalken im einstigen Wohnhaus der Familie Schulze Wethmar.
Völlig verkohlt sind die uralten Holzbalken im einstigen Wohnhaus der Familie Schulze Wethmar. © Laura Schulz-Gahmen © Laura Schulz-Gahmen

Was bei einem Fachwerkhaus alles zu beachten ist, wenn man es renovieren oder sanieren möchte oder muss, das wissen Bettina Heine-Hippler und Katharina Hinz von der Denkmalbehörde genau.

Kostenlose Beratung der Denkmal-Behörde

Deshalb ist ihnen die Beratung, die sie kostenlos anbieten, besonders wichtig. „Wir wollen Menschen helfen und zeigen was möglich ist“, so Heine-Hippler. Die Nutzervorstellungen sollen umgesetzt werden und gleichzeitig soll ein Denkmal sach- und fachgerecht behandelt werden.

Katharina Hinz sagt im Gespräch mit der Redaktion: „Die Beratung geht auch weit über das hinaus, was beispielsweise ein Architekt leisten kann.“ Da gehe es unter anderem um Förderungen, Steuerunterlagen und darum, wie man Schäden sogar vermeiden kann. „Denn nutzt man die falschen Materialen oder eine falsche Vorgehensweise, kann es sein, dass der Ärger hinterher doppelt so hoch ist“, so Hinz.

Ziel ist es 2023 wieder einziehen zu können

Bezogen auf das Unglück der Familie Schulze Wethmar sagt Bettina Heine-Hippler: „Wir wollen hier wirklich ein gutes und für die Familie dauerhaft nutzbares Zuhause schaffen und das Gebäude in die Zeit stellen.“ Das möchte auch Vitus Schulze Wethmar gerne, denn: „Unser Ziel ist es, hier in 2023 wieder einzuziehen.“ Laut Heine-Hippler soll das auch ein realistisches Ziel sein.

Dafür werden aber die richtigen Handwerker benötigt. „Wir versuchen Qualitätsanforderungen zu formulieren“, sagt Bettina Heine-Hippler. Die Denkmal-Behörde unterstützt dabei. Nur bei der Suche nach den passenden Handwerkern, ist die Familie auf sich gestellt. Aber man wisse jetzt Dank der Beratung, welche Art Handwerker man nehmen müsse. Viele Arbeiten kann beispielsweise aufgrund der Materialien im Haus nur ein richtiger Zimmermann machen.

Versichert ist der Ist-Zustand

Versicherungstechnisch sieht es so aus: „Der Ist-Zustand, also von fünf Minuten vor dem Schadenseintritt, ist versichert“, so Vitus Schulze Wethmar. Trotzdem wird viel Eigenleistung nötig sein.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen

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