Die Querstraße in Lünen-Horstmar soll umfangreich saniert werden. © Goldstein
Infoveranstaltung

Sanierung der Querstraße: Anlieger und Verwaltung diskutieren endlich

Seit Monaten erhitzt die geplante Sanierung der Querstraße die Gemüter. Stadtverwaltung und Anlieger tauschten am Montag (29.11.) endlich per Online-Infoveranstaltung ihre Argumente aus.

Die geplante Sanierung der Querstraße in Lünen-Horstmar ist und bleibt ein großes Hin und Her. Das gilt auch für die Online-Infoveranstaltung am Montagabend (29.11.), bei der die betroffenen Anlieger endlich die Chance hatten, gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung über Umfang, Art und Weise, Kosten und Förderungsmöglichkeiten der Maßnahme zu diskutieren. Denn laut Kommunalabgabegesetz (KAB) müssen die Anlieger selbst zu einem wesentlichen Teil für die Straßensanierung zur Kasse gebeten werden.

Ursprünglich hatten die Anlieger der Querstraße – allen voran die Siedlergemeinschaft „Am Lüserbach“ mit ihrem Vorsitzenden Karl Lohmüller – sich bereits für den Sommer eine Präsenzveranstaltung gewünscht, um gemeinsam ihre Kritikpunkte an der Maßnahme vortragen zu können.

Nach langem Zögern aufgrund der Corona-Pandemie berief die Stadt schließlich eine Präsenz-Infoveranstaltung für den 9. Dezember im Rathaus ein. Später wurde der Termin auf den 29. November vorverlegt. Der Grund: Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns wolle an der Info-Veranstaltung teilnehmen und sei am ursprünglichen Termin verhindert. Ende vergangener Woche wurde die Präsenz-Veranstaltung dann in eine Online-Veranstaltung umgewandelt – wegen der hohen Inzidenzzahlen.

Karl Lohmüller (r.) ist der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Am Lüserbach.
Karl Lohmüller (r.) ist der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Am Lüserbach. © Quiring-Lategahn © Quiring-Lategahn

In einer Stellungnahme zeigte Anwohner-Vertreter Karl Lohmüller Verständnis für die Durchführung als Online-Veranstaltung – bemängelte aber erneut, dass eine Präsenzveranstaltung bei rechtzeitiger Planung im Sommer möglich gewesen wäre – etwa an der frischen Luft.

Bereits im Spätsommer hatte Lohmüller den Verdacht geäußert, dass die Stadt keine Präsenzveranstaltung organisieren wolle, damit möglichst wenig Widerstand vonseiten der Anwohner laut werde. Immerhin werden wohl auf jeden Anwohner mehrere Tausend Euro an Kosten zukommen. Insgesamt wird die Sanierung rund eine Million Euro kosten.

Bürgermeister ist doch nicht dabei

Für Verwunderung sorgte am Montagabend dann der Fakt, dass Bürgermeister Kleine-Frauns doch nicht an der Online-Sitzung teilnahm. Er wurde vertreten durch den Technischen Beigeordneten Arnold Reeker sowie weitere Repräsentanten der Stadtverwaltung.

Unter ihnen Hendrik Lütke Brintrup, Leiter des Fachdienstes Straßenbau der Stadt Lünen. Er betonte erneut, dass die Querstraße auf der gesamten Strecke zwischen Niederadener Straße und Lanstroper Straße saniert werden müsse. Zwar sähen die Fahrbahnoberfläche sowie der Gehweg auf dem Teilstück zwischen Niederadener und Wirthstraße oberflächlich passabel aus, während die Oberfläche zwischen Wirth- und Lanstroper Straße in katastrophalem Zustand sei.

Bodenproben und Radarmessungen hätten aber ergeben, dass der Baugrund nirgendwo die Tragfähigkeit habe, die er nach heutigen Standards haben sollte. Deshalb sprach sich Lütke Brintrup für eine Kompletterneuerung der Querstraße aus.

„Wir fahren für die Sanierung der Querstraße einen Riesenapparat auf. Da macht es Sinn, diese 150 Meter zwischen Niederadener- und Wirthstraße auch noch mitzumachen“, so Lütke Brintrup. Zudem werde die Querstraße dann für die „nächsten 50 Jahre plus“ halten, so Lütke Brintrup weiter.

Anlieger Siegfried Erdelhoff, Besitzer der Tankstelle am Kreisverkehr Preußenstraße/Niederadener Straße, sieht das nicht ein. „Warum soll ich mit meinen über 60 Jahren für eine Straße in den nächsten 50 Jahren zahlen?“

Der Beigeordnete Arnold Reeker wies darauf hin, dass nicht das Alter der Anlieger, sondern Parameter wie die Grundstücksgröße, die Art der Nutzung und die Anzahl der Geschosse darüber entscheiden, wie tief ein Anlieger in die Tasche greifen muss. „Und bei einem Verkauf könnte man etwa damit argumentieren, dass in den kommenden Jahren nicht mit anfallenden Anliegerkosten zu rechnen ist“, betonte Reeker. Ein eher schwacher Trost.

Zeitdruck wegen Förderungsprogramm

Anschließend übernahm Heike Gries, zuständig für Beitragsberechnungen bei der Stadt Lünen, das Wort – und warb nochmals dafür, den Sanierungsprozess zügig voranzutreiben. Der Grund: Noch läuft ein Förderprogramm des Landes NRW, welches die Anliegerbeiträge um bis zu 50 Prozent reduziert. Die Krux: Der komplette Bau- und Abrechnungsprozess muss bis zum Stichtag 31.12.2024 abgewickelt sein.

Doch genau in der Höhe der Anliegerbeiträge liegt ein weiterer Kritikpunkt von Lohmüller und Co. Die Stadt Lünen klassifiziert die Querstraße als Anliegerstraße. Somit müssten die Anlieger den Löwenanteil der Sanierungsmaßnahmen stemmen – nämlich 70 Prozent der Fahrbahn- und 80 Prozent der Gehwegsanierung.

Die Anlieger hingegen wollen, dass die Querstraße als Haupterschließungsstraße eingeordnet wird. Dann müssten sie nur 50 Prozent der Fahrbahn- und 65 Prozent der Gehwegkosten übernehmen.

Schließlich gebe es gerade im südlichen Bereich der Querstraße ein hohes Verkehrsaufkommen – zum einen durch Eltern, die ihre Kinder zur städtischen Kita oder zur Schule am Lüserbach brächten. Zum anderen würden Verkehrsteilnehmer Quer-, Schlegel- und Lanstroper Straße als Abkürzungen nutzen, um auf die Preußenstraße zu gelangen.

Doch auch diesen Einwand schmetterte die Stadt ab. Haupterschließungsstraßen würden per Definition den Verkehr aus mehreren Wohngebieten sammeln und den Verkehr auf eine Hauptverkehrsstraße leiten. „Das macht die Querstraße eindeutig nicht“, so Gries.

Immerhin: Die im Zuge der Sanierung geplanten Maßnahmen durch die Stadtwerke (teilweise Erneuerung von Nieder- und Mittelspannungsleitungen, Einrichtung neuer Erdgas- und Trinkwasser-Zuleitungen und Anschlüsse für einzelne Häuser, Verlegen von Leerrohren für einen späteren Breitbandausbau) schlagen mit keinen zusätzlichen Kosten für die Anlieger zu Buche.

Doch wie soll die Querstraße in Zukunft aussehen? Carsten Münte vom Ingenieursbüro DW erläuterte, dass die Gehwege gepflastert und mit abgesengten Bordsteinen sowie mit Noppen- und Rillensteinen versehen werden sollen, um eine barrierefreie Nutzung zu ermöglichen.

Im Kreuzungsbereich Querstraße/Schlegelstraße werde der Radius der Straße etwas enger gezogen, um Fußgängern und Rollstuhlfahrern ein schnelleres Überqueren der Straße zu ermöglichen. Nördlich der Einmündung Wirthstraße sollen die Gehwege auf eine Breite von knapp 1,50 Meter angepasst werden. Auf der einen Straßenseite sei der Gehweg aktuell gerade mal 80 Zentimeter breit, so Münte. Darüber hinaus werde über die Einrichtung von Parkstreifen nachgedacht, um die derzeitige Parksituation übersichtlicher zu gestalten.

Dieser Entwurf sei die Empfehlung, die die Verwaltung der Politik machen werde, so Reeker. Am Mittwoch (1.12.21) werde der Entwurf im Ausschuss für Umwelt, Klima und Mobilität vorgestellt und diskutiert. Am 7. Dezember schließlich stimme der Ausschuss Sicherheit und Ordnung über den Beschluss ab.

Laut Plan der Stadt könnte dann im Herbst 2022 mit der Sanierung begonnen werden. Ein Jahr veranschlage man für die Arbeiten. Genug Zeit also, um die Frist für die Förderung des Landes NRW einzuhalten – wenn es denn so kommt.

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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Marc-André Landsiedel

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