Hellena Binder und ihre Kinder müssen derzeit große Umwege in Kauf nehmen. Grund sind Baustellen, durch die ihr gewohnter Bus eine Umleitung fahren muss undi de Haltestelle Eduard-Petrat-Straße nicht anfahren kann. © Günther Goldstein
Verkehrsprobleme in Lünen

Sperrungen an mehreren Stellen – Bürger müssen weite Umwege fahren

Vollsperrung in der Preußen- und Kreuzstraße, die Sesekebrücke nicht nutzbar: Derzeit ist es für einige Lüner schwieriger, Wege zurückzulegen. Eine Besserung der Situation wird dauern.

Hellena Binder fährt jeden Morgen mit dem Bus von Beckinghausen bis nach Lünen-Süd, um ihre Tochter in den Kindergarten zu bringen. Das dauert zwar immer seine Zeit, war bis jetzt aber gut machbar, wie sie sagt. Nun wird ihre Haltestelle nicht mehr von einem Bus angefahren. Der Grund sind Bauarbeiten rund um die Preußenstraße/Kreuzstraße in Horstmar, wie die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) mitteilen. Daher fällt momentan unter anderem die Haltestelle Eduard-Petrat-Straße weg, die Hellena Binder regelmäßig nutzt.

Weite Umwege sind nötig

„Das bedeutet: Ich und alle anderen müssen jeden Tag zur Kreuzstraße hochlaufen, um von dort aus zum Oberaden Bahnhof zu kommen. Danach muss ich noch mehrfach umsteigen“, beschreibt Hellena Binder den deutlichen Umweg. Richtig angekündigt worden sei es auch nicht.

Die Bauarbeiten dauern insgesamt sechs Wochen.
Die Bauarbeiten dauern insgesamt sechs Wochen. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Die einzige weitere Alternative wäre für Hellena Binder, bis zur nächsten Bushaltestelle zu laufen. „Das würde 30 Minuten oder länger in Anspruch nehmen. Meine Tochter ist drei Jahre und mein Sohn ist zehn Monate alt. Ich weiß einfach nicht, wie ich meine Tochter sechs Wochen lang in den Kindergarten bringen soll, in den sie erst seit August geht und viel Freude dabei hat“, erklärt sie. „Das ist dann eine kleine Weltreise.“

Hellena Binder sorgt sich aber nicht nur um sich und ihre Kinder. „Außerdem gibt es viele ältere Menschen in Beckinghausen, die froh waren, immer mit dem Bus nach Horstmar zu kommen, um einzukaufen. Viele haben mich darauf angesprochen. Eine Dame zieht jetzt für sechs Wochen zu ihrer Schwester nach Horstmar.“ Vor Ort gebe es kaum Möglichkeiten. „Jetzt wissen sie nicht, wie sie den Weg zur nächsten Bushaltestelle schaffen sollen.“

VKU versteht Unmut der Fahrgäste

„Wir können den Unmut unserer Fahrgäste aus dem Bereich der Kreuzstraße nachvollziehen“, erklärt Christin Lembcke vom Verkehrsmanagement der VKU. „Aber leider erlaubt uns die Baustellensituation kein Befahren im Baustellenbereich (entgegen der Möglichkeit für Anwohner). Aufgrund der weiträumigen Sperrung können somit die wohnortnahen Haltestellen leider nicht bedient werden.“

Die Haltestelle Eduard-Petrat-Straße kann nicht angefahren werden.
Die Haltestelle Eduard-Petrat-Straße kann nicht angefahren werden. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Im Vorfeld der Baumaßnahme habe sich die VKU intensiv mit den Auswirkungen auf den Fahrplan auseinandergesetzt und mit Anpassungen bei der R11 und R12 reagiert. „An den betroffenen Haltestellen haben wir mit dem in solchen Situationen üblichem Vorlauf von einer Woche die Fahrgäste auf die Sperrung hingewiesen“, beschreibt Christin Lembcke. „Bei der Kommunikation der Baustellensituation über die Homepage der VKU sei es aufgrund technischer Probleme bei der Informationsübermittlung zu erheblichen Verzögerungen gekommen. „Wir bedauern das sehr und bitten hierfür um Entschuldigung“, so Christin Lembcke.

Weitere Leserin hat Probleme mit der Sperrung

Auch Ute Fridriszik aus Beckinghausen stören die Verkehrsprobleme. „Wir sind richtig abgeschnitten“, ärgert sie sich. „Wenn man zum Arzt oder zur Bank möchte, muss man große Umwege fahren.“ Genau wie Hellena Binder findet sie, dass es nicht richtig angekündigt worden sei.

In der Preußenstraße wird derzeit gebaut.
In der Preußenstraße wird derzeit gebaut. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Als einzige mögliche Ausweichstrecke sieht Ute Fridriszik den Asternweg. „Diesen könnte man öffnen. Allerdings wäre er nur in jeweils eine Richtung befahrbar. Man müsste also ewig warten, bis aus der Gegenrichtung keine Autos mehr kommen.“

Umleitung ist nicht möglich

Eine Umleitung über den Asternweg könne nicht eingerichtet werden, da die Fahrbahn für einen dauerhaften Begegnungsverkehr mit weniger als 4,50 Metern viel zu schmal ist, so die Stadt Lünen auf Anfrage. „Eine andere Verkehrsführung ist leider nicht möglich und die längeren Umleitungsstrecken müssen leider in Kauf genommen werden.“

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Seit über zehn Jahren als freier Journalist tätig und seit einigen Jahren auch für die Ruhr Nachrichten. Ich schreibe gerne über Menschen und ihre Geschichten.
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Tobias Weskamp