12 oder 16 Jahre? Zweifel an Aussage des Mädchens

LÜNEN Hat sie ihm gesagt, sie sei zwölf oder hat sie ihm gesagt, sie sei 16? Das war die entscheidende Frage, die sich das Schöffengericht am Amtsgericht gestern stellte.

31.07.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für den 20-jährigen Angeklagten ging es darum, ob man ihn wegen sexuellen Missbrauches eines Kindes zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei bis fünf Jahren verdonnert oder ihn von dem Vorwurf frei spricht.

Am 23. Dezember letzten Jahres hatten sich die beiden am ZOB kennen gelernt. Während der damals 19-jährige Angeklagte erklärte, das Mädchen habe sich für 16 ausgegeben, sagte das Mädchen - sie wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit von Richter Hans-Joachim Klein befragt -, sie habe dem Angeklagten gesagt, sie sei zwölf Jahre alt.

Alkohol und Drogen

Beide sind dann in die Wohnung des Angeklagten gegangen. Sie haben Alkohol getrunken und Drogen konsumiert. Es kam am Abend und am folgenden Morgen zu sexuellen Handlungen. Der Angeklagte erklärte, dass alles ohne Zwang sondern freiwillig geschehen sei. Das Mädchen sagte, sie hätte aus Angst das gemacht, was der Angeklagte von ihr verlangt habe. Einmal habe er sie geschlagen, davor und danach sei er nicht gewalttätig gewesen.

Der Angeklagte machte es den Richtern nicht leicht. Er war leicht aufbrausend, verwickelte sich immer wieder in gegensätzliche Aussagen oder gab an, sich nicht mehr richtig erinnern zu können. An seiner Aussage, das Mädchen habe ihr Alter mit 16 angegeben, hielt er allerdings fest, während das Mädchen in ihrer Aussage darauf bestand, ihm ihr richtiges Alter angegeben zu haben.

Zweifel

Da beide Aussagen nicht zweifelsfrei bewiesen bzw. widerlegt werden konnten, war es eine schwierige Entscheidung für das Schöffengericht. Anhand des Verlaufs der Ereignisse gingen das Gericht und auch die Staatsanwaltschaft letztlich davon aus, dass das Mädchen dem Angeklagten wohl gesagt habe, sie sei 16. "Sie hat ihn am ZOB angesprochen und um eine Zigarette gebeten. Sie ist mit ihm nach Hause gegangen, hat mit ihm getrunken und nach Drogen gefragt. Das macht man nicht und sagt gleichzeitig, man sei erst zwölf. Und das hätte man einem Kind auch verweigert", erläuterte Richter Klein. In der Nacht hatte sie die Möglichkeit, die Wohnung zu verlassen, habe dies aber nicht getan.

Der Angeklagte werde vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern frei gesprochen. "Objektiv hatten sie sexuellen Kontakt mit einem Kind und das ist auf das Schärfste zu missbilligen", so Richter Klein. Der Angeklagte wurde wegen Körperverletzung und Drogenkaufs zu zwei Wochenenden Freizeitarrest verurteilt. hi-

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