27-Jähriger gibt Sex-Übergriffe auf Zwölfjährigen zu: „Wurde gierig und wollte mehr“

rnIn Lünen und Kamen

Vor dem Dortmunder Landgericht hat ein Missbrauchs-Prozess gegen einen 27-jährigen Mann begonnen, der sich auch in einem Wald bei Lünen an einem minderjährigen Jungen vergriffen haben soll.

Lünen

, 20.08.2019, 15:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem schonungslosen Geständnis hat am Dienstag in Dortmund ein Missbrauchs-Prozess gegen einen Mann aus Kamen begonnen. Der 27-Jährige gab eine ganze Serie von sexuellen Übergriffen auf einen zwölfjährigen Jungen zu. Einer der Tatorte war auch ein entlegenes Waldgebiet in Lünen. „Ich hatte mich vollkommen in den Jungen verschossen“, gestand der Angeklagte an der Seite seines Verteidigers Christian Isselhorst (Dortmund) zum Prozessauftakt vor der 31. Jugendschutzkammer.

Angeklagter: „Wusste nicht, dass ich pädophil bin.“

Der Angeklagte kannte den heute 14 Jahre alten Jungen und dessen Mutter nach eigenen Angaben bereits seit einigen Jahren von den wöchentlichen Treffen bei den Zeugen Jehovas. „Sie kamen regelmäßig dorthin“, sagte der 27-Jährige, der bei der Glaubensgemeinschaft nach eigenen Angaben bis zuletzt auch eine aktive Rolle ausgefüllt hat.

Nachdem er im Frühjahr 2017 mitbekommen hatte, dass die Mutter des Jungen „frisch geschieden“ ist, habe er ihr angeboten, sich ein wenig um den Jungen zu kümmern. Der Angeklagte: „Ich wollte ihr im Prinzip etwas unter die Arme greifen, damit sie im Alltag etwas mehr Entlastung hat. Daher habe ich sie gefragt, ob ich ihren Sohn vielleicht etwas unter meine Fittiche nehmen soll.“

Zu diesem Zeitpunkt, so beteuerte der 27-Jährige, hätten sexuelle Hintergedanken bei seinem Unterstützungs-Angebot noch überhaupt keine Rolle gespielt. „Dass ich homosexuell bin, wusste ich ja. Aber nicht, dass ich auch pädophil bin.“

„Vollkommen verschossen“

Ab April 2017 habe er sich praktisch wöchentlich mit dem Jungen bei sich zu Hause in Kamen-Methler getroffen. Seinen Gefühlszustand hinsichtlich des Jungen rund einen Monat später bezeichnete der Angeklagte im Prozess am Dienstag wörtlich als „vollkommen verschossen“.

Er sei mit dem Zwölfjährigen im Kletterwald gewesen, habe mit ihm Fußball gespielt. „Wir hatten Spaß“, sagte der Angeklagte. Von Mal zu Mal habe er sich dann dem Jungen sexuell genähert, von Mal zu Mal seien die Treffen intensiver geworden. „Irgendwann wurde ich gierig und wollte mehr. Ich habe seine Neugier ausgenutzt“, gab der 27-Jährige zu. Einer der Übergriffe passierte laut Staatsanwaltschaft auch am Rande eines Pkw-Ausflugs in ein Waldgebiet in Lünen.

Die Anklage lautet auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in 22 Fällen. Im Regelfall sieht das Strafgesetzbuch für jede einzelne Tat eine Mindeststrafe von zwei Jahren vor. Die Zeugen Jehovas haben den 27-jährigen Glaubensbruder nach eigenen Angaben nach Bekanntwerden der Missbrauchs-Vorwürfe „sofort exkommuniziert“. Urteil: voraussichtlich am 30. August.

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