34.300 Lüner können nicht zu Fuß Lebensmittel einkaufen gehen - ist das ein Problem?

rnSupermärkte und Discounter

Es war nur eine einzige Folie, die der Politik kurz gezeigt wurde. Sie zeigte Bereiche, in denen Lüner zu Fuß einkaufen gehen können. In großen Teilen der Stadt ist das nicht möglich.

Lünen

, 01.06.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt Stadtteile, in denen die Nahversorgung gar nicht möglich ist. Gahmen zum Beispiel, oder das Geistviertel. Das ist bekannt. Wer Lebensmittel und Co. einkaufen möchte, muss eben in den Nachbarstadtteil.

Es gibt aber deutlich mehr Gebiete im Stadtgebiet, in denen Menschen auch nicht fußläufig einkaufen können. Und davon sind über34.000 Lüner betroffen.

Das geht aus einer Karte hervor, die das Büro Junker+Kruse (Dortmund) im Auftrag der Stadt erstellt und der Politik im Rahmen des Masterplans Einzelhandel vorgestellt hat.

34.300 Lüner können nicht zu Fuß Lebensmittel einkaufen gehen - ist das ein Problem?

Die rosa markierten Bereiche zeigen, wo ein Supermarkt oder Discounter fußläufig zu erreichen sind. Es gibt große Gebiete, in denen das nicht der Fall ist. © Junker+Kruse, Dortmund

Ist ein Supermarkt von einer bestimmten Stelle in weniger als 600 Metern Fußweg zu erreichen, gilt er als fußläufig erreichbar. 600 Meter, davon geht man aus, sind für die meisten Menschen zu bewältigen.

Die Karte zeigt: Rund 34.300 Lüner müssen weiter als 600 Meter laufen. Große unversorgte Gebiete gibt es neben Gahmen und dem Geistviertel in Brambauer und in Wethmar. Diese haben die Planer auch als Problemgebiet ausgemacht. Lösungen dafür präsentierten sie nicht. Sehr zum Verdruss einiger Lokalpolitiker.

„Wir haben doch dringenden Handlungsbedarf in Gahmen“, sagte etwa Hans-Georg Fohrmeister (SPD). Dem stimmte Experte Stefan Kruse zwar im Grunde zu. Sagte aber auch: „Gahmen ist unterhalb der Schwelle, wo Einzelhändler schwarze Zahlen schreiben können.“ Heißt auf deutsch: zu wenig potenzielle Kunden, zu wenig Kaufkraft.

Müssen alle fußläufig einkaufen gehen können?

Kann es denn überhaupt der Anspruch sein, dass alle Lüner zu Fuß einkaufen gehen können? „Es ist schon ein planerisches und gesellschaftliches Ziel, die Nahversorgung in der Fläche zu gewährleisten“, sagt der Lüner Stadtplaner Thomas Berger.

Die Karte des Dortmunder Büros sei dafür ein Anhaltspunkt. „Aber wir müssen das auch gewichten und gucken: Wieviele Leute sind betroffen? Wie ist der Stadtteil sonst ausgerüstet?“

So sei die Versorgungslage in Brambauer insgesamt beispielsweise „relativ gut“, nur seien die Entfernungen groß. „Da müssen wir gucken ob das akzeptabel ist, weil es kompensiert wird und die ÖPNV-Verbindungen gut sind“, sagt er.

Ein Problemfeld bleibt Wethmar, wo im Baugebiet Wethmar-Ost ursprünglich die Situation mit einem neuen Supermarkt oder Discounter verbessert werden sollte. Eine Untersuchung zeigte aber: Ein neuer Supermarkt dort würde den bestehenden Netto-Markt an der Münsterstraße gefährden. „Und den Standort im ,StadtGartenQuartier‘ wollen wir ja gerade stärken“, sagt Berger. Und weiter: „Wie wir aus diesem Dilemma herauskommen, wissen wir ehrlich gesagt auch noch nicht.“

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