4-Tage-Woche für gebeutelte Betriebe? Lüner Unternehmen sind skeptisch

rnVorschlag von Hubertus Heil

Die Stundenzahl der Angestellten reduzieren, um in der Krise alle Stellen zu erhalten? Bundesarbeitsminister Hubertus Heil findet diese Idee super - Lüner Unternehmen halten nicht viel davon.

Lünen

, 21.08.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise hat viele Menschen an den Rand ihrer Existenz getrieben. Während einige Betriebe ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken mussten, wurden andere Arbeitnehmer gekündigt. Um das zu verhindern, hat die IG Metall eine 4-Tage-Woche angeregt. Durch die geringere Arbeitszeit und weniger Lohn sollen alle Stellen erhalten bleiben.

Große Lüner Firmen stehen dem skeptisch gegenüber: Bei der stichprobenartigen Abfrage der Unternehmen hat keines der Unternehmen eine 4-Tage-Woche in Erwägung gezogen. Ein Großteil der Unternehmen würde im Fall der Fälle eher auf bestehende Modelle wie Kurzarbeit zurückgreifen.

4-Tage-Woche ist unflexibel

Dag Hagby, Geschäftsführer der EBG-Group, die sich mit Elektro- und Kunststofftechnik befasst, meint: „Bei der 4-Tage-Woche macht der Arbeitnehmer nur Verluste. Wenn er 20 Prozent weniger Arbeit leistet, verdient er auch entsprechend weniger. Gerade bei denen, die ohnehin kein Top-Gehalt bekommen, macht sich das bemerkbar.“ Die Kurzarbeit sei da deutlich praktischer, denn ausgefallene Stunden würden wie Arbeitslosengeld bezahlt und das Konzept sei deutlich flexibler.

„Die Kurzarbeit kann man täglich beginnen und beenden. Die 4-Tage-Woche hingegen wird tariflich festgelegt - da kommt man nicht so schnell wieder heraus“, sagt Hagby. In Lünen waren die Mitarbeiter der EBG-Group nicht von Kurzarbeit betroffen, im Standort Kierspe allerdings schon. Inzwischen sei die Lage wieder so gut, dass Überlegungen zur Stundenverringerung nicht nötig seien.

Keine Lösung für alle Branchen

Ähnlich sieht es der Kupfer-Verarbeiter Aurubis: „Aus unternehmerischer Sicht der Aurubis macht das Konzept wenig Sinn, da wir von der Corona-bedingten Wirtschaftskrise – glücklicherweise – bisher quasi nicht betroffen sind. Außerdem gibt es eine Reihe von tariflichen Instrumenten, die wir für eine gegebenenfalls notwendige Absenkung von Arbeitszeiten nutzen könnten“, sagt Daniela Kalmbach, Pressesprecherin von Aurubis.

Dennis Stolzenhoff, Mitglied der Geschäftsführung der Catering-Firma Stolzenhoff, hat eine klare Meinung zum Thema: „Die IG Metall wird sich ihren Vorschlag gut überlegt haben - sie kann bestimmt von der Lösung profitieren. Aber man kann keine Pauschallösung für alle Branchen finden. Viele solcher Konzepte funktionieren nur für die Industrie - andere Branchen werden da schnell vergessen.“ Er fügt hinzu: „Unsere Branche, die Gastronomie, ist stark von der Corona-Krise gebeutelt und bräuchte ganz andere Unterstützung. Wir haben dazu mit Fachkräfte- und Nachwuchsmangel zu kämpfen - da ist eine Vier-Stunden-Woche totaler Quatsch.“

Bundesarbeitsminister besucht Lünen

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hingegen hat sich für die 4-Tage-Woche ausgesprochen. Am Samstag (22. August) besucht er die Firma Stolzenhoff, um unter anderem über die Corona-Auswirkungen zu sprechen. Daraufhin unterstützt Heil ab 10.30 Uhr den SPD-Bürgermeisterkandidaten Rainer Schmeltzer im Straßenwahlkampf in der Lüner Fußgängerzone. Der Stand der SPD befindet sich auf Höhe von Thalia.

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