50 Jahre Klinik-Apotheke: Für Krebsmedikamente muss es steriler sein als im OP

rnSt.-Marien-Hospital Lünen

Von der Arzneimittel-Ausgabe zur Hightech-Apotheke: 50 Jahre gibt es die Apotheke im St.-Marien-Hospital. Wo Krebsmedikamente hergestellt werden, wirkt es wie im Hochsicherheitstrakt.

Lünen

, 07.04.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Rührmaschine läuft heute noch. Bernd Voß (79), ehemaliger Chefapotheker, hat sie seinerzeit auf einer Messe gesehen. Eigentlich sollte damit Mayonnaise gerührt werden. Doch Voß nutzte sie für Salben. 18 Tonnen stellte er pro Jahr her. Heute wird in der hochmodernen Apotheke des St.-Marien-Hospitals zwar noch Wundsalbe selbst gemacht. Doch nur 3 Tonnen pro Jahr. Die Aufgaben sind inzwischen andere.

50 Jahre Klinik-Apotheke: Für Krebsmedikamente muss es steriler sein als im OP

Diese Rührmaschine stammt aus der Lebensmittelindustrie. Der ehemalige Chefapotheker Bernd Voß (l.) hat sie 1982 für die Klinik-Apotheke angeschafft. Sie läuft immer noch, wie sein Nachfolger, Chefapotheker Bernd Scharfenkamp, erklärt. © Magdalene Quiring-Lategahn

Seit einem halben Jahrhundert hat das St.-Marien-Hospital eine Vollapotheke. Vorher wirkte eine Ordensfrau im „Kloster“-Dispensarium, einer Ausgabestelle für Arzneimittel. Als das Kuratorium zum 1. April 1969 Bernd Voß aus Hannover zum Chefapotheker berief, stand für ihn Pionierarbeit an. Mit der Ordensschwester und einer Pharmazeutisch-Technischen Assistentin (PTA) baute er die Klinik-Apotheke auf. Was es nicht industriell zu kaufen gab, musste selbst hergestellt werden: Salben, Zäpfchen, Lösungen, Gele oder Augentropfen.

50 Jahre Klinik-Apotheke: Für Krebsmedikamente muss es steriler sein als im OP

Der erste Chefapotheker, Bernd Voß, hat aus dem ehemaligen "Kloster"-Dispensarium, der reinen Arzneimittelausgabe, eine zertifizierte Klinik-Vollapotheke gemacht. 36 Jahre hat er in der Krankenhausapotheke gearbeitet. © Klinikum Lünen

Schon bald richtete Voß ein Steril- und ein Analytik-Labor ein. Bei Vergiftungen oder Drogenmissbrauch war Spurensuche gefragt. „Heute geht das im Schnelltest, damals war das sehr aufwendig“, weiß sein Nachfolger, Chefapotheker Bernd Scharfenkamp (54).

Hohe Anforderungen

Als einer der ersten in Westfalen-Lippe etablierte Voß 1990 ein Zytostatiklabor, um Medikamente für Chemotherapien zubereiten zu können. Bis zu seiner Pensionierung 2004 waren das 300 pro Monat. Heute stellt die vor vier Jahren für 3 Millionen Euro neu gebaute Klinik-Apotheke unter höchst sterilen Bedingungen 1000 Zytostatika im Monat her - für Patienten des St.-Marien-Hospitals, des St.-Christophorus-Krankenhauses Werne und für die ambulante Therapie. Die hygienischen Anforderungen sind inzwischen höher als im OP. Mit dem doppelten Schleusensystem wirkt es dort wie in einem Hochsicherheitstrakt.

„Wir haben viel geschuftet, aber es war eine schöne Zeit“, erinnert sich Bernd Voß an seine 36 Jahre in Lünen. 2004 übernahm Bernd Scharfenkamp als sein Nachfolger eine Apotheke, die als erste Fachabteilung des Krankenhauses zertifiziert war. Er konnte auf ein gutes Fundament aufbauen.

1200 Arzneimittel vorrätig

Wie sich die Zeiten geändert haben, dokumentiert eine Zahl: Während früher eine Palette Infusionslösung für fünf bis sechs Wochen reichte, gehen heute sieben Paletten in der Woche raus. „Das lag damals an den längeren Verweildauern“, erläutert Scharfenkamp. 1200 Arzneimittel hat die Klinik-Apotheke ständig vorrätig. Fünf Apotheker, acht Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTA) und vier Pharmazeutisch-Kaufmännische Assistenten (PKA) gehören nun zum Team. Die Mitarbeiter ziehen inzwischen unter sterilen Bedingungen 38.000 Perfusor-Spritzen pro Jahr für die Intensivstation auf.

Inzwischen sind sie vielfach auf den Stationen im Einsatz, als fachkundige Ansprechpartner für Ärzte und Pflegepersonal. Sie übernehmen für drei Fachabteilungen und die Schlaganfall-Einheit (Stroke Unit) die Arzneimittelanamnese. Bei jedem aufgenommenen Patienten dokumentieren sie, welche Medikamente er nimmt und prüfen auf Wechselwirkungen. „Das ist eine große Entlastung für das Pflegepersonal“, weiß Scharfenkamp.

50 Jahre Klinik-Apotheke: Gefeiert wird im Team. Zudem soll es eine Spende an den Förderverein des Krankenhauses geben.

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