83-jähriger Lüner fiel zwei Mal im Straßenverkehr auf und bemerkte Unfall nicht

Amtsgericht

Mit über 80 Jahren stand ein Lüner zum ersten Mal vor Gericht. Nie hatte er sich etwas zu Schulden kommen lassen. Vor dem Amtsrichter traf er eine schwere Entscheidung.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 26.02.2020, 17:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Senior überlegte sich vor Gericht, ob er weiter seinen Führerschein behalten will.

Der Senior überlegte sich vor Gericht, ob er weiter seinen Führerschein behalten will. © pa/obs ADAC SE

In über acht Jahrzehnten ließ sich ein Lüner nie etwas zu Schulden kommen. Dann verursachte er zwei Unfälle. Unfallflucht und fahrlässige Körperverletzung brachten ihn nun vor das Amtsgericht.

Innerhalb von nur zehn Tagen im April fiel der 83-Jährige zwei Mal im Straßenverkehr auf. Im Bereich der Alstedder Straße fuhr er am 6. April von dem Gelände einer Tankstelle und kollidierte mit einem Pkw, dessen Insassen verletzt wurden. Am 15. April streifte er dann ebenfalls auf der Alstedder Straße den Außenspiegel eines anderen Wagens, verursachte knapp 400 Euro Fremdschaden – und fuhr weiter.

Richter zeigte Mitgefühl

„Ich habe diesen Unfall mit dem Spiegel nicht bemerkt“, beteuerte der Rentner nun im Prozess und erwies sich dabei als sehr schwerhörig. Zu dem anderen Unfall musste er sich allerdings gar nicht mehr äußern. Richter Ulrich Oehrle insistierte: „Ich habe das Gefühl, dass Sie besser nicht mehr Auto fahren sollten. Sonst passiert noch etwas.“

Er stellte dem 83-Jährigen die Einstellung des Verfahrens in Aussicht, falls der bereit sei, auf seinen Führerschein zu verzichten. „Das ist nicht leicht. Ich verstehe das“, so Oehrle, der sein Mitgefühl nicht verbarg. „Ich bin einverstanden“, erklärte der Senior und übergab den alten grauen Führerschein, der ihn fast 50 Jahre begleitete.

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