Die Silhouette der ehemaligen Steag-Fläche hat sich verändert. Demnächst beginnt der Rückbau des Bürogebäudes, der Werkstatt und des Trafohäuschens. © Goldstein
Industriestandort

Abbruch folgt Tiefbau: Wie sich das einstige Steag-Gelände verändert

Täglich verschwindet ein Stück Lüner Industriegeschichte. Vom einstigen Steag-Kraftwerk ist nicht mehr viel übrig. Bald erreicht der Abbruchhammer auch Bürogebäude, Werkstatt und Trafohäuschen.

Bis Ende des Jahres, so hatte es das Unternehmen Hagedorn angekündigt, soll das ehemalige Steag-Gelände geräumt sein. Tatsächlich liegen die Abbrucharbeiten laut Sprecherin Judith Roderfeld im Plan. Doch damit ist es nicht getan. Auch Tiefbau steht auf dem 37 Hektar großen Gelände noch an. Klobige Fundamente sind im Boden verankert, die entfernt werden müssen. Diese Aufgabe steht direkt nach dem Rückbau des Bürogebäudes, der Werkstatt und des Trafohäuschens an. „Wann das Gelände letztendlich geräumt ist, lässt sich nicht genau terminieren“, teilt die Unternehmenssprecherin auf Anfrage der Redaktion mit.

Aus nach 80 Jahren Betriebszeit

2018 war das älteste Kraftwerk der Steag nach 80 Jahren Laufzeit vom Netz genommen und stillgelegt worden. Seit Juni 2020 baut Hagedorn die Anlagen ab. Inzwischen fast geräuscharm. Geknallt hat es schon ordentlich. Mit der größten Sprengung Deutschlands machte das Unternehmen im März auf sich aufmerksam: Damals fielen Schornstein, Kühlturm und Kesselhaus. 420 Kilogramm Sprengstoff ließen die markanten Lüner Landmarken in sich zusammenfallen. 2100 Bohrungen waren dafür nötig. „Die erfolgreiche Sprengung im März dieses Jahres war bisher die größte Herausforderung bei der Umwandlung“, sagt Judith Roderfeld.

37 Hektar groß ist die ehemalige Industriefläche in Lippholthausen. Die Politik diskutiert über die Zukunft.
37 Hektar groß ist die ehemalige Industriefläche in Lippholthausen. Die Politik diskutiert über die Zukunft. © Goldstein © Goldstein

180.000 Tonnen Bauschutt und Schrott recycelt

Neben kleineren Sprengungen gab es im Juli noch einmal einen ordentlichen Rumms: Der 150 MW-Kessel, ein 130 Meter hoher Schornstein und ein sogenannter Bunkerschwerbau, zu dem die Steinkohle einst per Förderband transportiert worden war, mussten weichen. Dafür reichten 135 Kilogramm Sprengstoff und 292 Bohrlöcher.

Im Laufe des Rückbaus werden rund 180.000 Tonnen Bauschutt und Schrott recycelt, berichtet Judith Roderfeld. Der Bauschutt bleibt auf dem Gelände und wird direkt vor Ort wiederverwertet. Damit wolle man Ressourcen schonen, Transporte minimieren und Entsorgungen reduzieren.

Als herausfordernde Aufgabe bezeichnet Roderfeld den Rückbau des Areals. Dank der starken Prozesskette könne das Unternehmen diesen optimal meistern. Arbeitssicherheit stehe dabei an erster Stelle. Bisher sei das Projekt unfallfrei und ohne Verletzungen verlaufen.

Über die Zukunft des Areals wird in der Politik viel diskutiert. Das Entwicklungskonzept „Wirtschaftsstandort Lippholthausen 2030“

wird Thema im Stadtentwicklungsausschuss (26. Oktober) und im Haupt- und Finanzausschuss (4. November) sein.

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Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
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Magdalene Quiring-Lategahn