Abgedrängt und beleidigt: Probleme auf Radschutzstreifen Münsterstraße

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Autofahrer, die an der Münsterstraße in Höhe des Hauptbahnhofs links abbiegen wollen, haben keine eigene Spur mehr. Oft wird der Radschutzstreifen blockiert. Das führt zu unschönen Szenen.

Lünen

, 07.08.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Situation an der Münsterstraße stadteinwärts in Höhe des Hauptbahnhofs hat Aufregerpotenzial. Hier gibt es seit Einführung des neuen Radschutzstreifens keine Linksabbiegerspur mehr. Oft stehen oder fahren die Autos einfach nebeneinander und blockieren den gesonderten Radschutzstreifen.

Reinhard Koch vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) hat hier schon unschöne Szenen erlebt. Er sei als Radfahrer von Autofahrern und Bussen zur Seite gedrängt worden. Als er einmal deshalb an die Scheibe klopfte, habe man ihm den Stinkefinger gezeigt. „Hier muss Rücksicht genommen werden“, sagt Koch. Aus Sicht des ADFC sei der Schutzstreifen für Radfahrer zwar zu begrüßen, doch die Autofahrer müssten ihn auch annehmen. Reinhard Koch fühlt sich auf dem neuen Streifen nicht sicher. Konflikte seien vorprogrammiert.

Lieber auf dem Geh- und Radweg unterwegs

Vermutlich geht es manch anderen Radfahrern genauso. Denn vielfach wird auf der Münsterstraße eher der parallel verlaufenden Geh- und Radweg genutzt. Theo Freihold, ebenfalls vom ADFC, vermutet: „Viele Menschen haben den Schutzstreifen noch nicht wahrgenommen oder trauen sich nicht, dort zu fahren.“ Ihm selbst geht es nicht so, er fährt lieber schneller auf dem Schutzstreifen.

Grundsätzlich haben Radfahrer die Wahl, teilt die Stadt Lünen auf Anfrage mit. Sie können den Schutzstreifen befahren, aber auch den parallel verlaufenden Geh- und Radweg. Dort allerdings ist nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Zudem ist der Weg recht eng. Wer schneller unterwegs sein möchte, sei mit dem Schutzstreifen besser bedient, so Freihold.

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Autos dürfen Schutzstreifen überfahren

Autofahrer dürfen den Radschutzstreifen zwar überfahren, sie müssen aber einen Abstand von mindestens 1,50 Meter einhalten, um Radfahrer nicht zu gefährden. Parken ist dort verboten. „Für die Ausweisung eines benutzungspflichtigen Radfahrstreifens, der nicht von Pkw befahren werden darf, fehlt der notwendige Platz auf der Münsterstraße“, erklärt Alexander Dziedeck, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Lünen.

Trotz der Probleme steht der ADFC zu dem Radschutzstreifen. Der Rad- und Fußweg an der Münsterstraße sei viel zu schmal, erläutert Freihold. Besonders kritisch sei die Stelle unter der Eisenbahnbrücke. Da werde es ganz eng, fast schon lebensgefährlich. Der Schutzstreifen diene insgesamt dazu, den Verkehr gleichmäßiger zu verteilen. Das Problem: Weil den Radfahrern mehr Platz eingeräumt werde, hätten Autofahrern mehr auf sie zu achten.

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