Abschiebung nach Kuba droht: Ehepaar aus Lünen klagt gegen Entscheidung der Stadt

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Die Nerven liegen blank bei Manfred und Yaumara Stach. Yaumara Stach soll weiter nach Kuba abgeschoben werden. Nun wartet das Ehepaar auf einen Termin beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen.

Nordlünen

, 23.01.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Warten und die ungewisse Zukunft zerren an den Nerven von Manfred und Yaumara Stach. Das Ehepaar wartet auf einen Verhandlungstermin beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Denn Yaumara Stach hat Klage gegen die Ausländerbehörde der Stadt Lünen eingereicht.

Die 44-Jährige soll zurück nach Kuba. Von der Karibik-Insel stammt die zweifache Mutter. Dort hatte Manfred Stach sie kennengelernt, als er im Oktober 2017 mit einem Freund Urlaub machte. Yaumara Stach war in dem Hotel, in dem die beiden Männer wohnten, angestellt.

Der Lüner, der zu der Zeit in einem Scheidungsverfahren steckte, verliebte sich in die Kubanerin. Weil er als Erwerbsminderungsrentner nicht viel Einkommen hat, lieh ihm sein Freund Geld, damit er Yaumara ein Handy kaufen konnte. „Wir haben dann über WhatsApp Kontakt gehalten“, erzählt der heute 61-Jährige.

Damit Yaumara ihn in Deutschland besuchen konnte, musste er eine schriftliche Einladung aussprechen und sie zur deutschen Botschaft nach Havanna, um ein Visum zu beantragen. „Ich musste dann eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, dass Yaumara nach Ablauf des Visums wieder nach Kuba zurückfliegt.“

Hoffnung auf ein Familienleben in Lünen

Das Visum galt für die Zeit vom 20. April bis 18. Juli 2019. Aber die Kubanerin konnte erst am 6. Mai fliegen. Und es kam dann anders als von den Behörden vorgeschrieben. Die Beiden beschlossen, zu heiraten. Dann mussten die entsprechenden Papiere vorgelegt werden, was auch noch eine Zeit lang dauerte. Am 12. August war es soweit - im Lüner Standesamt, mit einer Dolmetscherin, die die Zeremonie für Yaumara Stach ins Spanische übersetzte.

„Ihr Pass ist nun eigentlich ungültig, da steht noch ihr kubanischer Nachname, aber sie heißt ja jetzt Stach“, so der Ehemann. Mit geschenkten Möbeln hat er mittlerweile in der gemeinsamen Wohnung ein kleines Kinderzimmer für die elfjährige Tochter seiner Frau eingerichtet. Denn er gibt die Hoffnung nicht auf, dass er mit Yaumara und deren Tochter gemeinsam in Lünen leben wird.

Yaumara Stach hat mittlerweile einen Sprachkurs absolviert und auch die A1-Prüfung. „Mündlich habe ich bestanden, auf das Ergebnis der schriftlichen Prüfung warten wir noch“, sagt sie.

Nun schwebt die drohende Abschiebung nach Kuba wie ein Damoklesschwert über dem Ehepaar. Laut Ausländerbehörde muss Yaumara Stach zurück in ihre Heimat fliegen und dort dann ein neues Visum beantragen. „Wir haben aber kein Geld für die Flüge“, sagt Stach.

Anwalt: Rechtswidrige Entscheidungen

Und der Anwalt, der im Namen des Paares am 17. Dezember 2019 Klage beim Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen eingereicht hat, bezeichnet in der Klage die Abschiebungsandrohung und eine angedrohte Einreisesperre für zwei Jahre im Falle einer Abschiebung als „rechtswidrige“ Entscheidungen.

Nach Ansicht des Lüner Juristen müsse geprüft werden, ob die Heirat mit einem Deutschen als „Aufenthaltsgrund“ anerkannt wird. Eine Rückreise nach Kuba mit Durchführung eines Visaverfahrens bezeichnet der Anwalt als „außergewöhnliche Härte“. Denn Yaumara Stach hat kein Einkommen und ihr Mann ist Erwerbsminderungsrentner. Deshalb besteht auch Anspruch auf Prozesskostenhilfe.

Das Ehepaar ist mittlerweile in ärztlicher Behandlung, weil das Ganze so an den Nerven zerrt. Stach hat auch schon überlegt, mit seiner Frau nach Kuba zu ziehen. Das ist jedoch keine Alternative: „Dann müsste ich regelmäßig für einen Tag das Land verlassen und dann immer ein neues Visum beantragen.“

Die Stadt Lünen, in diesem Fall die Beklagte, hatte schon Ende Dezember erklärt, sie wolle sich nicht mehr zu dem Fall äußern. Die rechtlichen Möglichkeiten seien ausgeschöpft.

Yaumara und Manfred Stach hoffen nun, dass ihre Klage Erfolg hat und die 44-Jährige bleiben darf. Stach: „Wenn sie abgeschoben würde, das wäre für mich eine Katastrophe.“

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