Die Stadt Lünen schlägt vor, ein Stück des Radweges auf der Cappenberger Straße in eine Protected Bike Lane umzuwandeln und die Radfahrenden durch bauliche Maßnahmen besser zu schützen. © Quiring-Lategahn
Radverkehr

ADFC in Lünen begrüßt Protected Bike Lane, Politik will anderen Standort

Das Fahrradklima in Lünen ist nicht gut, bestätigt jetzt auch der Test für 2020. Dabei hat die Stadt einige Projekte im Anstich. Zu einem gibt es Redebedarf bei der Politik und ADFC.

Die Stadt Lünen möchte an der Cappenberger Straße einen Feldversuch mit einer „Protected Bike Lane“ starten. Der Radweg auf dem Niveau der Fahrbahn wird dabei zum Beispiel durch kleine Baken abgetrennt und Radfahrer dadurch besser geschützt. Dies soll vor allem an dicht befahrenen Straßen und Kreuzungen die Gefahr für die Zweiräder reduzieren.

Das Projekt ist Teil des Plans, den Anteil des Radverkehrs in der Stadt zu erhöhen und mehr Menschen von vier auf zwei Räder umsteigen zu lassen. In der Vergangenheit war unter anderem der Leezenpatt im Bereich der Innenstadt erneuert worden, außerdem sind neue Radwege nach Bergkamen und nach Brambauer geplant, wobei die Umsetzung hier noch Zeit in Anspruch nehmen wird.

Feldversuch: ADFC kontra SPD

Bei der Protected Bike Lane zeigten sich Teile der Politik, darunter vor allem die SPD, in den Diskussionen mit der Wahl des Ortes für den Feldversuch unzufrieden. Die Cappenberger Straße sei eine stark genutzte Straße, das Risiko von Unfällen sei dort deutlich zu hoch. Der Beschlussvorschlag wurde an den Ausschuss für Sicherheit und Ordnung zurückverwiesen, wo er erneut diskutiert werden soll.

Für den ADFC in Lünen sind die Zweifel der Politik nicht nachvollziehbar: „Der von der Verwaltung ausgesuchte Bereich birgt ein hohes Gefahrenpotential für den Radverkehr und ist aus unserer Sicht genau richtig ausgesucht“, erklärt der verkehrspolitische Sprecher Jürgen Heidenreich gegenüber unserer Redaktion. „Da der beidseitig vorhandene Radweg schon existiert, wird dem motorisierten Individualverkehr keine Fläche weggenommen, nur die Halte- und Parkmöglichkeit gibt es dann nicht mehr.“

Und genau das würde zu noch mehr Sicherheit für Radfahrer an der entsprechenden Stelle führen, da sich Radfahrende nicht um geparkte Fahrzeuge herum in den fließenden Verkehr einordnen müssten. „Auch die Gefahr des ,Doorings‘, also plötzlich öffnende Fahrzeugtüren des ruhenden Verkehrs, entfällt bei der Protected Bike Lane“, so Heidenreich.

Der ADFC spricht sich grundsätzlich für eine Protected Bike Lane aus: „Auf jeden Fall erhöht es die Sicherheit des innerstädtischen Radverkehrs. Dem Kfz-Verkehr ist es bei einer Protected Bike Lane nicht mehr möglich, den Radbereich ordnungswidrig zu überfahren, beziehungsweise diese zuzuparken.“ Allerdings sei eine solche Radfahrbahn nicht überall in Lünen zu realisieren, wie das Beispiel Münsterstraße zeige: „Alternativen zum Schutzstreifen für den Radverkehr sind aufgrund der beengten Platzverhältnisse nicht möglich“, erläutert Jürgen Heidenreich.

Kein gutes Fahrradklima

Immerhin: Es gibt den Schutzstreifen. Ansonsten fällt das Fazit des ADFC zum Radverkehr in Lünen eher mau aus: „Außer der neuen Markierung Auf dem Osterfeld und der Umwidmung der Münsterstraße von circa 100 Metern Fahrradstraße und dem Schutzstreifen ist in den letzten Jahren nicht viel passiert.“ Das zeige auch ganz aktuell der bundesweite Fahrradklimatest 2020: „Lünen ist unter den Städten von 50.000 bis 100.000 Einwohnern auf Rang 56 von 110 und einer Note von 4,03 konstant (schlecht) geblieben, obwohl die Stadt seit mehr als 25 Jahren in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte NRW (AGFS) ist.“

Auch die bisher bekannten Projekte, mit denen Lünen in naher Zukunft den Radverkehr fördern will, reichen nach Meinung von Jürgen Heidenreich nicht aus. So werde für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027 ein touristischer Radweg umgewidmet, aber dem motorisierten Individualverkehr nichts im innerstädtischen Bereich weggenommen. Hinzu komme dann noch die Sanierung der maroden Holzbrücke über die Bahnstraße und die Umwidmung der Horstmarer Straße zu einer Fahrradstraße auf einer Länge von 190 Metern. „Nein, das sind keine großen Projekte, die den motorisierten Individualverkehr aufs Rad bringen.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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