Die Adler-Filiale an der Stadttorstraße in Lünen soll erhalten bleiben. Allerdings ist das Insolvenzverfahren noch nicht abgeschlossen. © Claeßen
Insolvenzverfahren

Adler-Übernahme hat positive Folgen auch für den Standort Lünen

Die insolvente Modekette Adler hat einen neuen Investor gefunden und blickt deshalb optimistisch in die Zukunft. Von den guten Nachrichten profitiert auch der Einzelhandel in Lünen.

Gerade einmal zwei Sätze lang ist die Stellungnahme von Adler zur Zukunft des Standortes Lünen auf der Stadttorstraße 3. Doch die Nachricht macht Hoffnung. „Zum jetzigen Zeitpunkt soll der Adler-Standort in Lünen fortgeführt werden. Für diesen Standort ist aktuell keine Schließung vorgesehen“, heißt es in der schriftlichen Mitteilung. Dass es noch keine finale Aussage gibt, hat einen einfachen Grund.

Erst am Donnerstag (1. Juli) hat das Amtsgericht Aschaffenburg das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet, nachdem die Adler Modemärkte AG am 11. Januar 2021 „aufgrund der Verwerfungen im Zuge des Corona-Lockdowns“ Insolvenzantrag gestellt hatte. Wie Adler schriftlich mittteilt, soll der Insolvenzplan Ende Juli der Gläubigerversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. „Idealerweise kann das Unternehmen das Insolvenzverfahren Ende August 2021 beenden.“

Filialen sollen bleiben, weniger Arbeitsplätze

Der Insolvenzplan sieht dabei die Entschuldung der Gesellschaft und die Fortführung des operativen Geschäfts mit mehr als 100 deutschen und 29 ausländischen Modefilialen (Österreich 24, Luxemburg 3, Schweiz 2) vor. Durch die geplante Neuaufstellung können „voraussichtlich mindestens 2600 der

insgesamt 3100 Arbeitsplätze der Gruppe erhalten werden.“ Ursprünglich waren andere Lösungsansätze im Gespräch.

Nach Medieninformationen wollte der Adler Vorstand 52 Filialen schließen – und somit das Unternehmen deutlich verkleinern. Jetzt sollen deutlich mehr Filialen erhalten bleiben. Allerdings wird sich die Eigentümerstruktur komplett verändern.

Der Insolvenzplan sieht einen Kapitalschnitt in Form einer Herabsetzung des

Grundkapitals der Adler Modemärkte AG auf Null vor.

Das hat zur Folge, dass die bestehenden Aktien der Gesellschaft „somit aller Voraussicht nach vollständig wertlos werden“, wie Adler mitteilt. Das Unternehmen werde von der Börse genommen, alleiniger Aktionär wird der neue Investor Zeitfracht.

Kritik an mangelnder Unterstützung

Die Adler-Gruppe erzielte nach eigenen Angaben im Jahr 2019 einen Umsatz von 495,4 Millionen Euro und einen Nachsteuergewinn von 5,1 Millionen Euro. Gegründet wurde das Unternehmen 1948 im Erzgebirge (Sachsen). Vor wenigen Wochen (Anfang Mai) hatte das Unternehmen mit Sitz in Haibach (bei Aschaffenburg) öffentlich über mangelnde Unterstützung der Bundesregierung geklagt.

Der künftige Eigentümer betritt mit der Übernahme Neuland. Zeitfracht ist bislang als Logistiker bekannt, der von seinem Zentrum in Erfurt online bestellte Bücher ausliefert. Zudem hilft das Unternehmen Buchhändlern beim Aufbau von eigenen Online-Shops. Der Umsatz der Gruppe betrug nach Medieninformationen im vergangenen Jahr über 600 Millionen Euro.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer