Ärztin Dr. Sigrid Sobottka war 51 Jahre tätig: Mit Herzenswärme durch eine tragische Nacht

rnSpenden zum Abschied

Augen, Herz und Hände: Das sind für Dr. Sigrid Sobottka (76) wichtige Hilfsmittel eines Hausarztes. 51 Jahre lang hat sie Patienten versorgt. Eine Nacht wird sie nicht vergessen.

Lünen

, 17.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Vor zwei Wochen hat sich Dr. Sigrid Sobottka in den Ruhestand verabschiedet. 47 Jahre wirkte sie als Hausärztin, anfangs in der Praxis ihres Vaters Dr. Wilhelm Bartram.

Die Medizinerin erlebte den technischen Fortschritt, hin zur apparativen Diagnostik. Und doch ist sie überzeugt: Dem Hausarzt helfen die eigenen Sinne, das feine Gespür, die Erfahrung und das Zuhören. Den Patienten reden lassen, eigene Schlüsse ziehen und dann die Diagnose finden. Es sei ein bisschen so wie bei Sherlock Holmes. Moderne Technik könne bei der Spurensuche helfen oder letztlich einen Befund untermauern. Doch für sie gehöre auch Herzenswärme zum Beruf.

600 Euro an den Kinderhospizdienst

Dass sie das gelebt hat, beweisen die vielen Patienten, die sich von ihrer Hausärztin verabschiedeten. Rührende Aufmerksamkeiten zeugen davon. Sigrid Sobottka hatte statt Blumen um eine Spende für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Lünen gebeten. 600 Euro konnte sie der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Charlotte Schulte-Witten für die Begleitung von Kindern mit lebensverkürzenden Erkrankungen und ihren Familien überreichen. Eine wertvolle Arbeit, wie Sigrid Sobottka findet.

Ärztin Dr. Sigrid Sobottka war 51 Jahre tätig: Mit Herzenswärme durch eine tragische Nacht

Statt Abschiedsgeschenke hatte Dr. Sigrid Sobottka (l.) um eine Spende für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Lünen gebeten. 600 Euro konnte sie an Charlotte Schulte-Witten überreichen. © Quiring-Lategahn

Die Medizinerin hat als Mutter zweier Kinder immer gearbeitet. Für die damalige Zeit war das ungewöhnlich. „Das klappte nur, weil mich mein Mann unterstützte. “ Der letzte Dienst im Marienhospital kurz vor der Geburt ihres Sohnes ist ihr bis heute in Erinnerung geblieben. Ein Mann wurde in die Klinik gebracht, der barfuß auf nassem Gras eine Hecke geschnitten hatte. Den Stromschlag hat er nicht überlebt. Er war jung verheiratet. „Ich konnte nicht mehr tun, als die Ehefrau in den Arm zu nehmen. Diese Nacht vergesse ich nie.“

„Der Druck ist heute höher als früher“

Bluthochdruck, Herz- und Wirbelsäulenprobleme, diese Krankheiten haben schon 1972 den Praxisalltag beherrscht. Inzwischen hätten Stoffwechselerkrankungen auch bei jungen Leuten und Allergien deutlich zugenommen. Auch psychische Probleme bringen die Patienten zum Hausarzt. „Der Druck ist heute höher als früher.“

Simone Thal ist Nachfolgerin

Sigrid Sobottka zieht sich zurück. Die Patienten werden in der Praxis am Lippepark an der Dortmunder Straße 8a weiterhin von ihrem Sohn Dr. Hans Martin Sobottka (46), Dr. Michael Funke (63) und Nachfolgerin Simone Thal (41) versorgt.

Sie war zuletzt in der Notfall- und Intensivmedizin tätig und freut sich jetzt darauf, als Hausärztin die Patienten rundum begleiten zu können. „Es ist schön, das gesamte Spektrum zu haben, auch ältere und junge Patienten.“

Simone Thal, die aus einer Medizinerfamilie stammt, will die Bereiche Ultraschall, Naturheilverfahren und Reisemedizin erweitern. Vor ihrer medizinischen Ausbildung hat sie klassisches Ballett gelernt.

Garten und Musik sind Hobbys

Sigrid Sobottka hat die ersten Tage ihres Ruhestandes bisher genossen. Sie freut sich auf mehr Zeit für ihre vier Enkelkinder und ihren Mann Dr. Gert Sobottka (82). Außerdem spielt sie gerne Klavier, liebt Klassik und Jazz.

Sie ist auch eine begeisterte Hobby-Gärtnerin. Die 76-Jährige kümmert sich nicht nur um Blumen, sondern zieht auch selbst Gemüse heran. Zucchini und Porree stammen aus eigenem Anbau. „Bisher“, sagt die langjährige Ärztin, „hat es noch keine Zeit für Langeweile gegeben.“

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